Marine baut neuen Hafen in Emden auf 630 Fußballfeldern
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMarineausbau an Nord- und Ostsee
- Die Marine verfügt nach eigenen Angaben über 15.900 Soldaten, 47 Schiffe und zwei Tanker.
- In Emden soll bis Anfang der 2030er Jahre ein Hafen auf einer Fläche von 630 Fußballfeldern entstehen.
- Für Bremerhaven sind mehr als 40 Maßnahmen und Investitionen von rund 1,35 Milliarden Euro vorgesehen.
- In Kiel sollen mindestens 1.500 Dienstposten hinzukommen, der Vertrag für Flächen in Holtenau ist jedoch noch nicht unterschrieben.
Marine plant Ausbau an mehreren Küstenstandorten
Mehr Schiffe, mehr Personal und mehr Platz: Die Marine wird in den kommenden Jahren aufrüsten, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei einem Besuch Anfang Oktober in Emden bekräftigte. Aktuell verfügt die Seeflotte nach eigenen Angaben über 15.900 Soldaten, 47 Schiffe und zwei Tanker.
Emden erhält einen neuen Marinehafen
In Emden soll bis Anfang der 2030er Jahre an der Emsmündung ein komplett neuer Marinehafen entstehen. Auf einer Fläche von 630 Fußballfeldern sollen bis zu 2.000 Soldatinnen und Soldaten sowie Versorgungs- und Unterstützungsschiffe stationiert werden.
Wilhelmshaven erweitert den größten Standort
Der Marinestützpunkt Heppenser Groden in Wilhelmshaven ist der größte Standort der Marine. Rund 10.000 Soldaten und zivile Beschäftigte arbeiten dort; wegen des geplanten Wachstums der Flotte von 15 auf 20 Großschiffe wird der Stützpunkt um neue Gebäude erweitert.
Bremerhaven wird für Bündnistransporte ausgebaut
Bremerhaven soll als Nato-Drehkreuz für die Verlegung von Personal und Material im Verteidigungsfall modernisiert werden. Der Bund investiert rund 1,35 Milliarden Euro in mehr als 40 Maßnahmen, darunter Schwerlastflächen, Brücken, vertiefte Hafenbecken sowie Straßen- und Bahnverbindungen; die Arbeiten sollen bis 2031 abgeschlossen sein.
Cuxhaven bleibt möglicher Ausweichhafen
Konkrete Pläne für eine Reaktivierung des Anfang der 1990er Jahre aufgelösten Marinestützpunkts in Cuxhaven gibt es derzeit nicht. Die Stadt hat der Marine jedoch Bereitschaft signalisiert, im Ernstfall als Ausweichhafen zu dienen, wofür Investitionen nötig wären.
Nordholz modernisiert Marineflieger
In Nordholz ist das Marinefliegerkommando mit rund 2.500 Soldatinnen und Soldaten stationiert. Der Standort soll für 400 Millionen Euro erneuert werden; vorgesehen sind außerdem 18 Mehrzweckhubschrauber, 31 Bordhubschrauber und acht Seefernaufklärer.
Kiel soll deutlich wachsen
Kiel ist der größte Marinestandort an der Ostsee und verfügt über rund 4.000 Dienstposten. Mindestens 1.500 weitere sollen hinzukommen, das bislang in Eckernförde stationierte Seebataillon soll nach Kiel verlegt werden; der Vertrag über zusätzliche Flächen in Holtenau ist jedoch noch nicht unterschrieben.
Eckernförde bleibt U-Boot-Standort
In Eckernförde sind die sechs deutschen U-Boote, das Ausbildungszentrum und das Kommando Spezialkräfte der Marine beheimatet. Für die Erweiterung der U-Boot-Flotte und vor allem für Wasserbau kündigte Pistorius Investitionen von 500 Millionen Euro an.
Rostock beherbergt das Marinekommando
Rostock gilt mit dem seit 2012 dort angesiedelten Marinekommando als eine Art Marinehauptstadt. Rund 1.800 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 300 Zivilangestellte arbeiten dort; zum Standort gehören auch Warnemünde mit dem 1. Korvettengeschwader und die Warnowwerft.
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Der geplante Ausbau der Marine folgt einer sicherheitspolitischen Neubewertung Deutschlands und seiner Bündnisverpflichtungen. Die Flotte soll nicht nur mehr Schiffe erhalten, sondern zugleich Infrastruktur für Versorgung, Wartung, Ausbildung, Luftaufklärung und den Transport verbündeter Kräfte schaffen. Dadurch verteilt sich der Ausbau auf mehrere Küstenstandorte mit unterschiedlichen Aufgaben.
Emden steht dabei für einen zusätzlichen Nordseehafen, während Wilhelmshaven als bestehender Schwerpunkt die wachsende Zahl größerer Einheiten aufnehmen soll. Bremerhaven erfüllt vor allem eine logistische Funktion für die Verlegung von Personal und Material im Verteidigungsfall. Die geplanten Investitionen betreffen deshalb nicht ausschließlich militärische Anlagen, sondern auch Straßen, Bahnanschlüsse, Brücken und Hafenflächen.
Ausbau mit offenen Entscheidungen
Besonders deutlich wird der langfristige Charakter der Vorhaben an Kiel und Cuxhaven. In Kiel hängen zusätzliche Dienstposten und die Verlegung des Seebataillons noch von vertraglichen und infrastrukturellen Schritten ab. Cuxhaven könnte im Ernstfall als Ausweichhafen dienen, verfügt nach den Angaben der Stadt aber nicht über die Kapazitäten für eine reguläre Reaktivierung.
Für die betroffenen Städte bedeutet der Marineausbau mehr Arbeitsplätze, Bauvorhaben und Anforderungen an Verkehr und Flächennutzung. Zugleich müssen Bund, Länder, Kommunen und Hafenbetreiber die Projekte zeitlich und finanziell koordinieren. Für die Bevölkerung an der Küste wird damit zunehmend sichtbar, dass Verteidigungsplanung nicht nur Kasernen und Schiffe betrifft, sondern auch zivile Hafen- und Verkehrsstrukturen.
