Olympia-Bewerbung: München gewinnt DOSB-Votum gegen Köln-Rhein-Ruhr
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 15:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMünchen ist deutscher Kandidat für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044.
Deutlicher Sieg gegen Köln-Rhein-Ruhr
Die bayerische Landeshauptstadt setzte sich bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Baden-Baden gegen Köln-Rhein-Ruhr durch. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verkündete die Entscheidung gemeinsam mit DOSB-Chef Thomas Weikert.
München gewann die geheime Abstimmung mit 91 zu 50 Stimmen, wie der DOSB anschließend mitteilte. Steinmeier bezeichnete die Bewerbung als „eine Riesenchance für ganz Deutschland“.
München galt als Favorit
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bedankte sich für das Vertrauen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst gratulierte als einer der ersten. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sprach von einer Zitterpartie und sagte, die Freude sei „jetzt unendlich“.
München war bereits vor dem Votum als Favorit eingestuft worden. Die Evaluierungskommission des DOSB hatte das Münchner Konzept knapp besser bewertet als den Vorschlag Köln-Rhein-Ruhr. Mit Ausnahme von Fußballspielen in Stuttgart und der Segelwettbewerbe in Kiel sollen die Wettkämpfe in Bayern stattfinden.
Erste Spiele seit 1972?
München könnte die Olympischen Spiele erstmals seit 1972 wieder nach Deutschland holen. Seit den damaligen Sommerspielen gab es mehrere erfolglose deutsche Bewerbungen um Sommer- und Winterspiele.
Bei einer Bürgerbefragung im vergangenen Oktober stimmten in München rund zwei Drittel für die Olympia-Pläne. 2013 war eine Bewerbung der Stadt für die Winterspiele 2022 dagegen an einem Bürgerentscheid gescheitert.
Berlin und Hamburg nicht mehr im Rennen
Neben München und Köln-Rhein-Ruhr hatten zunächst auch Hamburg und Berlin Bewerbungen vorbereitet. In Hamburg lehnte die Mehrheit der Bevölkerung das Olympia-Konzept bei einer Bürgerbefragung ab. Berlin zog seine Bewerbung zwei Tage vor der DOSB-Abstimmung zurück.
Als Gründe für den Berliner Rückzug galten die schwächere Bewertung durch die DOSB-Evaluierungskommission sowie der politische Wechsel in der Hauptstadt. Die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp, die neue Regierende Bürgermeisterin werden könnte, lehnt eine Olympia-Bewerbung ab.
Nun folgt der internationale Wettbewerb
Der DOSB und München müssen sich nun international positionieren und dem Internationalen Olympischen Komitee Detailpläne sowie finanzielle Garantien vorlegen. Die erste Vorauswahl für die Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein, die entscheidende IOC-Session ist für Mitte 2029 vorgesehen.
Als mögliche internationale Konkurrenten gelten unter anderem Indien und Katar. In Europa werden außerdem Bewerbungen aus Budapest und Istanbul sowie mögliche Anläufe aus Madrid, Nordengland und der Toskana geprüft. Ob das IOC für 2036 einen Kandidaten aus Europa oder Asien bevorzugt, ist offen.
Vom nationalen Votum zum IOC-Verfahren
Mit dem DOSB-Entscheid ist lediglich die deutsche Vorauswahl abgeschlossen. München muss nun ein detailliertes Konzept für Olympische und Paralympische Spiele vorlegen, internationale Kontakte pflegen und finanzielle Garantien absichern. Die erste Vorauswahl für 2036 soll im März 2027 abgeschlossen werden; die endgültige Entscheidung ist für 2029 vorgesehen.
Der Münchner Ansatz setzt auf kurze Wege und weitgehend vorhandene Anlagen. In der DOSB-Evaluierung lag München bei der sportfachlichen und operativen Eignung vorn; besonders die durchschnittlichen Reisezeiten zwischen Unterkünften und Wettkampfstätten fielen deutlich kürzer aus als beim Konzept Köln-Rhein-Ruhr. Die Rhein-Ruhr-Bewerbung punktete dagegen beim Eventpotenzial und bei der Zahl der voraussichtlich verkaufbaren Tickets.
Historische Verantwortung und internationale Konkurrenz
Eine Bewerbung für 2036 hätte eine besondere historische Dimension, weil sich dann der hundertste Jahrestag der Berliner Spiele von 1936 jährt, die das NS-Regime propagandistisch missbrauchte. Zugleich knüpft München an die Spiele von 1972 an, deren Bild durch das Attentat auf das israelische Team überschattet wurde. Erinnerungskultur und Sicherheitskonzept werden deshalb zentrale Bestandteile der internationalen Bewerbung sein.
Im internationalen Rennen stehen mögliche Bewerber aus Europa, Asien und dem Nahen Osten. Für Deutschland bedeutet das, nicht nur sportliche Infrastruktur, sondern auch politische Geschlossenheit, Kostenkontrolle und gesellschaftliche Zustimmung überzeugend darzustellen. Für die Bevölkerung bleibt insbesondere relevant, wie verbindlich die Finanzierung geregelt wird und welchen dauerhaften Nutzen neue oder modernisierte Sportstätten nach den Spielen haben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Deutsche Olympia-Bewerbung: München oder KölnRheinRuhr - wer macht das Rennen?“ (26.09.2026)
Der Bericht ordne die Abstimmung in Baden-Baden als Abschluss der nationalen Auswahl ein und erläutere das weitere IOC-Verfahren. Er bestätige München als knappen Favoriten der Evaluierung, stelle aber zugleich heraus, dass die geheime DOSB-Abstimmung über den deutschen Kandidaten entscheide; zudem verweise er auf die internationale Konkurrenz und die historische Verantwortung einer Bewerbung für 2036.
BR24: „Olympia-Evaluierung: Warum München nun besonders hoffen darf“ (24.09.2026)
Der Artikel habe die Bewertungsmatrix des DOSB detailliert ausgewertet und München wegen der kurzen Reisezeiten sowie der stärkeren Bewertung durch die Fachverbände vorn gesehen. Zugleich habe er betont, Köln-Rhein-Ruhr liege beim Eventpotenzial und bei den möglichen Ticketverkäufen vorn; offen bleibe damit, wie stark diese unterschiedlichen Kriterien im internationalen Verfahren gewichtet würden.
Beide Berichte hätten München als nationalen Favoriten beschrieben und die internationale Auswahl als nächste Hürde eingeordnet. Unterschiede lägen vor allem im Schwerpunkt: Während der FAQ-Beitrag den Ablauf, die Konkurrenz und die historische Dimension bündele, konzentriere sich BR24 auf die Bewertungsmatrix und die strukturellen Vorzüge beider Konzepte.
