EPPO, Umsatzsteuerbetrug

Luxusauto-Steuerbetrug: EPPO nimmt 13 VerdÀchtige fest

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 11:50 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die EuropĂ€ische Staatsanwaltschaft hat ein mutmaßliches Netzwerk fĂŒr grenzĂŒberschreitenden Umsatzsteuerbetrug zerschlagen. Bei Durchsuchungen in fĂŒnf Staaten wurden 13 Personen festgenommen und Vermögenswerte in Millionenhöhe gesichert.

Ermittlungen reichen bis nach Berlin

  • Die EPPO fĂŒhrte die Aktion unter dem Codenamen "Javelin" in fĂŒnf europĂ€ischen Staaten durch.
  • In Deutschland und Österreich wurden 13 Personen festgenommen; mehr als 50 VerdĂ€chtige stehen unter Untersuchung.
  • Beschlagnahmte Vermögenswerte haben einen Wert von 26 Millionen Euro.
Polizei (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

EPPO zerschlÀgt Netzwerk mit Luxusautos

Die EuropĂ€ische Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben ein kriminelles Netzwerk zerschlagen, das mit grenzĂŒberschreitenden Umsatzsteuerbetrugssystemen beim Import und Verkauf von Luxusautos einen geschĂ€tzten Schaden von 100 Millionen Euro verursacht haben soll. Die Ermittlungen unter dem Codenamen "Javelin" fĂŒhrten zu Durchsuchungen in Österreich, Kroatien, Tschechien, Deutschland und Polen.

13 Festnahmen in Deutschland und Österreich

An der Aktion waren mehr als 900 EinsatzkrĂ€fte beteiligt. In Deutschland und Österreich wurden 13 Personen festgenommen, mehr als 50 VerdĂ€chtige stehen unter Untersuchung.

Immobilien und LuxusgĂŒter beschlagnahmt

Insgesamt wurden Vermögenswerte im Wert von 26 Millionen Euro gesichert. In Berlin beschlagnahmten die Ermittler zwei Immobilien, darunter ein Objekt mit einem Hostel; in Kroatien wurden sieben Immobilien gesichert.

DarĂŒber hinaus froren die Behörden Bankkonten ein und beschlagnahmten zahlreiche Fahrzeuge, darunter Luxusautos, sowie Bargeld, Krypto-Vermögenswerte, eine Schusswaffe mit Munition und mehrere Luxusuhren.

Verdacht auf Steuerkarussell seit 2016

Nach den vorliegenden Beweisen sollen fĂŒnf mutmaßliche AnfĂŒhrer und zwei Steuerberater das Umsatzsteuerkarussell betrieben haben. Das System soll seit mindestens 2016 aktiv gewesen sein und EU-Regeln genutzt haben, die grenzĂŒberschreitende Transaktionen zwischen Mitgliedstaaten von der Mehrwertsteuer befreien.

Unternehmen in mehreren EU-Staaten, darunter Österreich und Tschechien, erklĂ€rten demnach den Verkauf von Luxusautos an Firmen in Berlin. Diese sogenannten "missing traders" kauften die Fahrzeuge zum Nettopreis, ohne Mehrwertsteuer zu zahlen, und verschwanden anschließend, ohne die eingenommene Steuer an die Behörden abzufĂŒhren.

Der Fall zeigt, wie grenzĂŒberschreitende Umsatzsteuerkarusselle den europĂ€ischen Binnenmarkt ausnutzen. Innerhalb der EU können Waren zwischen Unternehmen verschiedener Mitgliedstaaten grundsĂ€tzlich ohne Mehrwertsteuer berechnet werden. Die Steuer fĂ€llt anschließend beim Weiterverkauf im Bestimmungsland an. Genau an dieser Schnittstelle setzen sogenannte Missing-Trader-Systeme an: Ein Unternehmen nimmt die Umsatzsteuer ein, fĂŒhrt sie aber nicht ab und verschwindet, wĂ€hrend andere Beteiligte Vorsteuererstattungen oder fingierte Lieferketten nutzen.

Luxusautos als bewegliche Steuerware

Luxusfahrzeuge eignen sich fĂŒr solche Modelle, weil sie einen hohen Warenwert auf vergleichsweise wenige Transaktionen konzentrieren. Internationale HĂ€ndler- und Firmenstrukturen können dabei den tatsĂ€chlichen Warenfluss verschleiern und Ermittlungen ĂŒber mehrere Rechtsordnungen verteilen. Die beschlagnahmten Immobilien, Fahrzeuge, Konten und sonstigen Vermögenswerte sollen nun zugleich der Sicherung möglicher spĂ€terer Einziehungen dienen.

Die Dimension des Verfahrens liegt nicht nur in der geschĂ€tzten Schadenssumme von 100 Millionen Euro. Mehr als 900 EinsatzkrĂ€fte, fĂŒnf beteiligte Staaten und mutmaßliche AktivitĂ€ten seit mindestens 2016 verdeutlichen den hohen Koordinationsbedarf. FĂŒr die Behörden kommt es nun darauf an, die Rollen der Festgenommenen und der weiteren Beschuldigten zu klĂ€ren, GeldflĂŒsse nachzuverfolgen und die strafrechtliche Verantwortung fĂŒr das Netzwerk gerichtsfest zu belegen.

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