Steuerzahlerbund, EU-Kommissare

Steuerzahlerbund fordert 18 statt 27 EU-Kommissare

20.07.2024 - 04:00:00

Nach der Wiederwahl von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen fordern der europĂ€ische und der deutsche Steuerzahlerbund, die Anzahl der EU-Kommissare kĂŒnftig deutlich zu verkleinern.

"Wir fordern die PrĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Kommission Ursula von der Leyen und die EU-Regierungschefs auf, die Zahl der EU-Kommissare - wie im Gesetz festgeschrieben - von derzeit 27 auf 18 zu reduzieren. BĂŒrokratieabbau fĂ€ngt an der Spitze an", sagte Michael JĂ€ger, PrĂ€sident des `Bundes der Steuerzahler Europa (TAE)` und zugleich Vize-PrĂ€sident des Bundes der Steuerzahlerin Deutschland, der "Welt am Sonntag". Die Neuaufstellung der EU-Kommission in diesem Herbst ist laut JĂ€ger "eine gute Gelegenheit, die Zahl der Kommissare auf ein vernĂŒnftiges Maß zu kĂŒrzen und den aufgeblĂ€hten Apparat an der Spitze der EU-Kommission zu verkleinern". Der Steuerexperte betonte, dass die EU per Vertrag verpflichtet gewesen wĂ€re, die geforderte Verkleinerung bereits 2014 vorzunehmen: "Aus dieser Vorschrift ist leider ein teures Lippenbekenntnis geworden. Mehr Kommissare bedeuten praktisch mehr Dienststellen und mehr BeschĂ€ftigte und damit auch mehr BĂŒrokratie. Das kostet die Steuerzahler Milliarden." Der Steuerzahler-PrĂ€sident erklĂ€rte weiter, es sei beispielsweise unverstĂ€ndlich, dass Europa jeweils einen eigenen Kommissar fĂŒr Klimaschutz und fĂŒr Umwelt benötigt.

"Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass Europa Kommissare fĂŒr Themen wie Förderung der europĂ€ischen Lebensweise, Demokratie und Demografie oder Gleichheit braucht. Neben dem EU-Chefdiplomaten existiert auch noch eine Kommissarin fĂŒr internationale Partnerschaften. Das alles wirkt sehr konstruiert", so JĂ€ger. Nach Ansicht des europĂ€ischen Steuerzahlerbundes ergibt das gesetzmĂ€ĂŸig verankerte Rotationsprinzip, wonach nicht jedes Land in jeder Legislaturperiode Anspruch auf einen eigenen Kommissar hĂ€tte, Sinn. JĂ€ger: "Regeln sind dazu da, um sie einzuhalten und nicht, um sie permanent durch Absprachen auszuhebeln." Die EU-Regierungen sollten sich schon daran halten, was sie selbst beschlossen haben, sagte er. "Wenn sich die politisch Verantwortlichen dieses Mal erneut um eine Verkleinerung der EU-Kommission herumdrĂŒcken sollten, dann mĂŒssten sie jetzt aber wenigstens festlegen, dass die Zahl der EU-Kommissare zumindest in fĂŒnf Jahren definitiv reduziert wird. Denn gerade auf der EU-Ebene wĂ€re ein BĂŒrokratieabbau dringend nötig. Die Kommission muss kleiner werden. Weniger ist hier mehr." Hintergrund: Der Vertrag von Lissabon, am 13. Dezember 2007 in Lissabon unterzeichnet, schreibt vor, dass ab dem Jahr 2014 nur noch zwei Drittel der Mitgliedstaaten einen Kommissar stellen können (Art.17 Abs. 5 EU-Vertrag). Demnach dĂŒrften nur noch 18 EU-Kommissare statt 27 ernannt werden. Allerdings beinhaltet der Vertrag von Lissabon auch eine Öffnungsklausel: Die EU-Regierungen können durch einstimmigen Beschluss die vorgesehene Anzahl von 18 Kommissaren Ă€ndern. Davon machten die EU-LĂ€nder unverzĂŒglich Gebrauch. Sie beschlossen im Mai 2013 einstimmig, am Prinzip "Ein Kommissar pro Land" bis auf weiteres festzuhalten. Erst, wenn die EU 30 Mitglieder zĂ€hlen wĂŒrde, oder spĂ€testens im Jahr 2019 sollten die Regeln des Vertrags von Lissabon zur Anwendung kommen. Daraus ist bis heute nichts geworden.

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