Gericht ordnet Auslieferung von Neonazi Liebich an
01.06.2026 - 16:10:56 | dpa.deNeonazi Marla Svenja Liebich will nicht nach Deutschland, ein Gericht in Tschechien hat nun trotzdem ihre Auslieferung angeordnet. Liebich drohten in Deutschland keine negativen Folgen, insbesondere wegen ihres Geschlechts, sagte die Vorsitzende Richterin am Landgericht Pilsen, Ivana Ruzickova. Die verurteilte Rechtsextremistin Liebich hatte zuvor vor Gericht erklĂ€rt, sie befĂŒrchte, in Deutschland in ein MĂ€nnergefĂ€ngnis gebracht zu werden und in Haft ums Leben zu kommen.Â
Mit der Entscheidung gab das Landgericht in der tschechischen Stadt im Westen des Landes einem Antrag der Staatsanwaltschaft Halle in Sachsen-Anhalt statt. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskrĂ€ftig, Liebich kann noch eine Beschwerde dagegen einreichen. Ihre Verteidigerin erklĂ€rte kurz nach der VerkĂŒndung, ĂŒber diese Möglichkeit nachdenken zu wollen. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen erklĂ€rt, auf die Möglichkeit verzichten zu wollen.
Entscheidung könnte auf Rechtsfehler geprĂŒft werden mĂŒssen
FĂŒr das Einreichen einer Beschwerde gilt eine Frist von drei Tagen nach Zustellung des Bescheids ĂŒber die Entscheidung, wie die Richterin erklĂ€rte. Sollte eine Beschwerde eingereicht werden, wĂŒrde das Oberlandesgericht in Prag die Entscheidung aus Pilsen auf Rechtsfehler ĂŒberprĂŒfen.Â
Liebich hatte ihre Auslieferung zuvor mehrfach abgelehnt. Ist ĂŒber eine Auslieferung rechtskrĂ€ftig entschieden, soll die 55-JĂ€hrige an die deutschen Behörden ĂŒbergeben und in die Justizvollzugsanstalt nach Chemnitz gebracht werden. Bis dahin bleibt sie in sogenannter Auslieferungshaft.
Staatsanwaltschaft Halle: Liebich kommt in zustĂ€ndige JVAÂ
Bevor Liebich noch nicht in einem deutschen GefĂ€ngnis ist, ist auf deutscher Seite weiter die Staatsanwaltschaft in Halle fĂŒr den Fall zustĂ€ndig. Sobald sie offiziell von der Entscheidung ĂŒber die Auslieferung von Liebich informiert wurden, werde damit begonnen, die Ăberstellung der verurteilten Person nach Deutschland mit den tschechischen Behörden gemeinsam zu organisieren, sagte Oberstaatsanwalt Dennis Cernota der Deutschen Presse-Agentur. «Sobald wir die offizielle Mitteilung der tschechischen Behörden haben, werden wir Liebich in die zustĂ€ndige JVA verbringen.»Â
Richterin: Liebich hat in Tschechien gerechten Prozess bekommen
Die Rechtsextremistin muss eigentlich in Deutschland eine Haftstrafe verbĂŒĂen, saĂ bislang aber nie ein, sondern floh. Anfang April wurde sie an der Grenze zwischen Tschechien und Deutschland festgenommen und sitzt seitdem in tschechischer Haft.Â
Vor der VerkĂŒndung des Urteils in Pilsen hatte Liebich einen Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin gestellt. Dieser wurde jedoch abgelehnt. Das Recht Liebichs auf einen gerechten Prozess in Tschechien sei nicht eingeschrĂ€nkt worden, sagte Richterin Ruzickova. Man habe auf alle EinwĂ€nde adĂ€quat reagiert.
Liebich bleibt vorerst in tschechischem GefÀngnis
Die Rechtsextremistin war seit Ende August 2025 zunĂ€chst deutschland-, dann europaweit gesucht worden. Liebich war im Juli 2023 â damals noch als Mann mit dem Vornamen Sven â vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, ĂŒbler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne BewĂ€hrung verurteilt worden.Â
Nach der Verurteilung hatte Liebich das Geschlecht von mĂ€nnlich auf weiblich Ă€ndern lassen. AuĂerdem wurde der Name von Sven in Marla Svenja angepasst. Kritiker hielten das fĂŒr eine Provokation und sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes. Dennoch wurde Liebich zum Haftantritt ins FrauengefĂ€ngnis in Chemnitz geladen, erschien dort jedoch nicht.Â
Derzeit sitzt Liebich im GefĂ€ngnis Pilsen (Plzen), auch Bory genannt. Dort gibt sowohl Einzel- als auch Gemeinschaftszellen. Untergebracht sind mehr als 1.200 HĂ€ftlinge - darunter Schwerverbrecher. Es ist ĂŒberwiegend ein MĂ€nnergefĂ€ngnis, es gibt aber auch vereinzelt Insassinnen. In Tschechien ist die Ăberbelegung der Haftanstalten ein groĂes Problem.Â
Die Bedingungen in dem GefĂ€ngnis in der Stadt im Westen Tschechiens gelten als hart. Unter anderem zeigt der Streamingdienst Netflix in einer Serie Einblicke hinter die GefĂ€ngnismauern von Pilsen.Â
Muss Liebich tatsĂ€chlich ins FrauengefĂ€ngnis?Â
Sollte Liebich in der JVA Chemnitz angekommen, wĂ€re nicht mehr die Staatsanwaltschaft Halle, sondern die sĂ€chsische Justiz zustĂ€ndig. Denkbar ist, dass dann noch einmal darĂŒber entschieden wird, ob die Rechtsextremistin tatsĂ€chlich in dem FrauengefĂ€ngnis ihre Haftstrafe verbĂŒĂen muss. Die Entscheidung trifft der Anstaltsleiter. Er muss unter anderem beurteilen, ob Liebich in der Haftanstalt in Gefahr ist oder eine Gefahr fĂŒr andere darstellt.
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Was wĂŒrde passieren, wenn Liebich wieder als Mann gilt?
Im MĂ€rz kĂŒndigte das Amtsgericht Halle an, darĂŒber entscheiden zu wollen, ob die Ănderungen von Vorname und Geschlecht Liebichs rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden können. Der Saalekreis hatte eigenen Angaben nach schon im Dezember rechtliche Schritte fĂŒr eine Berichtigung des Eintrags eingeleitet. Eine neuerliche Ănderung von Namen und Geschlecht Liebichs hĂ€tte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Halle allerdings erst einmal keine Auswirkungen auf das weitere Vorgehen.Â
Bei der Festnahme in Tschechien trug Liebich einem Bericht der «Mitteldeutsche Zeitung» zufolge MĂ€nnerkleidung und hatte einen kahlgeschorenen Kopf. Vor Gericht in Deutschland war Liebich zuletzt in Frauenkleidung erschienen, war geschminkt und hatte lackierte FingernĂ€gel. Zur Verhandlung in Pilsen trat die Rechtsextremistin mit Bart und Brille auf, war geschminkt und trug ein Oberteil in Leopardenmuster.Â
Unter anderem Liebichs Auftreten und Aussehen könnten eine Rolle spielen, wenn es darum geht, ob die 55-JÀhrige als Mann oder Frau gilt und wo sie die Haft absitzen muss.
