Lauterbach, Cannabis-Gesetz

Lauterbach will bei Cannabis-Gesetz auf LĂ€nder zugehen

20.03.2024 - 17:33:53

Eine Freigabe von Cannabis soll zum 1. April kommen. Doch im Bundesrat gibt es WiderstÀnde. Der Bundesgesundheitsminister will den LÀndern entgegenkommen, um das Vorhaben zu retten.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geht auf die LĂ€nder zu, um die umstrittene Legalisierung von Cannabis im Bundesrat ĂŒber die letzte HĂŒrde zu bringen. «Ich gehe davon aus, dass wir das am Freitag schaffen werden», sagte der SPD-Politiker in Berlin. «Wir werden allerdings hier wirklich fĂŒr jede einzelne Enthaltung oder Zustimmung kĂ€mpfen, sodass ich zuversichtlich bleibe, dass wir am Vermittlungsausschuss noch vorbeikommen.» Die Regierung legt dem Bundesrat dafĂŒr auch eine ProtokollerklĂ€rung vor, die unter anderem verstĂ€rkte PrĂ€vention und flexiblere Umsetzungsregeln zusichert.

Lauterbach betonte: «Ich kĂ€mpfe dafĂŒr, dass das Gesetz tatsĂ€chlich beschlossen wird. Da kommt es auf jedes einzelne Bundesland an.» Er stehe dazu in direktem Austausch mit den MinisterprĂ€sidentinnen und MinisterprĂ€sidenten und habe die ProtokollerklĂ€rung vorbereitet, in der viele Bedenken der LĂ€nder aufgegriffen worden seien.

Das vom Bundestag beschlossene Gesetz kommt an diesem Freitag abschließend in den Bundesrat. Dort ist es nicht zustimmungsbedĂŒrftig, aber die LĂ€nderkammer könnte den gemeinsamen Vermittlungsausschuss mit dem Bundestag anrufen und das Verfahren damit bremsen. Lauterbach hatte deutlich gemacht, dass dann mit einer völligen Blockade der Union zu rechnen sei und das Vorhaben sterben könnte. Konkret sollen Besitz und Anbau der Droge mit zahlreichen Vorgaben fĂŒr VolljĂ€hrige zum Eigenkonsum vom 1. April an erlaubt sein. Zum 1. Juli können auch Vereinigungen zum gemeinschaftlichen Anbau an den Start gehen.

«RegelmĂ€ĂŸige» statt «jĂ€hrliche» Kontrollen?

In der ProtokollerklĂ€rung sichert die Regierung den LĂ€ndern unter anderem UnterstĂŒtzung bei Vorbeugung und AufklĂ€rung zu und nennt mehrere Programme und Vorhaben. «Der Ausbau der PrĂ€ventionsangebote ist von herausragender Bedeutung fĂŒr einen verbesserten Kinder- und Jugendschutz», heißt es in der ErklĂ€rung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. ZunĂ€chst berichteten das Redaktionsnetzwerk Deutschland und das Online-Rechtsmagazin «Legal Tribune Online» darĂŒber.

Zugesagt werden auch Erleichterungen bei den Vorgaben zu den Anbauvereinigungen, die noch vor dem 1. Juli gesetzlich geregelt werden sollen. Um den Vollzugsaufwand fĂŒr die LĂ€nder zu reduzieren, sollten etwa «regelmĂ€ĂŸige» statt «jĂ€hrliche» Kontrollen vorgesehen werden. Klargestellt werden solle zudem, dass nicht eine Vielzahl von Anbauvereinigungen am selben Ort oder im selben Objekt betrieben werden dĂŒrfen. Dies solle ausschließen, dass kommerziellen «Plantagen» vergleichbare GroßanbauflĂ€chen entstehen. Diese Punkte waren von den AusschĂŒssen des Bundesrats zuvor als Forderungen aufgeworfen worden.

Die Bundesregierung bekrĂ€ftigt in der ErklĂ€rung, dass eine vorgesehene Amnestie fĂŒr FĂ€lle, die kĂŒnftig legal sein sollen, aus GerechtigkeitsgrĂŒnden geboten sei. Sie weist darauf hin, dass HaftentschĂ€digungen deshalb unwahrscheinlich seien. Aus den LĂ€ndern waren Sorgen vor einer Überlastung der Justiz wegen dadurch anfallender FallprĂŒfungen laut geworden.

GrĂŒne sehen Gesetz durch Union bedroht

Eine Gruppe von 170 GrĂŒnen-Mitgliedern fordert unterdessen einen Start der Cannabis-Legalisierung zum 1. April. «Allen ist bewusst: Keine Droge ist harmlos. Wer die RealitĂ€t anerkennt, muss jedoch akzeptieren, dass bereits heute ĂŒber 4 Millionen Menschen in Deutschland Cannabis mindestens gelegentlich konsumieren», heißt es in einem offenen Brief, der an die GrĂŒnen-Fraktions- und ParteifĂŒhrungen in Bund und LĂ€ndern sowie die GrĂŒnen-Ministerinnen und -Minister in den LĂ€ndern verschickt wurde. Das Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.

«Die bisherige Kriminalisierung hat zu einem erheblichen bĂŒrokratischen Aufwand gefĂŒhrt, ohne dass nennenswerte Erfolge bei der BekĂ€mpfung der DrogenkriminalitĂ€t zu verzeichnen wĂ€ren. Im Gegenteil: Der Handel mit Cannabis stellt bis heute eine Haupteinnahmequelle der organisierten KriminalitĂ€t dar», so die Unterzeichner. Unter ihnen sind fachpolitische Sprecher aus KreisverbĂ€nden und LĂ€ndern.

In dem GrĂŒnen-Brief heißt es dazu: «Die Zukunft dieses Gesetzes in einen von der CDU beeinflussten Vermittlungsausschuss zu geben, könnte zum Todesstoß fĂŒr das ganze Gesetz werden.»

@ dpa.de