Wurde TerrorverdÀchtiger von Hof absichtlich angeschwÀrzt?
14.11.2024 - 16:03:38Mit zwei Macheten in der Innenstadt von Hof in Oberfranken möglichst viele Bundeswehrsoldaten wĂ€hrend deren Mittagspause töten - so beschreibt ein Hinweisgeber den Sicherheitsbehörden die PlĂ€ne eines 27 Jahre alten Syrers aus seinem Umfeld. Dazu prĂ€sentiert er einen Rucksack mit einer Machete, die dem Mann gehören soll.Â
Die Ermittler handeln schnell: Mitte September wird der 27-JĂ€hrige in Oberfranken festgenommen. Wegen des Terrorverdachts landet er in Untersuchungshaft. Wenige Monate spĂ€ter ist klar: Der Syrer darf wieder auf freien FuĂ, die Ermittlungen wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefĂ€hrdenden Straftat werden eingestellt. Stattdessen geht die Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen nun einem anderen Verdacht nach: Hat der Hinweisgeber den 27-JĂ€hrigen absichtlich falsch als TerrorverdĂ€chtigen beschuldigt?
Streit bei DrogengeschÀften als Auslöser?
Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren gegen den Mann sei inzwischen eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittler können demnach nicht ausschlieĂen, dass es sich um eine falsche Beschuldigung im Zuge eines Streits um mögliche DrogengeschĂ€fte handle. Dem Verdacht auf Handel mit BetĂ€ubungsmittel gehe unterdessen die Staatsanwaltschaft Hof nach.
Nach der Festnahme Mitte September war die Aufregung wegen der möglichen AnschlagsplĂ€ne - wenige Tage nach dem mutmaĂlichen Terroranschlag auf das israelische Generalkonsulat in MĂŒnchen - groĂ gewesen. OberbĂŒrgermeisterin Eva Döhla (SPD) sagte, etwas Vergleichbares habe es in der Stadt bisher «noch nie» gegeben, die Ermittler hĂ€tten offenbar ein schlimmes Verbrechen verhindert. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, die Festnahme zeige, die Ermittlungsbehörden handelten «bei Verdacht sofort, denn der Schutz unserer Bevölkerung steht an oberster Stelle».Â
Auch Islamismus-Verdacht erhÀrtet sich nicht
Der vom Hinweisgeber geĂ€uĂerte Anschlagsverdacht habe sich wĂ€hrend der Ermittlungen aber nicht erhĂ€rtet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen mit. Auch dass der 27 Jahre alte Syrer, wie nach der Festnahme zunĂ€chst vermutet, AnhĂ€nger einer radikal-islamischen Ideologie sein könnte, lieĂ sich nicht mit Beweisen untermauern. Am 7. November wurde der Mann wieder auf freien FuĂ gesetzt.
EntschĂ€digung fĂŒr Untersuchungshaft
Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft betonte nach der Aufhebung des Haftbefehls, die Festnahme des Mannes sei nach dem Hinweis auf dessen Umfeld dennoch gerechtfertigt gewesen. «Diese Aussage war zunĂ€chst per se schlĂŒssig», sagte der Sprecher. Untermauert worden sei die Beschuldigung durch den Rucksack und die Machete. Ein dringender Tatverdacht sei gegeben gewesen. Dem ehemals TerrorverdĂ€chtigen stehe nach der Untersuchungshaft nun eine EntschĂ€digung zu.
Der Syrer war nach Angaben der Ermittler vor zehn Jahren nach Deutschland eingereist. Er genieĂt demnach sogenannten subsidiĂ€ren Schutz. Dieser eingeschrĂ€nkte Schutz gilt fĂŒr Menschen, die nicht als individuell verfolgte FlĂŒchtlinge anerkannt werden, aber stichhaltige GrĂŒnde liefern, warum ihnen bei einer RĂŒckkehr in ihr Herkunftsland ernsthafte SchĂ€den â etwa durch BĂŒrgerkrieg â drohen.Â
Eine Abschiebung war den Angaben zufolge nicht geplant, obwohl der 27-JĂ€hrige in Ăsterreich wegen Schleusung zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Nach einigen Monaten im GefĂ€ngnis war er Ende April 2019 wieder entlassen worden.


