Merz: Machen MigrationsantrÀge - «UnabhÀngig, wer zustimmt»
24.01.2025 - 13:07:59Nach der tödlichen Messerattacke von Aschaffenburg will die Union in der kommenden Woche im Bundestag AntrĂ€ge zur VerschĂ€rfung der Migrationspolitik einbringen - und in Kauf nehmen, dass es Mehrheiten mit der AfD geben könnte. «Wir werden nĂ€chste Woche in den Deutschen Bundestag AntrĂ€ge einbringen, die ausschlieĂlich unserer Ăberzeugung entsprechen», sagte Unionsfraktionschef Friedrich Merz in Berlin. Er fĂŒgte hinzu: «Und wir werden sie einbringen, unabhĂ€ngig davon, wer ihnen zustimmt.»
Der Unionskanzlerkandidat betonte: «Wir stimmen keinem einzigen AfD-Antrag zu, weil wir sĂ€mtliche Themen, die wir fĂŒr richtig halten, von uns aus in den Bundestag einbringen.» Merz ergĂ€nzte: «Wer diesen AntrĂ€gen zustimmen will, der soll zustimmen. Und wer sie ablehnt, der soll sie ablehnen. Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.»
Seine Haltung zur AfD sei und bleibe klar, sagte Merz: «Wir arbeiten mit dieser Partei nicht zusammen.» Dies bedeute erstens: «Wir gehen mit denen nicht zusammen in eine Regierung. Zweitens: Wir verhandeln mit denen im Deutschen Bundestag nicht ĂŒber irgendwelche AntrĂ€ge.» Dies gelte auch fĂŒr das BSW von Sahra Wagenknecht. Punkt. Da wird sich gar nichts Ă€ndern.» Er brauche «hier keine Aufforderungen von wem auch immer, auch nicht von irgendeinem Vorsitzenden der GrĂŒnen».
GrĂŒnen-Politiker: Merz auf den Spuren von Trump
GrĂŒnen-Chef Felix Banaszak hatte im ZDF-«Morgenmagazin» eine Klarstellung von Merz zu seiner als Koalitionsbedingung formulierten Forderung nach AsylrechtsverschĂ€rfungen verlangt. Er verwies auf die Reaktion von AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel, die in einem offenen Brief an Merz appelliert hatte, in der Migrationspolitik zusammenzuarbeiten. Der GrĂŒnen-Innenpolitiker Konstantin von Notz erklĂ€rte, Merz' VorschlĂ€ge seien gröĂtenteils «weder verfassungs- noch europarechtskonform». Bei der Union schienen alle DĂ€mme zu brechen. «Merz wandelt offenkundig auf den Spuren von Donald Trump.»
Merz hatte am Donnerstag fĂŒr den Fall seiner Wahl zum Kanzler deutlich mehr Abschiebungen und an allen Grenzen ein «faktisches Einreiseverbot» versprochen. Er machte deutlich, dass es sich dabei um Bedingungen fĂŒr mögliche Koalitionspartner handelt, und formulierte: «Mir ist es völlig gleichgĂŒltig, wer diesen Weg politisch mitgeht.»
Merz: Keine Mehrheit von Union und AfDÂ
Merz kritisierte nun, es werde von der AfD «der Eindruck erweckt, es gĂ€be irgendwo im Deutschen Bundestag eine Mehrheit zwischen AfD und uns». Der CDU-Chef fĂŒgte an: «Ich weiĂ nicht, können die Leute nicht rechnen oder wollen die uns hier bewusst hinter die Fichte fĂŒhren? Es gibt keine Mehrheit im Deutschen Bundestag zwischen CDU, CSU und AfD.» Es gebe auch keine Mehrheit von CDU, CSU, AfD und dem BĂŒndnis Sahra Wagenknecht (BSW). Es gebe keine andere Mehrheit im Bundestag als jene von SPD, GrĂŒnen und FDP oder von SPD und CDU, CSU oder von CDU, CSU, FDP und GrĂŒnen.
Was Merz nicht erwÀhnte, ist eine mögliche Mehrheit von Union, FDP, AfD und der Gruppe BSW - diese Konstellation kÀme im Bundestag auf 372 Stimmen. Die Mehrheit liegt bei 367 Stimmen.
CDU-Chef: Schluss mit taktischen Spielchen
Der Unionsfraktionschef sagte: «Jetzt ist Schluss mit irgendwelchen taktischen Spielchen.» Wenn «die SPD nichts Besseres zu tun hat, als mir zu erklĂ€ren, was alles nicht geht, dann werde ich nĂ€chste Woche den Bundeskanzler (Olaf Scholz, SPD) mal fragen, ob er ĂŒberhaupt noch die Absicht hat, irgendetwas in diesem Land zu Ă€ndern, damit die Dinge wieder in Ordnung kommen», oder ob er sich «darin erschöpft, jetzt alle möglichen ErklĂ€rungen abzugeben, was nicht geht in Deutschland. Davon haben die Leute die Nase voll. Punkt.»
Linke warnt vor Hetze gegen AuslÀnder
Der Co-Parteivorsitzende der Linken, Jan van Aken, erklĂ€rte im Sender Phoenix, nach Ereignissen wie in Aschaffenburg dĂŒrfe es nicht um Abschiebungen gehen: «Das ist doch keine Asylfrage. Das ist doch eine Frage, wie gehen wir mit psychisch kranken GewalttĂ€tern um.» Statt Lösungen fĂŒr den Umgang mit hochtraumatisierten Menschen aus Kriegsgebieten zu entwickeln, werde das Thema politisch ausgenutzt, «um gegen AuslĂ€nder zu hetzen».Â
FDP verlangt RĂŒcktritt von Innenministerin Faeser
Die FDP im Bundestag fordert nach dem tödlichen Messerangriff in Aschaffenburg den RĂŒcktritt von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Die Ministerin habe bisher keine der noch von der Ampelkoalition im Herbst in die Wege geleiteten MaĂnahmen umgesetzt, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian DĂŒrr dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Es gab keine Ingewahrsamnahme an den Grenzen, keine ZurĂŒckweisungen, keine weiteren AbschiebeflĂŒge nach Afghanistan. Die Behörden haben nach wie vor keinen Ăberblick, welche GefĂ€hrder sich in Deutschland aufhalten», sagte DĂŒrr.
Faeser fĂŒr gemeinsame Lösungen von Bund und LĂ€ndern
Faeser sagte in Potsdam, Bund und LĂ€nder sollten gemeinsam Lösungen finden. Auf die Frage, ob die Verantwortung fĂŒr Abschiebungen politisch zentralisiert werden sollte, sagte sie: «Ich bin fĂŒr alle VorschlĂ€ge offen, zu diskutieren.» Es mĂŒsse aber geprĂŒft werden, wie praktikabel die Ideen in der Umsetzung vor Ort seien.


