Merz vor Gipfel: Ohne Einigung keine weiteren GesprÀche
03.09.2024 - 05:00:40Aus der Union kommen klare Forderungen an das Migrations-Treffen von Ampel-Koalition, Union und BundeslĂ€ndern â wĂ€hrend die Bundesregierung vor zu hohen Erwartungen warnt. «Ich wĂŒrde eher dafĂŒr plĂ€dieren, jetzt erst mal abzuwarten und nicht im Vorhinein hier groĂe Erwartungen zu formulieren», sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann in Berlin.Â
Was die Union mitbringt
CDU-Chef Friedrich Merz gehört zwar nicht zum Teilnehmerkreis, bekrĂ€ftigte am Vortag aber Forderungen nach einer deutlichen Verringerung der Migration nach Deutschland. Nicht das Waffenrecht und Abschiebungen seien das eigentliche Problem, sagte der Unionsfraktionschef. «Das eigentliche Problem ist der nach wie vor ungesteuerte Zuwanderungsdruck.» Er pochte auf ZurĂŒckweisungen an den deutschen Staatsgrenzen. «Wenn es morgen zu keiner Einigung kommt, dann brauchen wir nicht weitere GesprĂ€che zu fĂŒhren», sagte Merz am Montagabend in OsnabrĂŒck.Â
Der Vorsitzende der MinisterprĂ€sidentenkonferenz, Hessens Regierungschef Boris Rhein (CDU), hatte in der vergangenen Woche eine «Zeitenwende in der Migrationspolitik» verlangt. Am Montag listete er die Unionsforderungen noch einmal auf: «Der Bund muss die Kontrollen an den Binnengrenzen fortsetzen und endlich anfangen, an den Grenzen konsequent zurĂŒckzuweisen. Wir brauchen auĂerdem eine konsequente Umsetzung der Dublin-Regeln auf europĂ€ischer Ebene, mehr sichere Herkunftsstaaten, Asylverfahren in Drittstaaten. Es muss natĂŒrlich auch nach Afghanistan und Syrien abgeschoben werden. StraftĂ€tern und GefĂ€hrdern gehört die StaatsbĂŒrgerschaft entzogen, Abschiebe- und Haftmöglichkeiten mĂŒssen ausgeweitet werden.»Â
Auch BSW-Chefin Sahra Wagenknecht fordert eine harte Linie in Migrationsfragen. «Statt Pseudolösungen braucht es das politische Ende der unkontrollierten Migration», sagte sie der «Welt». «Diejenigen, die bereits im Land sind, aber abgelehnt wurden, verlieren auch ihren Anspruch auf Unterhalt.» Auch wer aus einem sicheren Drittstaat einreise, habe keinen Anspruch auf Asyl und auch nicht auf Leistungen der Steuerzahler.Â
Was die Ampel auf den Tisch legt
Grundlage fĂŒr die Beratungen ist aus Sicht der Bundesregierung das in der vergangenen Woche verabschiedete «Sicherheitspaket» â eine Reaktion auf die Messerattacke in Solingen mit drei Toten. Es sieht MaĂnahmen in drei Bereichen vor: eine hĂ€rtere Gangart bei der RĂŒckfĂŒhrung abgelehnter Asylbewerber in ihre HerkunftslĂ€nder, Schritte zur entschiedeneren BekĂ€mpfung des islamistischen Terrors und VerschĂ€rfungen beim Waffenrecht.Â
Vorgesehen ist dabei etwa, dass Schutzsuchende, fĂŒr die ein anderes europĂ€isches Land zustĂ€ndig ist, in Deutschland keine Leistungen mehr erhalten â wenn dieses Land zur RĂŒcknahme bereit ist (Dublin-FĂ€lle). Vorgesehen ist auĂerdem ein Verbot von Springmessern und ein leichterer Ausschluss vom Schutz in Deutschland fĂŒr Migranten, die eine Straftat begangen haben.Â
Eine Arbeitsgruppe von Bund und LĂ€ndern soll zudem nach Möglichkeiten suchen, das Dublin-Verfahren zu verbessern â also die Regelungen zur Abschiebung von Asylsuchenden in andere europĂ€ische Staaten, die fĂŒr sie zustĂ€ndig sind. Dies war beim mutmaĂlichen AttentĂ€ter von Solingen der Fall, der eigentlich nach Bulgarien hĂ€tte abgeschoben werden sollen.Â
Wovor die Migrationsbeauftragte warntÂ
Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, warnte vor einem «einseitigen Fokus auf VerschĂ€rfungen in der Migrationspolitik». Das «Sicherheitspaket» solle den Schutz vor Terror, Gewalt und KriminalitĂ€t stĂ€rken, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Wichtig ist, dass dies ohne Generalverdacht und Pauschalierungen erfolgt.»Â
Wie die ZustÀndigkeiten zwischen Bund und LÀndern verteilt sind
Migration und innere Sicherheit fallen in weiten Teilen in die ZustĂ€ndigkeit der LĂ€nder. So entscheidet zwar das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) ĂŒber AsylantrĂ€ge. Die AuslĂ€nderĂ€mter hingegen sind Behörden der LĂ€nder. Auch Abschiebungen sind am Ende LĂ€ndersache, auch wenn sie sich bei der DurchfĂŒhrung UnterstĂŒtzung der Bundespolizei holen.Â
Eine bessere Zusammenarbeit von Bund und LĂ€ndern hat die Regierung auch in ihrem Sicherheitspaket als Arbeitsfeld skizziert. Eine Arbeitsgruppe von Bund und LĂ€ndern soll nach Möglichkeiten suchen, das Dublin-Verfahren zu verbessern â also die Regelungen zur Abschiebung von Asylsuchenden in andere europĂ€ische Staaten, die fĂŒr sie zustĂ€ndig sind. Dies war beim mutmaĂlichen AttentĂ€ter von Solingen der Fall, der eigentlich nach Bulgarien hĂ€tte abgeschoben werden sollen.Â
Vertrauliche Runde geplantÂ
An dem Treffen im Bundesinnenministerium sollen fĂŒr die Bundesregierung unter anderem Innenministerin Nancy Faeser (SPD), Justizminister Marco Buschmann (FDP) und AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) teilnehmen. Zudem sollen Vertreter der Ampelfraktionen kommen. FĂŒr die Unionsfraktion wird unter anderem FraktionsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Thorsten Frei (CDU) erwartet. FĂŒr die LĂ€nder vertritt Hessen die Unionsseite und Niedersachsen die SPD-Seite.Â
Kommunizieren will die Regierung nach dem GesprÀch nicht. Geplant sei eine vertrauliche Runde.





