Medizin-Nobelpreis 2026: Zwei Deutsche und ein US-Forscher fĂŒr Optogenetik ausgezeichnet
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 15:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPeter Hegemann, Georg Nagel und der US-Forscher Karl Deisseroth erhalten den Medizin-Nobelpreis 2026 fĂŒr ihre Entdeckungen auf dem Gebiet der Optogenetik.
Grundlage fĂŒr eine neue Ăra
Das teilte das Karolinska-Institut in Stockholm mit. Die beiden deutschen PreistrĂ€ger forschen an der Humboldt-UniversitĂ€t Berlin und an der UniversitĂ€t WĂŒrzburg, Deisseroth arbeitet an der Stanford University in Kalifornien.
Die Forscher teilen sich das Preisgeld von umgerechnet rund einer Million Euro zu gleichen Teilen. Nach Angaben des Nobelkomitees legten sie mit ihren Arbeiten den Grundstein fĂŒr eine neue Ăra der Neurowissenschaften.
Licht schaltet Nervenzellen
Optogenetik verbindet optische und genetische Verfahren. Zellen, meist Neuronen, lassen sich dadurch mit Licht prĂ€zise an- und abschalten. So können Forschende untersuchen, wie Nervenzellen im lebenden Gehirn Erinnerungen, GefĂŒhle und Verhaltensweisen beeinflussen.
Hegemann und Nagel entdeckten Anfang der 2000er Jahre in einzelligen Algen das Protein Kanalrhodopsin. Unter blauem Licht öffnet sich der darin enthaltene Ionenkanal und löst elektrische Impulse aus.
Deisseroth ĂŒbertrug Methode auf das Gehirn
Deisseroth setzte das Gen fĂŒr das Protein zunĂ€chst in Nervenzellen von Ratten ein. 2007 gelang es ihm, Nervenzellen im Gehirn lebender MĂ€use mit Licht zu aktivieren. Damit konnten Forscher unter anderem ZusammenhĂ€nge zwischen bestimmten Zellgruppen und Verhalten untersuchen.
Deisseroth berichtete, er habe den Anruf ĂŒber den Nobelpreis kurz nach Mitternacht Ortszeit erhalten. Er sei gerade zu Bett gegangen und habe am nĂ€chsten Morgen seine Kinder fĂŒr die Schule versorgen mĂŒssen.
Erste Therapien werden erprobt
Eine mögliche medizinische Anwendung ist die Behandlung der erblichen Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa. In einer frĂŒhen klinischen Studie konnte ein seit Jahrzehnten blinder Patient nach einer optogenetischen Gentherapie unter Laborbedingungen einfache GegenstĂ€nde erkennen.
Auch fĂŒr prĂ€zisere Cochlea-Implantate wird die Technik erforscht. Bei Depressionen, Angststörungen und Parkinson dient Optogenetik bislang vor allem dazu, Krankheitsmechanismen im Labor zu untersuchen.
Preisverleihung im Dezember
Der Medizin-Nobelpreis eröffnet den diesjĂ€hrigen Nobelpreis-Reigen. Die feierliche Ăbergabe aller Auszeichnungen findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, statt.
Von der Alge zum Werkzeug der Neurowissenschaft
Die Auszeichnung wĂŒrdigt eine Entwicklung, die exemplarisch fĂŒr den Weg moderner Biomedizin steht: Grundlagenforschung an einer einzelligen Alge fĂŒhrte zu einem Verfahren, mit dem sich die AktivitĂ€t ausgewĂ€hlter Nervenzellen gezielt untersuchen lĂ€sst. Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass Forschende nicht nur beobachten, welche Zellen aktiv sind, sondern ihre AktivitĂ€t kontrolliert verĂ€ndern können.
GroĂe Bedeutung fĂŒr die Hirnforschung
Optogenetik ermöglicht dadurch Einblicke in neuronale Netzwerke, die fĂŒr Erinnerungen, GefĂŒhle und Verhalten relevant sind. Sie wird in Laboren weltweit eingesetzt, unter anderem bei der Erforschung von Depressionen, Angststörungen und Parkinson. FĂŒr die Medizin bedeutet das zunĂ€chst vor allem ein prĂ€ziseres VerstĂ€ndnis von Krankheitsmechanismen, nicht automatisch eine fertige Behandlung.
Therapeutische Perspektiven mit Grenzen
Erste klinische Anwendungen zeigen zugleich das Potenzial und den noch frĂŒhen Entwicklungsstand. Bei Retinitis pigmentosa konnte ein Patient nach einer optogenetischen Gentherapie unter Laborbedingungen einfache GegenstĂ€nde erkennen; die Methode befindet sich jedoch weiterhin in klinischer Erprobung. Auch fĂŒr prĂ€zisere Cochlea-Implantate gibt es vielversprechende Ergebnisse aus Tierversuchen, wĂ€hrend Studien am Menschen erst vorbereitet werden. FĂŒr Betroffene sind deshalb langfristige Perspektiven wichtiger als kurzfristige Heilungsversprechen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Merkur: âDurchbruch in der Hirnforschung: Zwei deutsche Wissenschaftler erhalten den Nobelpreis 2026â (05.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, dass Hegemann und Nagel mit lichtgesteuerten IonenkanĂ€len die Grundlage fĂŒr ein weltweit genutztes Werkzeug der Neurowissenschaft geschaffen hĂ€tten. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt stĂ€rker auf mögliche Anwendungen bei Hirnerkrankungen und beschreibe Deisseroths Beitrag als Ausbau zu einer umfassenden Technologieplattform.
Spiegel: âNobelpreis fĂŒr Medizin geht an zwei Deutsche und einen US-Amerikanerâ (05.10.2026)
Der Artikel bestÀtige die Auszeichnung und erklÀre knapp die Arbeitsteilung der drei Forscher: Hegemann und Nagel hÀtten das lichtempfindliche Protein entdeckt, Deisseroth habe es in Nervenzellen eingesetzt. Er setze damit einen stÀrker methodischen Schwerpunkt, wÀhrend die dpa-Meldung zusÀtzlich konkrete therapeutische Erprobungen und die Geschichte der Entdeckung einordne.
Beide Berichte stimmten im Kern mit der Auszeichnung fĂŒr die drei Forscher und der Bedeutung der Optogenetik ĂŒberein. Unterschiede lĂ€gen vor allem in der Gewichtung zwischen Grundlagenforschung, neurologischen Anwendungsperspektiven und der technischen Entwicklung des Verfahrens.
