GESAMT-ROUNDUP: Katastrophe im Gazastreifen verstÀrkt Rufe nach Feuerpause
01.03.2024 - 16:19:00Zugleich wurde Israel aufgefordert, die UmstĂ€nde der tödlichen Katastrophe aufzuklĂ€ren. Hilfsorganisationen wiesen auĂerdem auf die katastrophale humanitĂ€re Lage der rund 2,2 Millionen Menschen im Gazastreifen hin. Mehrere arabische LĂ€nder warfen Israel vor, fĂŒr die Toten verantwortlich zu sein. Israels MilitĂ€r bestreitet das.
Was der Vorfall fĂŒr die zĂ€hen Verhandlungen ĂŒber eine Feuerpause bedeutet, war zunĂ€chst nicht abzusehen. In israelischen Medien wurde die BefĂŒrchtung geĂ€uĂert, der Vorfall könne die Verhandlungsposition der Hamas stĂ€rken und zum Wendepunkt in dem seit beinahe fĂŒnf Monaten andauernden Krieg werden.
Unterschiedliche Darstellungen der tödlichen Katastrophe
Was sich genau am Donnerstag bei der Ankunft eines Hilfskonvois abgespielt hatte, blieb auch am Tag danach unklar. Sicher ist nur, dass viele verzweifelte Menschen versucht hatten, sich mit HilfsgĂŒtern zu versorgen. Mehr als hundert sollen nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde dabei gestorben sein. Ăber 700 wurden demnach verletzt. Die Gesamtzahl der getöteten PalĂ€stinenser wurde am Freitag mit 30 228 angegeben. 71 377 sollen verletzt worden sein. Die Zahlen lassen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
WĂ€hrend es von palĂ€stinensischer Seite hieĂ, israelische Soldaten hĂ€tten gezielt in die Menge geschossen, machte das israelische MilitĂ€r das Chaos und GedrĂ€nge fĂŒr die Toten verantwortlich. Zwar seien SchĂŒsse gefallen, aber dadurch habe es nur wenige Verletzte gegeben. Armeesprecher Peter Lerner sagte dem Fernsehsender CNN, nach ersten Erkenntnissen habe sich eine Gruppe von Menschen israelischen Soldaten genĂ€hert. Das MilitĂ€r habe daraufhin WarnschĂŒsse in die Luft abgegeben. Die Gruppe habe sich den Soldaten jedoch weiter genĂ€hert und eine Bedrohung dargestellt, woraufhin die Soldaten das Feuer eröffnet hĂ€tten. Laut israelischen Medienberichten sollen sie auf die Beine gezielt haben.
WHO fĂŒhrt Vorfall auf Versorgungslage zurĂŒck
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fĂŒhrt den Vorfall im Gazastreifen auf die katastrophale Versorgungslage in dem PalĂ€stinensergebiet zurĂŒck. Die Menschen in dem KĂŒstenstreifen seien so verzweifelt auf der Suche nach Nahrungsmitteln, Wasser und anderen VorrĂ€ten, dass sie ihr Leben riskierten, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Freitag in Genf. "Das ist das echte Drama, das ist hier die echte Katastrophe", sagte er.
Baerbock bekrÀftigt Forderung nach Feuerpause
AuĂenministerin Annalena Baerbock zeigte sich erschĂŒttert und forderte zugleich AufklĂ€rung durch Israel. "Menschen wollten HilfsgĂŒter fĂŒr sich und ihre Familien und fanden den Tod. Die Berichte aus Gaza erschĂŒttern mich", schrieb die GrĂŒnen-Politikerin am Freitag auf X (vormals Twitter). Die israelische Armee mĂŒsse lĂŒckenlos aufklĂ€ren, wie es zu Massenpanik und SchĂŒssen kam.
