Bundesanwaltschaft ĂŒbernimmt Ermittlungen zu Strom-Sabotage
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 16:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach einer Reihe von Sabotage-Angriffen auf das deutsche Stromnetz hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen gegen den VerdĂ€chtigen ĂŒbernommen. Wegen der besonderen Bedeutung habe die Karlsruher Behörde den Fall ĂŒbernommen, sagte eine Sprecherin. Unter anderem gehe es um den Verdacht verfassungsfeindlicher Sabotage. Zuvor hatte der «Spiegel» berichtet.
Ein 48-JĂ€hriger soll an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht haben, Stromleitungen in der NĂ€he von Kohlekraftwerken zu sabotieren. In einigen FĂ€llen ist ihm das gelungen. Am Dienstag fiel er Polizisten bei einem GroĂeinsatz in der NĂ€he des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf - und wurde festgenommen.
KurzschlĂŒsse mittels selbstgebauten Raketen verursachtÂ
Den Ermittlungen zufolge soll der Mann Abschussvorrichtungen aufgebaut und mit selbstgebauten Raketen einen Draht ĂŒber Hochspannungsleitungen geschossen haben. Mindestens zweimal kam es dadurch zu KurzschlĂŒssen, und einzelne Blöcke von nahegelegenen Kraftwerken wurden lahmgelegt. Zu SchĂ€den fĂŒr die Bevölkerung kam es nicht.
Der VerdĂ€chtige wollte seine Angriffe nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) fortsetzen. «Der war immer noch unterwegs und wollte weitermachen. Dieses Spiel ist heute beendet worden», sagte Reul am Tag der Festnahme. «Im Moment spricht alles dafĂŒr, dass es ein EinzeltĂ€ter und alles aus seiner Hand war.»
Das Amtsgericht Aachen hat einen Haftbefehl erlassen, der Mann ist in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Cottbus wirft ihm unter anderem das HerbeifĂŒhren einer Sprengstoffexplosion, die Störung öffentlicher Betriebe und die Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel vor.Â
Weil nun auf Ermittler-Seite die ZustĂ€ndigkeit auf Bundesebene zum Generalbundesanwalt gewechselt ist, muss der 48-JĂ€hrige auch nochmal am Bundesgerichtshof (BGH) vor den Ermittlungsrichter. Ein Termin dafĂŒr war zunĂ€chst nicht bekannt.
«Klimaterrorismus» als Motiv?
Hintergrund der Fahndung waren zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren MedienhÀusern eingingen und auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. «Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges TÀterwissen», sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt Ende vergangener Woche.
Zum Motiv sagte der CSU-Politiker, es handele sich sehr wahrscheinlich um «Klimaterrorismus» eines EinzeltĂ€ters. In einem Bekennerschreiben heiĂt es: «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.»
AuffĂ€llig ist, dass sich die betroffenen Orte in der NĂ€he von Gebieten befinden, in denen noch Braunkohle abgebaut wird. Aktiven Tagebau in Deutschland gibt es nach Angaben des Branchenverbandes Debriv in Nordrhein-Westfalen, im SĂŒden Brandenburgs und Sachsen-Anhalts sowie im Osten und Westen von Sachsen.Â
Politiker unterschiedlicher Parteien und Experten forderten nach Bekanntwerden der Sabotage-Aktionen einen stÀrkeren Schutz der sogenannten kritischen Infrastruktur und vor allem der Stromnetze in Deutschland.
