Lufthansa, TAP Portugal

Lufthansa ĂŒbernimmt 44,9 Prozent an Portugals TAP

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 15:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die portugiesische Regierung gibt Lufthansa den Zuschlag fĂŒr eine Minderheitsbeteiligung an TAP. Der Konzern setzt damit seine Expansion in SĂŒdeuropa fort und erhĂ€lt Zugang zu einem wichtigen Brasilien-Netz.

TAP-Ausbau und Lufthansa-Einstieg

  • Die portugiesische Regierung verkauft mindestens 44,9 Prozent der TAP an Lufthansa.
  • Der Transaktionswert einschließlich der BeschĂ€ftigtenanteile betrĂ€gt 1,201 Milliarden Euro.
  • Die TAP-Flotte soll bis 2035 auf 117 Flugzeuge wachsen.
  • Der Abschluss des GeschĂ€fts wird erst 2028 erwartet. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
    Der Abschluss des GeschÀfts wird erst 2028 erwartet. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
  • Die Lufthansa ist dem Einstieg bei der portugiesischen Airline Tap einen wichtigen Schritt nĂ€her gekommen.  - Bild: Armando Franca/AP/dpa
    Die Lufthansa ist dem Einstieg bei der portugiesischen Airline Tap einen wichtigen Schritt nÀher gekommen. - Bild: Armando Franca/AP/dpa
Der Abschluss des GeschÀfts wird erst 2028 erwartet. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa Die Lufthansa ist dem Einstieg bei der portugiesischen Airline Tap einen wichtigen Schritt nÀher gekommen.  - Bild: Armando Franca/AP/dpa

Lufthansa erhĂ€lt Zuschlag fĂŒr TAP-Beteiligung

Lufthansa kommt dem Einstieg bei der portugiesischen Staatsairline TAP entscheidend nĂ€her und soll 44,9 Prozent der Anteile ĂŒbernehmen. Die portugiesische Regierung bewertet das Angebot höher als die Offerte von Air France-KLM und will den Konzern als strategischen Partner gewinnen.

Transaktion bleibt zunÀchst Minderheitsdeal

Portugal verkauft mindestens 44,9 Prozent der TAP-Anteile; zusĂ€tzlich sind fĂŒnf Prozent fĂŒr BeschĂ€ftigte reserviert. Der Gesamtwert der Transaktion betrĂ€gt 1,201 Milliarden Euro, die Mehrheit bleibt zunĂ€chst beim portugiesischen Staat.

Die VertrĂ€ge mĂŒssen noch konkretisiert werden, zudem steht die wettbewerbsrechtliche Genehmigung der EU aus. Im Bieterrennen war die British-Airways-Mutter IAG frĂŒh ausgestiegen.

Barangebot gibt den Ausschlag

Nach Angaben von MinisterprĂ€sident LuĂ­s Montenegro lag das Lufthansa-Angebot 16 Prozent ĂŒber dem des Konkurrenten und sei mit geringeren Unsicherheiten verbunden. Lufthansa zahlt den Kaufpreis vollstĂ€ndig in Geldmitteln, wĂ€hrend Air France-KLM ein Angebot mit Aktienbestandteilen vorgelegt hatte.

TAP soll Flotte deutlich vergrĂ¶ĂŸern

Lufthansa verpflichtet sich, die TAP-Flotte bis 2035 auf 117 Flugzeuge auszubauen. Nach Fertigstellung des neuen Flughafens von Lissabon soll sie auf 130 Maschinen wachsen; ab 2030 sollen zudem acht Airbus A350-900 von Lufthansa zu TAP wechseln.

Auch die Flotte der Regionalgesellschaft PortugĂĄlia soll modernisiert werden. TAP hat 2025 das vierte Jahr in Folge einen Gewinn erzielt, im ersten Halbjahr 2026 aber wegen hoher Kerosinpreise einen Verlust von 99,2 Millionen Euro verbucht.

Lissabon wird zum strategischen Drehkreuz

Die Bedeutung von TAP reicht ĂŒber den portugiesischen Heimatmarkt hinaus. Lufthansa erhĂ€lt mit Lissabon ein etabliertes Drehkreuz sowie ein enges Netz nach Brasilien und in weitere Teile SĂŒdamerikas.

Der Konzern ist auf der iberischen Halbinsel bislang deutlich schwĂ€cher vertreten als die spanische IAG-Tochter Iberia. Mit der Beteiligung will Lufthansa ihre Position gegenĂŒber IAG und Air France-KLM stĂ€rken.

VollstĂ€ndige Übernahme bleibt offen

Lufthansa hat auch ein Angebot fĂŒr eine vollstĂ€ndige Übernahme von TAP vorgelegt. DafĂŒr wĂ€re nach Angaben der portugiesischen Regierung ein zweites Verfahren erforderlich; die Airline wird in diesem Angebot mit 2,552 Milliarden Euro bewertet.

FĂŒr eine VerĂ€ußerung sĂ€mtlicher Anteile wĂ€re zudem die UnterstĂŒtzung der Opposition im portugiesischen Parlament nötig. Lufthansa hĂ€lt bei der italienischen Ita bereits eine Minderheit und hat die Option auf eine Aufstockung auf 90 Prozent gezogen.

Auswirkungen fĂŒr Passagiere noch nicht absehbar

Eine engere Einbindung von TAP könnte zusĂ€tzliche Verbindungen und Kostenvorteile bringen. Zugleich könnten bei Überschneidungen Strecken reduziert und Preise auf Verbindungen mit weniger Konkurrenz erhöht werden; deshalb unterliegt der Deal der EU-Wettbewerbskontrolle.

Der Einstieg bei TAP erweitert die SĂŒdeuropa-Strategie der Lufthansa um ein Drehkreuz mit besonderer Bedeutung fĂŒr den Atlantikverkehr. Lissabon verbindet den europĂ€ischen Markt mit Brasilien und weiteren portugiesischsprachigen Zielen in SĂŒdamerika. Damit erhĂ€lt der Konzern zusĂ€tzliche Langstreckenrechte und kann sein Netzwerk außerhalb Deutschlands ausbauen.

FĂŒr Portugal steht neben dem Verkaufserlös die Zukunft der nationalen Airline im Mittelpunkt. TAP soll wachsen, die Verbindung des Landes mit wichtigen Fernzielen sichern und ihre Rolle am Flughafen Lissabon behalten. Die geplante Flottenentwicklung bis 2035 sowie die Modernisierung der Regionaltochter PortugĂĄlia zeigen, dass der Zuschlag mit konkreten Ausbauzusagen verbunden ist.

Wettbewerb und Passagiere

Der geplante Anteil bleibt zunĂ€chst unterhalb der Mehrheit. Dennoch dĂŒrfte die EU-Kommission prĂŒfen, ob sich durch eine engere Einbindung von TAP in den Lufthansa-Konzern Wettbewerb bei Strecken und Drehkreuzen verĂ€ndert. Die Erfahrungen mit dem Ita-Einstieg zeigen, dass Freigaben mit der Abgabe von Start- und Landerechten verbunden werden können.

FĂŒr Reisende sind sowohl Vorteile als auch Nachteile möglich: Ein grĂ¶ĂŸerer Konzern kann zusĂ€tzliche Umsteigeverbindungen und Kostenvorteile ermöglichen. Auf einzelnen Strecken könnten jedoch weniger Wettbewerber und damit ein kleineres Angebot oder höhere Preise entstehen. Eine vollstĂ€ndige Übernahme ist politisch und rechtlich ein spĂ€terer, eigenstĂ€ndiger Schritt.

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