Münchner Oktoberfest: Stadt führt Wiesn-Lizenz für Influencer ein
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 15:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWSProfessionelle Influencer brauchen für kommerzielle Inhalte vom Münchner Oktoberfest eine Lizenz der Stadt München, während private Besucher ihre Eindrücke weiterhin ohne Genehmigung teilen können.
Stadt München verlangt Genehmigung für kommerzielle Inhalte
Wenn an diesem Wochenende das Oktoberfest beginnt, werden die sozialen Netzwerke wieder mit Bildern und Videos aus München gefüllt. Für Creator, die mit ihren Inhalten unmittelbar oder mittelbar kommerzielle Zwecke verfolgen – etwa durch Sponsoring, Kooperationen oder Produktplatzierungen –, gilt jedoch eine klare Vorgabe: Sie benötigen für ihre Aktivitäten auf der Wiesn eine Genehmigung der Stadt.
Die Lizenzgebühr wird laut Stadt im Einzelfall festgelegt und hängt von der Reichweite des jeweiligen Accounts ab. Livestreams sind auf dem Festgelände grundsätzlich untersagt, unabhängig davon, ob sie privat oder kommerziell angelegt sind.
Marke Oktoberfest wird seit Jahren geschützt
Dass die Stadt München die Marke Oktoberfest schützt, ist kein neues Phänomen. Bereits bisher brauchten Unternehmen eine Genehmigung, wenn sie auf dem Fest drehen wollten oder Produkte mit Bezeichnungen wie „Oktoberfest“ oder „Wiesn“ vermarkteten. Wer mit der Wiesn Geld verdienen wollte, musste sich schon bisher um eine Lizenz kümmern.
Neu ist vor allem die Intensität der aktuellen Debatte in der Influencer-Szene. Viele Content Creator setzen das Fest gezielt in Szene, um ihre Marken und Produkte auf Instagram, TikTok oder anderen Plattformen sichtbar zu machen. Die nun stärker formulierten Regeln treffen damit eine Branche, die bislang nur selten mit klassischen Dreh- und Lizenzauflagen konfrontiert war.
Cathy Hummels als Auslöser der Diskussion
Influencerin Cathy Hummels, die seit Jahren einen „Wiesn-Bummel“ mit Gästen veranstaltet, spielt in der Diskussion eine zentrale Rolle. Veranstaltungen wie ihr Bummel hatten die Stadt nach eigenen Angaben auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht, die Regulierung von Influencer-Aktivitäten zu präzisieren. Mittlerweile verfügt Hummels für ihren „Wiesn-Bummel“ über eine eigene Lizenz.
Die 38-Jährige begrüßt grundsätzlich, dass München das Oktoberfest als weltweit bekannte Marke schützt und klare Regeln für kommerzielle Nutzung schafft. In einem Instagram-Reel erklärt sie ihren Followern die Vorgaben der Stadt und betont, wie wichtig Aufklärung sei. Vielen Creatorn sei bislang nicht bewusst gewesen, wo privater Content aufhöre und kommerzielle Nutzung beginne.
Vorschlag für digitalen „Wiesn Content Check“
Hummels sieht die Regelung nach eigener Aussage nicht grundsätzlich kritisch, hält sie aber für verbesserungsfähig. Sie schlägt einen digitalen „Wiesn Content Check“ vor, etwa als App oder Plattform. Creator könnten dort vorab Fragen zu ihrem geplanten Content beantworten: Handelt es sich um eine Kooperation? Wird ein Produkt beworben? Besteht Gewinnerzielungsabsicht?
Aus den Antworten solle sich ergeben, ob eine Lizenz erforderlich sein könnte. Falls ja, könnte sie nach Vorstellung von Hummels direkt über die Plattform beantragt und bezahlt werden. Das würde Creatorn schnelle Klarheit verschaffen, während die Stadt zugleich Transparenz darüber erhielte, wie ihre Marke kommerziell genutzt wird.
Mehr Sichtbarkeit für das Oktoberfest – und Alternativen für Influencer
Aus Sicht von Hummels profitieren auch die Stadt und das Fest von den Aktivitäten der Influencer. Creator trügen nach ihrer Einschätzung erheblich zur internationalen Sichtbarkeit des Oktoberfests bei. Der Schutz der Marke und die Möglichkeiten moderner Kommunikation sollten deshalb sinnvoll miteinander verbunden werden.
Influencer, denen die Regelungen und Lizenzprozesse in München zu aufwendig erscheinen, haben eine Alternative. Auf dem bald beginnenden Cannstatter Wasen in Stuttgart müssen Creator für ihre Social-Media-Inhalte in diesem Jahr keine Lizenzgebühr zahlen. Wer auf unkompliziertere Bedingungen setzt, kann seine Inhalte dort produzieren – ganz ohne zusätzliche Kosten für eine spezielle Fest-Lizenz.
Markenschutz und neue Regeln für digitale Vermarktung
Die Regelung der Stadt München richtet sich ausdrücklich an Creator, die das Oktoberfest zur eigenen Vermarktung nutzen. Damit wird ein Prinzip aus der klassischen Film- und TV-Produktion auf Social Media übertragen: Wer das Gelände und die Marke Oktoberfest nicht nur privat, sondern gewinnorientiert nutzt, soll dafür zahlen. Für reine Besucherinnen und Besucher, die privat Fotos und Clips teilen, ändert sich dagegen nichts. Die Trennlinie verläuft bei kommerziellen Kooperationen, Produktplatzierungen oder anderen Formen der Gewinnerzielung.
Juristisch knüpft die Stadt an den Schutz der Marke „Oktoberfest“ und an ihre Rolle als Veranstalterin des Festes an. Schon länger gelten Genehmigungspflichten für Dreharbeiten und für Produkte, die mit Begriffen wie „Oktoberfest“ oder „Wiesn“ beworben werden. Neu ist, dass die Stadt die wachsende Bedeutung von Influencer-Marketing ausdrücklich adressiert und Reichweite als Kriterium für die Gebührenhöhe nennt. Damit rückt sie Social-Media-Profis näher an klassische Medienunternehmen heran, die Drehgenehmigungen und Lizenzverträge schon lange kennen.
Konsequenzen für Creator und Wettbewerb mit anderen Festen
Für professionelle Influencer bedeutet die Wiesn-Lizenz zusätzlichen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Besonders bei spontanen Formaten wie Reels oder Stories stellt sich die Frage, wie Kooperationen rechtssicher geplant und gekennzeichnet werden können. Die Untersagung von Livestreams auf dem Festgelände begrenzt zudem Echtzeit-Formate, die im Influencer-Geschäft wichtig sind. Zugleich will die Stadt damit die Kontrolle über Besucherströme, Sicherheit und Markenauftritt behalten.
Der Hinweis auf den Cannstatter Wasen zeigt, dass Volksfeste unterschiedlich mit Social-Media-Vermarktung umgehen. Während München stärker reguliert und monetarisiert, verzichtet Stuttgart aktuell auf Lizenzgebühren für Influencer. Für Creator kann das die Auswahl des Veranstaltungsortes beeinflussen, für Städte entsteht ein Wettbewerb um Reichweite und internationale Sichtbarkeit. Langfristig dürfte sich daran entscheiden, ob weitere große Veranstaltungen ähnliche Lizenzmodelle einführen oder stärker auf freie Social-Media-Werbung setzen.