Den Familien der Opfer drĂŒckte Baerbock ihr MitgefĂŒhl aus und forderte mehr humanitĂ€re Hilfe fĂŒr den Gazastreifen. Die Menschen dort seien "nĂ€her am Sterben als am Leben". Baerbock bekrĂ€ftigte ihre Forderung nach einer humanitĂ€ren Feuerpause, "damit die Geiseln endlich aus den HĂ€nden der Hamas freikommen und nicht noch mehr Menschen in Gaza sterben. Und Hilfe sicher verteilt werden kann."
EU will 50 Millionen Euro an UNRWA zahlen
EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen zeigte sich ĂŒber den Vorfall "zutiefst beunruhigt". Es mĂŒssten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Geschehnisse zu untersuchen und fĂŒr Transparenz zu sorgen, schrieb sie am Freitag auf X (vormals Twitter). "Die Bilder aus dem Gazastreifen beunruhigen mich zutiefst." HumanitĂ€re Hilfe sei eine Lebensader fĂŒr die BedĂŒrftigen, und der Zugang zu ihr mĂŒsse gewĂ€hrleistet sein. "Wir stehen an der Seite der Zivilbevölkerung und drĂ€ngen auf ihren Schutz im Einklang mit dem Völkerrecht", so von der Leyen. Er sei "schockiert und abgestoĂen von der gestrigen Tötung unschuldiger Zivilisten in Gaza, die verzweifelt auf humanitĂ€re Hilfe warten." Die Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden, schrieb EU-RatsprĂ€sident Charles Michel ebenfalls auf X.
Die EU-Kommission will in diesem Jahr weitere 68 Millionen Euro als Soforthilfe fĂŒr die PalĂ€stinenser zahlen. Das Geld solle an internationale Partner wie das Rote Kreuz und den Roten Halbmond gehen, teilte die BrĂŒsseler Behörde am Freitag mit. AuĂerdem sollen nĂ€chste Woche bereits geplante 50 Millionen Euro an das in die Kritik geratene UN-PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA ausgezahlt werden. 16 LĂ€nder hatten zuletzt ihre Zahlungen an UNRWA eingefroren. Vorausgegangen waren israelische VorwĂŒrfe, wonach einige Mitarbeiter der Organisation an den Massakern in Israel am 7. Oktober beteiligt gewesen sein sollen.
USA: Werden auf Antworten drÀngen
Die US-Regierung steht mit der israelischen Regierung wegen des Vorfalls in Kontakt und verlangt Antworten. Es sei das VerstĂ€ndnis der USA, dass eine Untersuchung im Gange sei, sagte der Sprecher des US-AuĂenministeriums, Matthew Miller, am Donnerstag (Ortszeit). "Wir werden diese Untersuchung genau verfolgen und auf Antworten drĂ€ngen." Man habe keine gesicherten Erkenntnisse ĂŒber die Geschehnisse, so Miller. Die "Tragödie" könne die Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln in der Gewalt der islamistischen Hamas komplizierter machen.
China verurteilte den Vorfall ebenfalls. China sei "schockiert" darĂŒber und verurteile den Vorfall, sagte AuĂenamtssprecherin Mao Ning am Freitag in Peking. Die Volksrepublik fordere alle Seiten und besonders Israel auf, sofort das Feuer einzustellen und den Krieg zu beenden. Die Sicherheit von Zivilisten mĂŒsse gewahrt und eine noch ernstere humanitĂ€re Katastrophe vermieden werden, sagte die Sprecherin.
Heftige Kritik an Israel kam von mehreren arabischen Staaten. Es habe sich um ein "abscheuliches Massaker" gehandelt, das Israel verĂŒbt habe, hieĂ es in einer Mitteilung des katarischen AuĂenministeriums vom Donnerstagabend. Die internationale Gemeinschaft mĂŒsse Israel dazu zwingen, das humanitĂ€re Völkerrecht einzuhalten und das palĂ€stinensische Volk vor VerstöĂen schĂŒtzen, so die Regierung in Doha, die eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen ĂŒber eine weitere Feuerpause zwischen Israel und der Hamas spielt.

