Stigmatisierung, Sucht

Weniger Stigmatisierung bei Sucht und psychischen Leiden - Mehr Rehas

05.12.2024 - 06:38:27

Menschen mit Sucht und psychischen Leiden werden nach EinschĂ€tzung der Deutschen Rentenversicherung heute weniger als frĂŒher stigmatisiert - entsprechend mehr Menschen suchen Hilfe in einer Reha.

So eine medizinische Rehabilitation kann sich an eine Klinikbehandlung anschließen.

Im Fall von AbhĂ€ngigkeits- oder psychischen Erkrankungen dauern Rehas oft mehrere Wochen oder Monate. Auch im vergangenen Jahr setzte sich bei diesen Rehas der Trend eines Anstiegs der Zahlen fort, wie der Vorsitzende der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung, RĂŒdiger Herrmann, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte.

107.000 Frauen wegen psychischer Leiden in Reha

Insgesamt verĂ€nderte sich das Spektrum der Krankheiten, die bei einer medizinischen Rehabilitation der Rentenversicherung behandelt werden, in den vergangenen Jahren deutlich, wie Herrmann sagte. Fast jede und jeder FĂŒnfte in einer Reha ist wegen psychischer Erkrankungen dort. Vor 20 Jahren waren es rund 16 Prozent.

Bei den Frauen gab es vergangenes Jahr rund 107.000 Rehabilitationen wegen einer psychischen Erkrankung, bei den MĂ€nnern waren es mit rund 82.000 deutlich weniger. Zwei Jahre zuvor waren es beispielsweise bei den Frauen erst 102.000, bei den MĂ€nnern 80.000 Rehabilitationen wegen einer psychischen Erkrankung.

Weniger Stigmatisierung wegen psychischer Leiden

Ein Grund fĂŒr den Anstieg sei, dass psychische Erkrankungen inzwischen besser erkannt und damit hĂ€ufiger diagnostiziert werden, sagte Herrmann. "Auch werden Menschen mit psychischen BeeintrĂ€chtigungen heute weniger stigmatisiert."

Aktuell wies die Rentenversicherung zudem darauf hin, dass chronisch kranke Menschen im Vergleich zu gesunden Personen ein rund zweifach erhöhtes Risiko fĂŒr eine gleichzeitige psychische Erkrankung haben. Bei rund 20 Prozent der Rehabilitanden treten psychische Erkrankungen demnach unabhĂ€ngig von der Art der Grunderkrankung auf. Am hĂ€ufigsten seien Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen.

Krebs und Depression gleichzeitig behandeln

Ein nun laufendes Modellprojekt unter dem Stichwort Duale Reha zielt laut Herrmann darauf ab, bei psychischen Begleiterkrankungen eine qualitativ hochstehende Behandlung zu geben - auch wenn das Grundleiden eine körperliche Erkrankung ist. Bei der Dualen Reha wĂŒrden daher ein psychisches und ein somatisches Krankheitsbild, etwa Krebs, gleichwertig parallel behandelt.

Herz-Erkrankungen bei MÀnnern stÀrker im Fokus

Bei MÀnnern ist die Inanspruchnahme von Rehabilitationen wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich hÀufiger als bei Frauen. 2023 beanspruchten mit 14,1 Prozent deutlich mehr MÀnner medizinische Reha-Leistungen aufgrund von Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems als Frauen mit nur 4,7 Prozent.

Herrmann veröffentlichte die Informationen anlÀsslich der Vertreterversammlung in Berlin. Die Vertreterversammlung ist das Parlament der Deutschen Rentenversicherung Bund.

@ dpa.de