Merz: 67 Prozent halten seine Kanzlerschaft fĂĽr gescheitert
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 06:40 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSEine Mehrheit der Deutschen hält die Kanzlerschaft von Friedrich Merz (CDU) für gescheitert. Im aktuellen „Spiegel“-Ipsos-Politikmonitor stimmten 48 Prozent der Befragten dieser Aussage voll und 19 Prozent eher zu.
Ostdeutsche bewerten Merz besonders kritisch
Im Osten der Republik teilen 80 Prozent der Befragten die Einschätzung, Merz’ Kanzlerschaft sei gescheitert, im Westen sind es 64 Prozent. Frauen äußerten sich mit knapp 70 Prozent etwas kritischer als Männer, von denen 64 Prozent der Aussage voll oder eher zustimmten.
Auch die Forderung nach einem Rücktritt fällt deutlich aus. 44 Prozent stimmten voll und 14 Prozent eher dafür, dass Merz als Kanzler und Parteichef zurücktreten sollte; lediglich 11 Prozent lehnten einen Rücktritt vollständig ab.
Kein klarer Favorit fĂĽr eine Nachfolge
Für den Fall eines vorzeitigen Endes der Kanzlerschaft wurde nach möglichen Nachfolgern aus der Union gefragt. 20 Prozent können sich CSU-Chef Markus Söder vorstellen, 16 Prozent favorisieren den nordrhein-westfälischen CDU-Landeschef Hendrik Wüst und 5 Prozent Innenminister Alexander Dobrindt (CSU).
Mit gut 43 Prozent entschied sich die größte Gruppe für „Keiner der genannten“; knapp 14 Prozent antworteten mit „Weiß nicht“. Ipsos befragte im Auftrag des „Spiegel“ vom 30. September bis 4. Oktober bundesweit 2.002 Menschen.
Die Umfrage fällt in eine Phase, in der sich die politische Bewertung der Bundesregierung nicht allein an einzelnen Gesetzesvorhaben entscheidet. Rund anderthalb Jahre nach dem Regierungsstart stehen laut einer aktuellen Bilanz bereits umgesetzten Projekten weiterhin offene Entscheidungen bei Steuer-, Renten- und Pflegereformen gegenüber. Diese Mischung aus sichtbaren Ergebnissen und ungelösten Großbaustellen prägt die Wahrnehmung der Kanzlerschaft.
Umfragewerte und politische Autorität
Weitere Erhebungen aus den Tagen vor der Veröffentlichung des Politikmonitors weisen ebenfalls auf eine ausgeprägte Unzufriedenheit mit Merz und der Union hin. Im RTL/ntv-Trendbarometer lagen die Unionsparteien bei 19 Prozent, während 87 Prozent der Befragten mit Merz unzufrieden waren. Eine andere aktuelle Befragung sah die AfD bei 30,5 Prozent und CDU/CSU bei 17,5 Prozent.
Für die Regierungsarbeit bedeutet das einen doppelten Druck: Die Koalition muss politische Vorhaben gegen innerkoalitionäre Konflikte durchsetzen und zugleich verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Streitpunkte wie Renten-, Pflege- und Arbeitszeitreformen sowie die Haushaltsplanung für 2027 erhöhen den Erwartungsdruck. Dass viele Befragte keinen der angebotenen Nachfolger auswählen, zeigt zugleich, dass die Unzufriedenheit mit Merz nicht automatisch in eine klare Präferenz für eine alternative Führung mündet.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Was Merz' Regierung schon geschafft hat - und was nicht“ (06.10.2026)
Der Beitrag bilanziert rund anderthalb Jahre Regierungsarbeit und stellt umgesetzte Vorhaben den noch ausstehenden Entscheidungen bei Steuer-, Renten- und Pflegereformen gegenüber. Damit ergänzt er die Umfrageperspektive um die Frage, welche konkreten politischen Ergebnisse die Bewertung der Kanzlerschaft beeinflussen.
n-tv: „Jetzt rücken auch die Grünen immer näher an CDU und CSU heran“ (06.10.2026)
Der Artikel beschreibt schwache Werte für Union und Kanzler sowie eine starke AfD. Er bestätigt damit den breiteren politischen Druck, setzt den Schwerpunkt aber auf Parteienpräferenzen und persönliche Zufriedenheit statt auf die im Politikmonitor abgefragte Einschätzung eines möglichen Scheiterns.
Gemeinsam ist den Beiträgen der Befund einer erheblichen Belastung für Merz und die Union. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Blickwinkel: Der Politikmonitor misst ein direktes Urteil über die Kanzlerschaft, während die anderen Beiträge Regierungsbilanz, Parteienkonkurrenz und persönliche Zustimmung hervorheben.
