Blockieren Privatpatienten Termine? Ărzte sagen Nein
21.03.2025 - 04:30:43Die Suche nach einem Arzttermin empfinden viele gesetzlich versicherte Patienten als mĂŒhsam und langwierig - der Bundesrat hat deshalb jetzt einen Aufruf fĂŒr eine gerechtere Terminvergabe beschlossen.
Was fordert der Bundesrat?
Auf Antrag Niedersachsens forderte die LĂ€nderkammer die Bundesregierung auf, zu prĂŒfen, ob die bestehenden Regelungen Kassenpatienten im Vergleich zu Privatpatienten benachteiligen. Damit gesetzlich Versicherte genauso schnell Termine erhalten wie privat Versicherte, sollen auch neue Vorgaben in Betracht gezogen werden.
Die niedersĂ€chsische Landesregierung kann sich etwa eine Mindestquote von Terminen fĂŒr gesetzlich Versicherte vorstellen oder finanzielle Anreize fĂŒr Ărzte, die ĂŒberwiegend gesetzlich Versicherte behandeln. Alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger mĂŒssten gleichberechtigt Zugang zu schneller, hochwertiger medizinischer Versorgung haben, sagte Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) - «unabhĂ€ngig von ihrem Einkommen, ihrem Wohnort oder der Frage, ob sie privat oder gesetzlich krankenversichert sind».
Nach EinschÀtzung von Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz erhöht die Bundesratsinitiative den Druck, «die Ungleichbehandlung einzudÀmmen».
Blockieren Privatpatienten die Termine?
Nein, sagt der Vorstandsvorsitzende der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. DafĂŒr gebe es gar nicht genĂŒgend Privatpatienten. Rund 90 Prozent der Menschen in Deutschland seien gesetzlich krankenversichert. «Auf sie entfĂ€llt dementsprechend automatisch der mit Abstand gröĂte Anteil der Termine», sagte Gassen. «Zudem gehen die rund zehn Prozent privat Versicherten deutlich seltener zum Arzt.»
Der OrthopĂ€de sieht in dem niedersĂ€chsischen Vorstoà «pure Augenwischerei»: Termine, die es nicht gebe, oder Leistungen, die nicht vergĂŒtet werden, könnten auch nicht per Gesetz erzwungen werden.Â
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) beklagt hingegen eine «Diskriminierung der gesetzlich Versicherten gegenĂŒber Privatpatienten bei der Terminvergabe», wie Vorstandsvize Stefanie Stoff-Ahnis sagte.Â
Wie lang sind die Wartezeiten?
Die KBV verweist auf eine Auswertung der Termin-Servicestellen unter der Rufnummer 116 117: Facharzttermine wurden demnach im Jahr 2023 durchschnittlich binnen 12 Tagen nach der ersten Anfrage vermittelt. Am schnellsten ging es demnach bei HausĂ€rzten (4 Tage), lĂ€nger dauerte es etwa bei KinderĂ€rzten (9 Tage), AugenĂ€rzten (11 Tage) oder HautĂ€rzten (14 Tage). Die lĂ€ngste Wartezeit weist der KBV-Bericht mit im Schnitt 26 Tagen fĂŒr die Endokrinologie (Hormonheilkunde) und Diabetologie aus.
Wie nehmen die Patienten die Wartezeiten wahr?
Fast jeder dritte gesetzlich Versicherte (31 Prozent) empfindet das Warten auf einen Facharzttermin als zu lang - und jeder Vierte wartet nach eigenen Angaben lĂ€nger als 30 Tage darauf. Das ist das Ergebnis einer reprĂ€sentativen Umfrage von 2024 im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes. Auch in dieser Befragung schneiden die HausĂ€rzte besser ab: Dort hielten lediglich 12 Prozent die Termin-Wartezeiten fĂŒr zu lang.
Welches Problem sehen die Ărzte?
KBV-Chef Gassen fordert eine fĂŒr alle Beteiligten verbindliche Terminvergabe. HĂ€ufig wĂŒrden Patienten nicht erscheinen, obwohl sie einen Termin haben. Eigentlich mĂŒsste den Ărzten daher jeder Termin von gesetzlich versicherten Patienten automatisch vergĂŒtet werden, sagte der KBV-Chef: «Es geht eben nicht nur um ein Datum im Kalender wie bei einem Friseurtermin, sondern um die Koordination von Versorgung.»
Was wollen die Krankenkassen?
Im Fokus steht fĂŒr den GKV-Spitzenverband eine digitale Terminvermittlung, fĂŒr die die Ărzte je nach Fachgruppe eine gewisse Stundenzahl diskriminierungsfrei zur VerfĂŒgung stellen mĂŒssten - unabhĂ€ngig vom Versichertenstatus. «Wer echte Gleichbehandlung will, muss dafĂŒr sorgen, dass bei der Terminvergabe nicht mehr danach gefragt werden darf, ob jemand gesetzlich oder privat versichert ist», sagte Vorstandsvize Stoff-Ahnis. «Ich hoffe, dass die neue Bundesregierung das Thema zeitnah aufnimmt und nicht erneut vergeblich versucht wird, das Problem ĂŒber immer mehr Geld fĂŒr die Ărzteschaft zu lösen.»


