Weiter Kritik an Steueranreizen fĂŒr auslĂ€ndische FachkrĂ€fte
09.07.2024 - 09:59:24Die geplanten, aber bisher wenig konkreten Steuererleichterungen fĂŒr auslĂ€ndische FachkrĂ€fte sorgen weiter fĂŒr Diskussionen. «Das ist ein echtes InlĂ€nder-Benachteiligungsprogramm, das sich die Ampel da ausgedacht hat», sagte der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, der Deutschen Presse-Agentur zu den PlĂ€nen.Â
Auch aus den Ampel-Parteien gab es Kritik: «Ich verstehe vollkommen, wenn das die Leute irritiert», sagte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) dem «Tagesspiegel». Die GrĂŒnen-Arbeitsmarktpolitikerin Beate MĂŒller-Gemmeke sagte der Zeitung: «Es gibt aus gutem Grund einen Gleichbehandlungsgrundsatz in unserem Arbeitsrecht.» Dies wĂ€re aus ihrer Sicht nicht gewĂ€hrleistet, wenn bestimmte Gruppen bei gleicher Arbeit durch Steueranreize mehr Geld im Portemonnaie hĂ€tten. Auch die Gewerkschaften hatten das Vorhaben als falsches Signal kritisiert.
Um Deutschland angesichts des ArbeitskrĂ€ftemangels in einigen Branchen attraktiver fĂŒr Experten aus dem Ausland zu machen, will die Bundesregierung fĂŒr «neu zugewanderte FachkrĂ€fte» in den ersten drei Jahren 30, 20 und 10 Prozent vom Bruttolohn steuerfrei stellen. DafĂŒr soll es allerdings Unter- und Obergrenzen beim Gehalt geben.
Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zeigte sich nicht zufrieden. «Ich gebe zu, dass ich an diesem Punkt ĂŒber die Einigung nicht furchtbar glĂŒcklich bin, weil es zu MissverstĂ€ndnissen fĂŒhren kann», sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. «Das gehört zur Abteilung: Das mĂŒssen wir uns noch mal genauer angucken.» Wenn Deutschland wirklich attraktiv sein wolle fĂŒr dringend gebrauchte auslĂ€ndische FachkrĂ€fte, sei das aber auch nicht der entscheidende Punkt. Man mĂŒsse Menschen anwerben und auf die StĂ€rke Deutschlands hinweisen. «Wir werden uns darauf konzentrieren, dass das Einwanderungsgesetz funktioniert», sagte Heil.
Steueranreize fĂŒr hochqualifizierte AuslĂ€nder sind seit Jahren ein Thema
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) hatte auf andere europĂ€ische LĂ€nder verwiesen, die bereits SteuervergĂŒnstigungen fĂŒr zugezogene FachkrĂ€fte gewĂ€hren. Bernd Meurer, PrĂ€sident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): «Alle Schritte, um internationale KrĂ€fte zu einer TĂ€tigkeit in Deutschland zu motivieren, begrĂŒĂen wir.» Zugewanderte Arbeitnehmer hĂ€tten zudem in der Phase des Ankommens viele zusĂ€tzliche Kosten.Â
Solche Steueranreize sind in Europa und darĂŒber hinaus seit vielen Jahren ein Thema. Die Bundesregierung hatte bereits 2018 in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage 15 EU-LĂ€nder genannt, in denen dies zur Anwendung kommt. Der Schwerpunkt lag dabei allerdings auf FĂŒhrungskrĂ€ften in Unternehmen und anderen hochqualifizierten und gut bezahlten Zuwanderern. Höhere SteuersĂ€tze als in ihrer Heimat schrecken gerade solche Zielgruppen oft von einem Wechsel ins Ausland ab.Â
In den Niederlanden ist seit Jahresbeginn auch eine - Ă€hnlich wie von der Ampel-Koalition geplante - Regelung mit steuerfreien 30/20/10-Prozent vom Bruttolohn fĂŒr insgesamt 60 Monate und mit Einkommensgrenzen in Kraft. Damit wurden die bisher geltenden Vorteile fĂŒr qualifizierte Einwanderer etwas beschnitten.


