Mecklenburg-Vorpommern: SPD, Linke und Grüne starten Koalitionsverhandlungen
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 16:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSPD, Linke und Grüne in Mecklenburg-Vorpommern haben am Samstag die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen beschlossen, die am Montag beginnen sollen.
Erstes rot-rot-grünes Bündnis im Land
Damit steuert Mecklenburg-Vorpommern auf die erste rot-rot-grüne Landesregierung in der Geschichte des Bundeslandes zu. Zum Auftakt wollen die Verhandlungsführer um 14.00 Uhr ein gemeinsames Pressestatement abgeben: Ministerpräsidentin und SPD-Landeschefin Manuela Schwesig, Linken-Landeschef Hennis Herbst sowie Grünen-Landeschefin Claudia Müller.
Ministerposten erst zum Schluss
Über die Besetzung der Ministerien soll erst am Ende gesprochen werden. Schwesig bewertete die zweiwöchigen Sondierungen positiv. Die Grünen sehen den Kampf gegen Rechtsextremismus als zentrales Thema und schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Beim Klimaschutz wollen sie auf eine konsequente, zugleich sozial gerechte Umsetzung dringen.
Mehrheit mit 39 Sitzen
Bei der Landtagswahl am 20. September wurde die AfD stärkste Kraft. Sie kommt auf 32 der insgesamt 71 Sitze, verfügt aber nicht über eine eigene Mehrheit. SPD, Grüne und Linke erreichen zusammen 39 Mandate und hätten damit drei Sitze mehr als für eine Mehrheit nötig.
Investitionen und soziale Vorhaben
Die drei Parteien verständigten sich nach eigenen Angaben bereits auf zentrale Vorhaben für die kommende Wahlperiode. Über den „MV-Plan“ sollen bis 2035 zusätzlich 1,9 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen in die Modernisierung des Landes fließen. Die Kitas sollen beitragsfrei bleiben, Schulen weiter modernisiert und die Unterrichtsversorgung verbessert werden.
Außerdem wollen die möglichen Koalitionspartner alle Krankenhausstandorte erhalten und 1.000 neue oder sanierte Wohnheimplätze für Auszubildende und Studierende schaffen. Geplant sind auch ein vergünstigtes Jugendticket für den öffentlichen Nahverkehr, mehr Bürgerbeteiligung und ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss zu rechtsextremen Netzwerken.
Sieben Arbeitsgruppen
Die Verhandlungen soll eine Hauptgruppe aus Spitzenvertretern führen. Sieben Arbeitsgruppen sollen die Themen Finanzen und Digitalisierung, Landwirtschaft und Klimaschutz, Wirtschaft und Energie, Bildung und Kultur, Soziales und Gesundheit, Inneres und Kommunen sowie Sonderthemen bearbeiten.
Am Ende müssen Landesparteitage aller drei Parteien über den Koalitionsvertrag und die Bildung der neuen Landesregierung entscheiden. Der Landtag tritt am 20. Oktober zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Spätestens am 17. November muss die Ministerpräsidentin oder der Ministerpräsident gewählt werden; Schwesig strebt eine weitere Amtszeit an.
Erste Dreierkoalition des Landes
Die geplante Verbindung aus SPD, Linken und Grünen wäre die erste rot-rot-grüne Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern. Sie verfügt im 71 Sitze umfassenden Landtag über 39 Mandate und damit über eine rechnerische Mehrheit. Zugleich wäre die AfD mit 32 Sitzen die einzige Oppositionsfraktion.
Politisch steht das Bündnis damit vor der Aufgabe, eine stabile Regierung zu bilden und zugleich mit einer starken oppositionellen Kraft umzugehen. Die drei Parteien wollen diesen Gegensatz unter anderem durch mehr Bürgerdialoge, Bürgerräte und Volksbefragungen beantworten. Ein Untersuchungsausschuss zu rechtsextremen Netzwerken soll zudem früh in der Wahlperiode eingesetzt werden.
Viele Vorhaben, enger Zeitplan
Inhaltlich verbindet der Sondierungsstand soziale Leistungen mit Investitionen und Strukturpolitik. Dazu gehören die Beitragsfreiheit der Kitas, modernisierte Schulen, der Erhalt aller Krankenhausstandorte, ein Jugendticket sowie 1.000 Wohnheimplätze für Auszubildende und Studierende. Der angekündigte Einsatz von 1,9 Milliarden Euro bis 2035 macht die Finanzierung zu einem zentralen Prüfstein der Verhandlungen.
Der Zeitplan erhöht den Druck: Am 20. Oktober tritt der Landtag zusammen, spätestens am 17. November muss die Ministerpräsidentin oder der Ministerpräsident gewählt werden. Bis dahin müssen die Parteien nicht nur einen Vertrag aushandeln, sondern ihn auch auf ihren Parteitagen bestätigen. Die Ressortverteilung soll erst am Ende besprochen werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: „SPD, Linke und Grüne wollen Koalitions-Verhandlungen ...“ (10.10.2026)
Der Bericht hebt hervor, dass die Sondierung bereits konkrete Eckpunkte für den Koalitionsvertrag enthalte. Anders als die dpa-Meldung betone er ausführlicher die geplanten Bürgerräte, Volksbefragungen, den Bürokratieabbau und eine mögliche Enquetekommission; offen bleibe, wie die unterschiedlichen politischen Schwerpunkte in den Verhandlungen zusammengeführt würden.
Der Beitrag bestätige die geplante Aufnahme der Verhandlungen und stelle die bereits vereinbarten Vorhaben heraus. Er ordne die Mehrheitsverhältnisse im Landtag ein und verweise ebenfalls auf den 20. Oktober als Termin für die konstituierende Sitzung sowie die anschließende Frist zur Wahl der Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten.
Medienübergreifend bestehe Einigkeit über den bevorstehenden Verhandlungsstart, die rechnerische Mehrheit des Bündnisses und die bereits bekannten Sachziele. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während der NDR die demokratiepolitischen Vorhaben und den Zeitdruck ausleuchte, konzentriere sich der Deutschlandfunk stärker auf die zentralen Projekte und die parlamentarischen Fristen.

