Deutschland, Bildung

Was beim Bafög geplant ist

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 13:49 Uhr, dpa.de

Lebensmittel, MobilitÀt, teure WG-Zimmer - die Preise machen Studentinnen und Studenten zu schaffen. Ein höheres Bafög soll Erleichterung bringen, doch das kommt spÀter als geplant.

  • Viele Bafög-EmpfĂ€nger mĂŒssen sich weiter gedulden: Ein Teil der geplanten Erhöhung wird um ein halbes Jahr verschoben. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    Viele Bafög-EmpfĂ€nger mĂŒssen sich weiter gedulden: Ein Teil der geplanten Erhöhung wird um ein halbes Jahr verschoben. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Der Kreis der Bafög-EmpfĂ€nger soll nicht weiter sinken. DafĂŒr werden die FreibetrĂ€ge beim Einkommen erhöht. (Achivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa
    Der Kreis der Bafög-EmpfĂ€nger soll nicht weiter sinken. DafĂŒr werden die FreibetrĂ€ge beim Einkommen erhöht. (Achivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa
  • Die Antragstellung soll einfacher werden. (Archivbild) - Bild: Andrea Warnecke/dpa
    Die Antragstellung soll einfacher werden. (Archivbild) - Bild: Andrea Warnecke/dpa
Viele Bafög-EmpfĂ€nger mĂŒssen sich weiter gedulden: Ein Teil der geplanten Erhöhung wird um ein halbes Jahr verschoben. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Der Kreis der Bafög-EmpfĂ€nger soll nicht weiter sinken. DafĂŒr werden die FreibetrĂ€ge beim Einkommen erhöht. (Achivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa Die Antragstellung soll einfacher werden. (Archivbild) - Bild: Andrea Warnecke/dpa

Die geplante Bafög-Reform wird in Teilen verschoben. Mehr Geld gibt es nun erst im nÀchsten Sommersemester statt bereits im kommenden Wintersemester. Das ist der Kompromiss, auf den sich die schwarz-roten Koalitionsfraktionen im Bundestag nach langem Hin und Her geeinigt haben.

Was war beim Bafög ursprĂŒnglich geplant? 

CDU/CSU und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, zum kommenden Wintersemester als ersten Schritt die im Bafög enthaltene Wohnkostenpauschale fĂŒr diejenigen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, von jetzt 380 auf 440 Euro im Monat zu erhöhen. In den kommenden Jahren sollte der sogenannte Bafög-Grundbedarf dann schrittweise dauerhaft auf das Niveau der Grundsicherung angehoben werden. Dort liegt der sogenannte Regelbedarf aktuell bei 563 Euro.

Wie viel Bafög gibt es aktuell maximal?

Der Bafög-Grundbedarf liegt aktuell bei 475 Euro. Zusammen mit der Wohnkostenpauschale kommen EmpfÀnger auf bis zu 855 Euro. Wer seine Krankenversicherung schon selbst zahlt, bekommt noch ZuschlÀge. Dann liegt das Bafög bei maximal 992 Euro. Die SÀtze gelten seit zwei Jahren. Bafög wird aber immer individuell berechnet. Die Höhe richtet sich nach dem Verdienst der Eltern und dem eigenen Vermögen.

Wie sieht nun die Einigung konkret aus?

Die Wohnkostenpauschale wird erst zum nĂ€chsten Sommersemester auf 440 Euro erhöht und nicht wie geplant zum anstehenden Wintersemester. Der Bafög-Grundbedarf steigt dann nach SPD-Angaben zum Wintersemester 2027/28 auf 503 und zum Sommersemester 2029 noch einmal auf 563 Euro, damit wĂ€re das heutige Grundsicherungsniveau erreicht. FĂŒr weitere Anpassungen, also falls die Grundsicherung steigt, solle es eine Regelung zur ÜberprĂŒfung und Anpassung der FördersĂ€tze geben, die sich am Grundsicherungsniveau orientiert.

Wie viele Bafög-EmpfĂ€nger betrifft das ĂŒberhaupt? 

