Pro Asyl: Nur selten Asyl fĂŒr russische Kriegsverweigerer
21.02.2024 - 16:20:24Hintergrund fĂŒr den Anstieg der Zahl der AsylantrĂ€ge könnte die Teilmobilmachung in Russland im September 2022 sein. Bearbeitet wurden bislang 1.530 AntrĂ€ge. Davon wurden rund 1.300 AntrĂ€ge "formell erledigt" - diese Formulierung bedeutet laut Pro Asyl meist, dass das Bamf im Rahmen der Dublin-Regelung auf die ZustĂ€ndigkeit eines anderen EU-Staates verweist. Diese MĂ€nner erhielten also keine Möglichkeit auf ein deutsches Asylverfahren und sind aufgefordert, das Land zu verlassen. Nur 248 wehrdienstfĂ€hige MĂ€nner aus Russland erhielten seit Kriegsbeginn bis September 2023 eine inhaltliche Entscheidung in einem deutschen Asylverfahren. Bei den 204 inhaltlichen Entscheidungen im Jahr 2022 wurden 81 Anerkennungen von internationalem Schutz erteilt und 123 Ablehnungen. Im Jahr 2023 bis Ende September fĂ€llt das VerhĂ€ltnis noch geringer aus. Bei 44 inhaltlichen Entscheidungen wurde elf Personen internationaler Schutz erteilt, 33 Personen erhielten eine Ablehnung. Gab es im Jahr 2022 noch 40 Prozent positive Entscheidungen bei den inhaltlich geprĂŒften AsylantrĂ€gen vom MĂ€nnern aus Russland im wehrdienstfĂ€higen Alter, so nahm die Quote fĂŒr Januar bis September 2023 deutlich ab. Nur noch 25 Prozent der inhaltlich geprĂŒften AsylantrĂ€ge wurden positiv beschieden. Auch wenn Wladimir Putin am 1. November 2022 die Teilmobilmachung fĂŒr beendet erklĂ€rt hat, werden wohl weiterhin BĂŒrger Russlands durch Bescheide zur Mobilisierung aufgerufen. Wer einer Vorladung nicht nachkomme, könne zu einem BuĂgeld von bis zu 30.000 Rubel (300 Euro) verurteilt werden, so Connection. ZusĂ€tzlich wĂŒrden ImmobiliengeschĂ€fte, das FĂŒhren eines Kraftfahrzeuges, die Aufnahme von Krediten oder eine SelbststĂ€ndigkeit ausgeschlossen. Personen, die Vorladungen zur Mobilisierung erhalten hĂ€tten, erhielten mitunter Reiseverbote. Connection und Pro Asyl fordern, dass das Bamf seine Entscheidungspraxis zu Deserteuren und MilitĂ€rdienstentziehern "an die tatsĂ€chliche Gefahr fĂŒr Menschen bei einer RĂŒckkehr nach Russland anpasst". Woher das Bamf seinen Glauben an ein rechtsstaatliches System in Russland nehme, bleibe schleierhaft. Pro Asyl wirft den deutschen Behörden vor, russische Verweigerer dem russischen MilitĂ€r auszuliefern. Putin erhalte so weitere Soldaten fĂŒr einen völkerrechtswidrigen Krieg.


