Taubitz rodelt doch noch zu Gold - EnttÀuschte FrÀbel weint
10.02.2026 - 20:32:49Die Erlösung ĂŒber ihr olympisches Happy End leuchtete bei der Siegerehrung aus den Augen von Julia Taubitz. Mit der ersehnten Goldmedaille um den Hals fiel die Rodel-Weltmeisterin in Cortina d'Ampezzo ihren Eltern in die Arme. Vier Jahre nach dem Sturz bei den Spielen von Peking hat sich Taubitz doch noch ihren Traum vom groĂen Triumph erfĂŒllt.
«Ich glaube, ich habe lange nicht mehr so viel geweint», sagte sie danach im ZDF. «Die letzten vier Jahre, die waren nicht immer nicht leicht. Das war irgendwie der geilste Tanz in meinem bisherigen Leben.»
Kindheitstraum doch noch in ErfĂŒllung gegangen
Fast ein wenig unglĂ€ubig schloss die 29-JĂ€hrige die Augen, bevor sie auf das oberste Podest gebeten wurde, und schien ein paar TrĂ€nen zurĂŒckhalten zu mĂŒssen. Ergriffen sang Taubitz dann die deutsche Hymne mit und genoss den gröĂten Moment ihrer schon so erfolgreichen Karriere.
«Das war mein Kindheitstraum von klein auf, der ist jetzt in ErfĂŒllung gegangen. Vor ein paar Jahren habe ich da nicht mehr dran geglaubt. Und jetzt diese Goldmedaille um den Hals hĂ€ngen zu haben, das ist einfach unbeschreiblich», sagte Taubitz und wollte ihren Triumph danach mit einem italienischen MischgetrĂ€nk im Deutschen Haus feiern. Aber nur eingeschrĂ€nkt: «Ich weiĂ ja, dass in zwei Tagen Team-Staffel ist, deswegen ist heute nur Halbgas und Donnerstagabend ist dann Vollgas», kĂŒndigte Taubitz an.
Langenhan: «So was von verdient»
Nach Gold fĂŒr Max Langenhan im MĂ€nner-Einsitzer war es der zweite deutsche Rodel-Triumph der Spiele in Italien. «Am Ende so was von mehr als verdient nach dem, was in China passiert ist», sagte Langenhan. Silber ging mit fast einer Sekunde RĂŒckstand an die Lettin Elina Bota, Bronze sicherte sich die US-Pilotin Ashley Farquharson.
Im Ziel hatte Taubitz einen Jubelschrei ausgestoĂen, die HĂ€nde vors Gesicht geschlagen und blieb fĂŒr einen Moment auf ihrem Schlitten liegen. Dann herzten sie die deutschen Teamkolleginnen. Merle FrĂ€bel, nach dem ersten Tag nur knapp hinter Taubitz, vergab mit schweren Fehlern im dritten Lauf alle Medaillenchancen und wurde letztlich Achte. Anna Berreiter aus Berchtesgaden, die vor vier Jahren in Peking als DebĂŒtantin olympisches Silber geholt hatte, kam diesmal auf Rang sechs.
FrÀbel nach Fehler am Start schwer geknickt
Taubitz war trotz des groĂen Vorsprungs noch ein wenig nervös vor dem letzten Lauf - auch weil sie FrĂ€bels schlimmen Patzer am Start vor Augen hatte. «Man sieht, wie schnell es gehen kann, ein kleiner Fehler, und man ist weg vom Licht.» Die schwer enttĂ€uschte FrĂ€bel schilderte ihr Missgeschick bei Eurosport: «Der erste Lauf war heute natĂŒrlich Ă€rgerlich. Ich weiĂ gar nicht, wie das passiert ist. Ich dachte, ich hole mir jetzt einfach so eine Erlösung, aber es hat leider nicht funktioniert.»
Bundestrainer Patric Leitner tat es sehr leid fĂŒr die 22-JĂ€hrige. «Es ist natĂŒrlich ganz bitter, gerade fĂŒr die Merle. Ich glaube, das hĂ€tte ein Kopf-an-Rennen gegeben. Die Julia hat vor Jahren fast eine Ă€hnliche Situation gehabt. Sie hat nie aufgegeben und ist jetzt Olympiasiegerin», sagte Leitner.
FrĂ€bel patzte auf der Startrampe und stand nach einer BandenberĂŒhrung komplett quer. Dabei hatte sie 24 Stunden vorher auf denselben Fehler der Kontrahentinnen Summer Britcher aus den USA und Kendija Aparjode aus Lettland angesprochen ĂŒber die Startrampe noch gesagt: «Also nicht schwierig, aber mir ist es im Training auch schon passiert. Deswegen möchte ich da jetzt nicht drĂŒber herziehen.» Im vierten Lauf zeigte FrĂ€bel dann wieder, was möglich gewesen wĂ€re, und winkte tapfer den Fans zu.
Deutsche Serie bei den Frauen hÀlt seit 1998
FĂŒr Taubitz ist mit Olympia-Gold fĂŒr die Rodlerin vom WSC Oberwiesenthal die Sammlung an Titeln nach acht WM-Triumphen, EM-Gold und fĂŒnf Weltcup-Gesamtsiegen komplett.Â
Sie setzte die deutsche Gold-Serie bei Winterspielen fort, die nach der deutschen Einheit mit dem Olympiasieg von Silke Kraushaar-Pielach 1998 begann. Nach den zwei Siegen von Sylke Otto 2002 und 2006 holte sich Tatjana HĂŒfner 2010 Gold. Dann folgte der olympische Hattrick von Natalie Geisenberger, die mit der Bronzemedaille von 2010 und den drei Team-Goldmedaillen die erfolgreichste Rodlerin der Olympia-Historie ist.
Taubitz holte sich auch mentale Hilfe nach den Peking-Spielen. «Ich habe lange gebraucht, um diesen RĂŒckschlag zu verarbeiten. RĂŒckblickend bin ich dankbar fĂŒr diese Erfahrung», sagte Taubitz, deren Song beim Weltcup immer der Hit «Die immer lacht» von Kerstin Ott ist.
Diesmal strahlte Taubitz wie auch ihre Mama Simone und die gut 80 mitgereisten Fans. «Die sind mit dem Reisebus gekommen. Das freut mich ĂŒbelst. Das ist eine absolute Ehre, ich bin absolut dankbar», sagte Taubitz. Auch Sprint-Ass Gina LĂŒckenkemper - 2024 Olympia-Dritte mit der deutschen Staffel in Paris - war im Zielbereich dabei, ebenso Model Lena Gercke, beide umarmten die ĂŒberglĂŒckliche Taubitz.











