Medikalisierung einer Menschenrechtsverletzung
05.02.2026 - 09:00:03230 Millionen Frauen weltweit leiden unter den Folgen einer weiblichen GenitalverstĂŒmmelung, das sind rund 30 Millionen mehr als noch 2016. Immer hĂ€ufiger werden GenitalverstĂŒmmelungen von medizinischen FachkrĂ€ften durchgefĂŒhrt, laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen jede Vierte. "Mit dieser Form der Medikalisierung droht diese Menschenrechtsverletzung gesellschaftlich akzeptiert zu werden", mahnt Angela BĂ€hr, VorstĂ€ndin Programme der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlĂ€sslich des Welttages gegen die weibliche GenitalverstĂŒmmelung.
Eine neue Analyse von End FGM zeigt, dass weibliche GenitalverstĂŒmmelung mittlerweile in mindestens 94 LĂ€ndern dokumentiert ist - deutlich mehr als bisher angenommen - aber nur 58 Staaten verfĂŒgen ĂŒber Gesetze, die weibliche GenitalverstĂŒmmelung ausdrĂŒcklich verbieten (End FGM, 2025). Doch selbst Gesetze bieten hĂ€ufig keinen ausreichenden Schutz: Auch in Europa leben 600.000 MĂ€dchen und Frauen mit verstĂŒmmelten Genitalien. "Neben juristischen Verboten braucht es vor allem AufklĂ€rung", weiĂ Angela BĂ€hr, "nicht nur in der Schule, sondern in der gesamten Gemeinschaft." Anders, als hĂ€ufig angenommen, handelt es sich nicht um einen religiösen Ritus, sondern um tief verwurzelte Traditionen, die bis in die Antike zurĂŒckreichen. "Nicht nur die MĂ€dchen, auch die Jungs und nicht zuletzt die Eltern mĂŒssen begreifen, welche verhĂ€ngnisvollen Folgen diese Eingriffe haben", so BĂ€hr.
Weibliche GenitalverstĂŒmmelung wird in der Regel an jungen MĂ€dchen vor Erreichen der PubertĂ€t durchgefĂŒhrt und umfasst alle Eingriffe, bei denen Teile der weiblichen Genitalien aus nicht-medizinischen GrĂŒnden entfernt oder verletzt werden. Es gibt unterschiedliche Formen, von der teilweisen oder vollstĂ€ndigen Entfernung der Klitoris und/oder der Schamlippen bis hin zum ZunĂ€hen der Vaginalöffnung. Probleme beim Wasserlassen, Menstruationsprobleme, Schmerzen beim Sex, ein erhöhtes Risiko fĂŒr Komplikationen bei der Geburt und Neugeborenensterblichkeit und nicht zuletzt psychische Traumata sind nur einige der meist lebenslangen Folgen des Eingriffs, den viele MĂ€dchen auch nicht ĂŒberleben. "Der Schaden, den weibliche GenitalverstĂŒmmelung verursacht, ist unabhĂ€ngig davon, wer sie durchfĂŒhrt", betont Angela BĂ€hr. Vermeintlich hygienische und meist teure Beschneidungen durch Fachpersonal machten den Eingriff nicht besser. Im Gegenteil: Einige Studien deuten laut WHO darauf hin, dass sie sogar gefĂ€hrlicher sein können, wenn sie von medizinischem Personal durchgefĂŒhrt werden, da dies zu tieferen, schwereren Schnitten fĂŒhren kann.
Zu den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (UN) gehört es, weibliche GenitalverstĂŒmmelung bis 2030 zu beenden. "Von diesem Ziel sind wir weit entfernt", konstatiert BĂ€hr. Aktuell sind 4,4 Millionen MĂ€dchen von weiblicher GenitalverstĂŒmmelung bedroht, 1200 jeden Tag. Ohne zusĂ€tzliche Anstrengungen wird die Zahl bis 2030 auf 4,6 Millionen ansteigen. PrĂ€ventionsprogramme sind schon jetzt chronisch unterfinanziert. "Nach dem RĂŒckzug der USA aus den entsprechenden UN-Institutionen", so Angela BĂ€hrs Appell, "sind Nationen wie die Bundesrepublik Deutschland mehr denn je gefragt, sich im Kampf gegen diese Menschenrechtsverletzung nicht nur zu engagieren, sondern auch nachhaltig zu investieren."
Weitere Informationen finden Sie unter https://www.dsw.org/weibliche-genitalverstuemmelung/
Foto: (c) Brian Otieno/ DSW
Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tĂ€tige Entwicklungsorganisation, mit dem Ziel, das Potenzial der gröĂten Jugendgeneration aller Zeiten zu fördern, um damit zu einer zukunftsfĂ€higen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Sie ermöglicht jungen Menschen in Ostafrika den Zugang zu jugendgerechten Gesundheitsinformationen und modernen VerhĂŒtungsmitteln, und setzt sich auch auf politischer Ebene fĂŒr das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ein, insbesondere fĂŒr junge Frauen und MĂ€dchen. DarĂŒber hinaus arbeiten die BĂŒros in Europa und Ostafrika fĂŒr die gendergerechte Förderung von Forschung und Innovation zur BekĂ€mpfung armutsassoziierter Krankheiten und Verbesserung der Frauengesundheit.
Pressekontakt:
Nicole Langenbach
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
Loebensteinstr. 25 | 30175 Hannover
Telefon: 0511 94373-20
presse@dsw.org
www.dsw.org
Original-Content von: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ĂŒbermittelt durch news aktuell