2024 gab es laut Statistischem Bundesamt rund 612.800 Bafög-EmpfĂ€nger - der niedrigste Stand seit dem Jahr 2000. 71 Prozent davon wohnten nicht bei ihren Eltern. Unter den EmpfĂ€ngern waren 483.800 Studentinnen und Studenten und 129.000 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler. Insgesamt sind in Deutschland rund 2,9 Millionen Menschen zum Studium eingeschrieben, es gibt etwa 11,5 Millionen SchĂŒler.

Soll nicht auch der EmpfÀngerkreis erweitert werden? 

Ja, und zwar ĂŒber die sogenannten FreibetrĂ€ge. Die Einkommensgrenzen etwa von den Eltern, die als Berechnungsgrundlage fĂŒr das individuelle Bafög herangezogen werden, sollen ab Sommer 2028 und dem Wintersemester 2028/29 jĂ€hrlich um 1,5 Prozent automatisch angehoben werden, heißt es von der SPD. Dadurch werde der Kreis der Förderberechtigten nicht durch Inflation und Lohnentwicklung schleichend kleiner. Die Antragstellung soll zudem erleichtert und weiter digitalisiert werden. 

Warum wurde so lange ĂŒber die Reform diskutiert? 

Wegen der Finanzprobleme. Die Regierung versucht, Staatsausgaben zu begrenzen. Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hatte gesagt, man werde staatliche Leistungen wie BĂŒrgergeld, Wohngeld, Elterngeld oder Bafög absehbar nicht erhöhen können. Das ging mit der SPD lange hin und her. Ihr ist die Bafög-Erhöhung sehr wichtig und sie scheint sich hier bis auf die Verschiebung eines Teils der Reform durchgesetzt zu haben.

Wie kommen die PlÀne an? 

Das Deutsche Studierendenwerk sieht Licht und Schatten: Nach den Monaten der Unsicherheit und des Wartens sei das ein wichtiges Signal, allerdings mit einem «dicken Wermutstropfen». Durch die Verschiebung der Erhöhung der Wohnkostenpauschale seien die aktuell Studierenden gekniffen. 

Die GrĂŒnen Haushaltspolitikerin Paula Piechotta warf der Bundesregierung vor, «notorisch wortbrĂŒchig» zu sein. «Wer an der Bildung spart, fördert FachkrĂ€ftemangel und Arbeitslosigkeit und erweist dem Land einen BĂ€rendienst.»

Die stellvertretende Fraktionschefin der Linken im Bundestag, Nicole Gohlke, kritisierte die Anpassung an das Grundsicherungsniveau in knapp drei Jahren als zu spÀt und zu niedrig. Das reiche hinten und vorne nicht aus, um studentische Armut wirksam zu bekÀmpfen.

Was kostet denn ein WG-Zimmer aktuell?

Im Schnitt zuletzt 512 Euro, mit großen regionalen Unterschieden: In MĂŒnchen waren es 800, in Bielefeld oder Bochum 375 bis 385 Euro. Die aktuellen Zahlen stammen vom Moses Mendelssohn Institut, das die Zahlen regelmĂ€ĂŸig erhebt. Die Preise verharrten demnach auf sehr hohem Niveau und stiegen stĂ€rker als die allgemeine Teuerung. Studentinnen und Studenten geben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 53 Prozent ihres Einkommens fĂŒr Wohnkosten aus. In der Gesamtbevölkerung liegt der Wert im Schnitt nur bei 25 Prozent.

Seit wann gibt es ĂŒberhaupt das Bafög? 

Das «Bundesausbildungsförderungsgesetz» (Bafög) trat am 1. September 1971 in Kraft, um Bildungsschranken abzubauen, wie die damals zustĂ€ndige Bundesjugendministerin KĂ€te Strobel (SPD) sagte. Erst war es ein reiner Zuschuss ohne RĂŒckzahlung. SpĂ€ter wurde das Bafög zum Volldarlehen umgewandelt. Seit 1990 gilt die grundsĂ€tzliche Regel: Eine HĂ€lfte gibt's geschenkt, die andere muss zurĂŒckgezahlt werden. Millionen junger Leute haben sich mit Hilfe von Bafög bisher Studium und Schulausbildung finanziert. Das Statistische Bundesamt hatte 2021 eine Zahl von 36 Millionen genannt.

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