Wie geht es weiter mit dem Deutschlandticket? Verkehrsminister
17.04.2024 - 07:20:04Seit dem 1. Mai 2023 kann es bundesweit im Nah- und Regionalverkehr genutzt werden. Der monatliche Preis liegt in der Regel bei 49 Euro - aber wie lange noch? Das ist eine Frage, mit der sich die Verkehrsminister der LĂ€nder am Mittwoch und Donnerstag in MĂŒnster beschĂ€ftigen. Wegweisende BeschlĂŒsse werden allerdings eher nicht erwartet. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) fehlt in MĂŒnster, er weilt im Ausland und schickt zwei StaatssekretĂ€re.
Hausaufgaben beim Deutschlandticket
Das Deutschlandticket sei nicht nur ein Anreiz, um auf den ĂPNV umzusteigen, sagte der nordrhein-westfĂ€lische Verkehrsminister Oliver Krischer (GrĂŒne) als Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz. "Es leistet dadurch auch einen Beitrag zum Klimaschutz und entlastet die Pendlerinnen und Pendler um einen Milliarden-Betrag. Das wirkt sich auch dĂ€mpfend auf die Inflation auf. Ich bin daher mit dem ersten Jahr sehr zufrieden. Aber es gibt auch noch Hausaufgaben, die anstehen: Die dauerhafte Finanzierung bleibt ein Thema", sagte Krischer. "Hierzu ist es notwendig, dass wir das Ticket noch stĂ€rker als Job-Ticket etablieren und es von den Arbeitgebern auch entsprechend anteilig ĂŒbernommen wird."
Im Januar hatten die Verkehrsminister beschlossen, dass der Preis des Deutschlandtickets in diesem Jahr stabil bleibt. Oder kommt noch einmal Bewegung in diese Frage? Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sagte, der Beschluss sei auf der Grundlage einer Zusage von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) geschehen, dass Restmittel aus dem Vorjahr auf dieses Jahr ĂŒbertragen werden könnten. Es gehe um 350 Millionen Euro, die die LĂ€nder und die Verkehrsbetriebe dringend brĂ€uchten. Seit November sei hier aber nichts passiert. "Kommt die Ăbertragung der Mittel nicht, muss das Deutschlandticket noch dieses Jahr teurer werden, oder es wird sogar ganz auslaufen." Beides wolle er nicht, denn dies wĂ€re ein groĂer Vertrauensverlust.
Auf jeden Fall offen ist, was das Deutschlandticket von 2025 an kostet. Ramona Pop, VorstĂ€ndin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, sagte: "Bund und LĂ€nder mĂŒssen jetzt zu ihrem Versprechen stehen und den Preis stabil halten, mindestens bis zum Jahr 2030." Um langfristig noch mehr Menschen in Busse und Bahnen zu holen, sei eine gesicherte dauerhafte Finanzierung des Deutschlandtickets notwendig.
"Es kann sein, dass es zukĂŒnftig eine stĂ€rkere Belastung auch der FahrgĂ€ste geben kann und der Preis steigt", sagte der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Es mĂŒssten aber zunĂ€chst Fakten auf dem Tisch liegen zur genauen Höhe der Einnahmen. Madsen forderte zudem ein Signal vom Bund, auch vom Jahr 2026 an zu seiner Verantwortung fĂŒr das Deutschlandticket zu stehen. Um EinnahmeausfĂ€lle bei Verkehrsbetrieben bei dem Ticket auszugleichen, zahlt der Bund laut Regionalisierungsgesetz bis 2025 im Jahr 1,5 Milliarden Euro - die LĂ€nder zahlen ebenfalls 1,5 Milliarden.
LĂ€nder wollen mehr Geld
Die milliardenschweren sogenannten Regionalisierungsmittel des Bundes, mit denen die LĂ€nder und VerkehrsverbĂŒnde Bahn- und Busverbindungen bei Verkehrsunternehmen bestellen, sind seit Jahren ein Zankapfel - die LĂ€nder fordern wesentlich mehr Geld. Hintergrund ist auch ein geplanter "Ausbau- und Modernisierungspakt" des Ăffentlichen Personennahverkehrs.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordert, dass die Diskussion auf der Verkehrsministerkonferenz nicht beim Deutschlandticket stehen bleiben darf. "Wir erwarten, dass die Verkehrsministerkonferenz sich mit der insgesamt dramatischen Situation der ĂPNV-Finanzierung beschĂ€ftigt", teilte VDV-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Alexander Möller mit. "Die Branche braucht eine gesicherte und verlĂ€ssliche Perspektive fĂŒr den dringend nötigen Ausbau und die Modernisierung von Infrastrukturen und Fahrzeugen sowie finanzielle Mittel fĂŒr den flĂ€chendeckenden Angebotsausbau."
Das Angebot von Bus und Bahn mĂŒsse erhöht werden, sagte Krischer. "HierfĂŒr brauchen wir aber Investitionen in den Ausbau und den Erhalt der Schiene." Krischer hatte bereits einen von Wissing vorgeschlagenen "Infrastrukturfonds" begrĂŒĂt, in dem Finanzmittel fĂŒr Schienen, StraĂen und Wasserwege fĂŒr mehrere Jahre gebĂŒndelt werden sollen. Wissing will dazu auch privates Kapital mobilisieren. "Ich erhoffe mir vom Bund weitere Details", so Krischer. "Denn eines ist klar: Ohne zusĂ€tzliche Investitionen in die Infrastruktur wird das Deutschlandticket seinen Reiz verlieren."
Konfliktthemen zwischen Bund und LĂ€ndern
In MĂŒnster dĂŒrfte es vor allem hinter den Kulissen auch um zwei Vorhaben des Bundes gehen, welche die LĂ€nder vorerst gestoppt haben. Zum einen geht es um ein Gesetz, das wichtig ist zur bevorstehenden Generalsanierung wichtiger Bahnstrecken, die im Sommer beginnen soll- das Bundesschienenwegeausbaugesetz steckt im Vermittlungsausschuss,nachdem es wegen Finanzfragen im Bundesrat keine Mehrheit bekommen hatte. Im Bundesrat hatte auĂerdem ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz zu neuen Regelungen im StraĂenverkehr die erforderliche Mehrheit verfehlt.

