Getötete, Ukrainer

Getötete Ukrainer - Generalstaatsanwaltschaft ĂŒbernimmt

29.04.2024 - 14:49:19

Nach der Tötung zweier Ukrainer mutmaßlich durch einen Russen zieht die MĂŒnchner Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen an sich. Was bedeutet das fĂŒr die Tatmotivation?

Im Falle der getöteten ukrainischen Soldaten in Oberbayern hat die Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen die Ermittlungen ĂŒbernommen. Eine politische Tatmotivation könne nicht ausgeschlossen werden, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde und bestĂ€tigte damit einen «Spiegel»-Bericht. Konkret zustĂ€ndig innerhalb der Behörde ist die Bayerische Zentralstelle zur BekĂ€mpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET).

Die beiden MÀnner im Alter von 23 und 36 Jahren wurden am Samstagabend auf dem GelÀnde eines Einkaufszentrums in Murnau in Oberbayern getötet. Die Polizei nahm kurz darauf einen Mann fest, der als dringend tatverdÀchtig gilt. Es handelt sich dabei um einen 57 Jahre alten Russen. Die beiden MÀnner seien nach Kriegsverletzungen zur medizinischen Rehabilitation in Deutschland gewesen, berichteten ukrainische Medien.

Dass die Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen an sich zieht, bedeutet nicht, dass zwingend auch eine politische Tatmotivation hinter dem Fall steckt. Laut Polizeiangaben gab es zunÀchst auch keine Hinweise darauf, dass der russische Angriffskrieg eine Rolle spielte. In Deutschland leben Hunderttausende Ukrainer und Russen.

Nach den bisherigen Ermittlungen kannten sich die drei MĂ€nner, wie Polizeisprecher Stefan Sonntag sagte. Details mĂŒssten noch geklĂ€rt werden. Es sei davon auszugehen, dass alle drei Alkohol konsumiert hatten. «Bei dem TatverdĂ€chtigen haben wir eindeutige Anhaltspunkte, dass er alkoholisiert war», sagte Sonntag.

Ukrainischer Außenminister dankt Behörden

Am Tatort an einem Einkaufszentrum liegen am Montag zahlreiche Blumen und Transparente, am Boden stehen Kerzen. «Die Ukrainer des Bezirks trauern zutiefst und verurteilen das Verbrechen!» ist zu lesen, auf einem anderen Plakat steht «Nein - Terrorismus! Nein - Krieg! Nein - Morde! Nein - Tod!» Daneben Bilder der beiden Getöteten und die ukrainische Flagge.

Gegen den TatverdĂ€chtigen erging bereits am Sonntag Haftbefehl. Einen Bericht des Bayerischen Rundfunks, nach dem der TatverdĂ€chtige die Tat eingerĂ€umt hat, bestĂ€tigte der Polizeisprecher bisher nicht. Auch zu den Verletzungen der beiden Getöteten, die dem Vernehmen nach in Murnau behandelt wurden, Ă€ußerte er sich nicht. Es gehe hier um Persönlichkeitsrechte.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hatte seine Diplomaten angewiesen, den Fall besonders im Blick und den stĂ€ndigen Kontakt zu den Sicherheitsorganen Deutschlands zu halten, damit der VerdĂ€chtige nach der ganzen HĂ€rte des Gesetzes bestraft werde, hieß es in den Berichten vom Sonntagabend. Kuleba dankte den deutschen Behörden fĂŒr die Festnahme des 57 Jahre alten VerdĂ€chtigen, wie das Internetportal «Ukrajinska Prawda» berichtete.

In der Ukraine wird noch geklĂ€rt, in welchen Einheiten die MĂ€nner gedient hĂ€tten, heißt es in den Medienberichten aus Kiew. Es werde auch Kontakt zu den Angehörigen aufgenommen. Die MĂ€nner hatten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gelebt. Sie starben den Ermittlern zufolge an Stichverletzungen - der Ă€ltere der beiden direkt am Tatort, der jĂŒngere kurze Zeit spĂ€ter in einem Krankenhaus.

@ dpa.de