Mietwucher-App, Mietrecht

Mietwucher-App: Linke meldet 11.157 FÀlle an Behörden

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die seit November 2024 laufende Anwendung wurde nach Angaben der Linksfraktion mehr als 333.000 Mal genutzt. Besonders hÀufig schalteten Mieter in Berlin die Behörden ein; Bremen kommt nun als 39. Stadt hinzu.

Behördenmeldungen und RĂŒckzahlungen aus der App

  • Die Linken-Fraktion wertete Daten aus einer seit November 2024 laufenden Mietwucher-App aus.
  • In Berlin wurde die Anwendung 123.698 Mal genutzt und 5.083 Mal wurden Behörden eingeschaltet.
  • Frankfurt am Main erwirkte laut Linken seit 2020 RĂŒckzahlungen von 330.330 Euro.
Lange nicht alle trauten sich, ĂŒberhöhte Mieten anzuzeigen, meint die Linke. (Symbolbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa

Linke meldet mehr als 11.000 Hinweise auf ĂŒberhöhte Mieten

Mehr als 11.000 Haushalte haben nach Angaben der Linksfraktion in den vergangenen zwei Jahren mutmaßlich ĂŒberhöhte Mieten mit einer App an Behörden gemeldet. Die seit November 2024 laufende Anwendung ist nun auch in Bremen verfĂŒgbar.

Insgesamt sei das Programm mehr als 333.000 Mal genutzt worden, teilte die Fraktion nach der Auswertung mit. In 11.157 FÀllen hÀtten Nutzerinnen und Nutzer Behörden eingeschaltet.

Viele Mieten im App-Check als ĂŒberhöht eingestuft

Nach Angaben der Linken wurden 215.941 Mieten als ĂŒberhöht eingestuft. Das entspricht fast zwei Dritteln der geprĂŒften FĂ€lle. Bei den an Behörden weitergeleiteten Verdachtsmeldungen habe die durchschnittliche Überschreitung 66 Prozent betragen.

Die Fraktion berechnet daraus eine mögliche durchschnittliche Senkung von mehr als 250 Euro im Monat fĂŒr die betroffenen Haushalte. Sie vermutet zugleich, dass viele Mieterinnen und Mieter aus Angst vor dem Verlust ihrer Wohnung auf eine Meldung verzichten.

Berlin fĂŒhrt die Nutzungsstatistik an

Am hÀufigsten wurde die App den Angaben zufolge in Berlin genutzt. Dort trugen Mieterinnen und Mieter ihre Daten 123.698 Mal in das Programm ein; 5.083 Mal schalteten sie die Behörden ein.

Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg seien Bußgelder von 81.600 Euro festgesetzt worden. Davon seien 27.500 Euro tatsĂ€chlich gezahlt worden.

Frankfurt erwirkt RĂŒckzahlungen

Als besonders konsequent stellt die Linke das Vorgehen in Frankfurt am Main dar. Das dortige Wohnungsamt habe seit 2020 mehr als tausend Verfahren gefĂŒhrt und RĂŒckzahlungen von insgesamt 330.330 Euro erwirkt.

Zuletzt habe eine Wohngemeinschaft rund 26.700 Euro zurĂŒckerhalten. Nach EinschĂ€tzung der Linken haben mehrere StĂ€dte inzwischen eigene Mietenrechner eingefĂŒhrt.

Linke fordert mehr UnterstĂŒtzung fĂŒr Kommunen

Abgeordnete Caren Lay kritisierte, viele Millionen Euro an illegal ĂŒberhöhten Mieten seien in die Taschen von Vermietern geflossen. Der Bund mĂŒsse Kommunen nach ihrer Forderung besser befĂ€higen, gegen Mietwucher vorzugehen.

Nach dem Wirtschaftsstrafgesetz kann eine Miete fĂŒr Wohnraum eine Ordnungswidrigkeit sein, wenn sie mehr als 20 Prozent ĂŒber der ortsĂŒblichen Vergleichsmiete liegt und eine angespannte Marktlage ausgenutzt wird. Bei einer Überschreitung von mehr als 50 Prozent kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Straftat vorliegen.

Die Zahlen der Linken machen sichtbar, wie groß der Bedarf an Beratung und behördlicher Kontrolle auf angespannten WohnungsmĂ€rkten ist. Die Mietwucher-App dient dabei zunĂ€chst als PrĂŒf- und Meldeinstrument: Eine Einstufung als ĂŒberhöht ersetzt weder eine rechtliche PrĂŒfung des Einzelfalls noch automatisch eine RĂŒckzahlung.

Rechtlich kommt es unter anderem auf die ortsĂŒbliche Vergleichsmiete, die Wohnungsmarktlage und die Frage an, ob ein Vermieter eine Zwangslage ausnutzt. Die genannten Schwellen von mehr als 20 beziehungsweise mehr als 50 Prozent markieren deshalb keine pauschalen Automatismen. ZustĂ€ndig sind je nach Fall kommunale Behörden oder Gerichte, die Belege und die konkrete Vertrags- und Vermietungssituation bewerten mĂŒssen.

HĂŒrden fĂŒr Mieter

Die hohen Nutzungszahlen bei zugleich deutlich weniger Behördenmeldungen weisen auf eine zentrale praktische HĂŒrde hin: Viele Betroffene prĂŒfen ihre Miete, gehen den nĂ€chsten Schritt aber nicht. Die Sorge vor Konflikten mit dem Vermieter, vor Nachteilen bei einer Wohnungssuche oder vor dem Verlust der Wohnung kann solche Entscheidungen beeinflussen.

FĂŒr Mieterinnen und Mieter bedeutet das Ergebnis, dass ein Rechner vor allem Orientierung bietet. Wer eine auffĂ€llige Miethöhe feststellt, braucht fĂŒr ein Verfahren in der Regel zusĂ€tzliche Unterlagen wie Mietvertrag, WohnflĂ€chenangaben und Nachweise zur Vergleichsmiete. Kommunen stehen zugleich vor der Aufgabe, Hinweise personell zu bearbeiten und rechtskrĂ€ftig durchzusetzen.

Folgen fĂŒr Kommunen

Die Beispiele aus Berlin und Frankfurt am Main zeigen, dass kommunales Vorgehen konkrete finanzielle Folgen haben kann. Eine Ausweitung solcher Verfahren könnte ĂŒberhöhte Mieten begrenzen, setzt aber klare ZustĂ€ndigkeiten, ausreichende KapazitĂ€ten und einen verlĂ€sslichen Zugang zu Beratung voraus.

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