Gesellschaft, Religion

Verfassungsschutz: Islamistische Propaganda gegen LGBT nimmt zu

30.05.2023 - 12:39:29

Nach EinschÀtzung des Bundesverfassungsschutzes (BfV) findet eine immer stÀrkere Instrumentalisierung sogenannter "queerpolitischer Themen" wie HomosexualitÀt und TransidentitÀt durch islamistische Gruppierungen statt.

"Das Feindbild LGBTQI+ weckt Emotionen, mobilisiert und soll zur RĂŒckbesinnung auf eine eigene, `islamisch` konstruierte IdentitĂ€t in Abgrenzung zur als `verkommen` diffamierten liberalen, westlichen Gesellschaft dienen", teilte das Bundesamt auf Anfrage des ARD-Magazins "Report Mainz" mit. Die Gruppierungen verurteilten queere Menschen unter anderem als "krank" oder "widernatĂŒrlich".

Dies verstoße gegen die MenschenwĂŒrde und richte sich gegen "die freiheitliche demokratische Grundordnung", so die Behörde. Dazu gehöre unter anderem eine Gruppe, die der sogenannten "Befreiungspartei" nahestehe. Diese war 2003 in Deutschland offiziell als islamistisch-extremistische Organisation verboten worden. Die Gruppe wurde nach Behördenangaben vor drei Jahren gegrĂŒndet und wird in Berichten mehrerer VerfassungsschutzĂ€mter als islamistisch eingestuft. Sie betreibt unter anderem einen Kanal auf Tiktok und hat dort mehr als 90.000 Follower. In einem veröffentlichten Internetvideo heiße es etwa: "Das Ausleben von LGBTQ im Islam" sei nicht erlaubt und werde es "niemals sein". Denn der Islam ordne sich "dem Liberalismus nicht unter", nichts werde die "Gesetze Allahs verĂ€ndern". Die Politikwissenschaftlerin GĂŒlden Hennemann, die im bayerischen Justizvollzug eine Einheit zur ExtremismusbekĂ€mpfung leitet, sagte dazu: "Das ist eine sehr klare Aussage und sehr antidemokratisch." Wer solche Aussagen tĂ€tige, unabhĂ€ngig von der Frage, ob mit Gewalt oder ohne Gewalt, "ist fĂŒr mich eindeutig gegen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und passt tatsĂ€chlich auch nicht in unsere Gesellschaft", fĂŒgte sie hinzu. Auf Anfrage der ARD zu den konkreten VorwĂŒrfen verwies die Gruppe lediglich auf ein allgemeines Positionspapier. Dort heißt es unter anderem: "All unsere Ideen und Wertvorstellungen entspringen unserer islamischen Weltanschauung und sind unverhandelbar." Der FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle fordert unterdessen eine stĂ€rkere innermuslimische Diskussion. Dies sei auch vor dem Hintergrund einzelner Gewalttaten durch Muslime, wie etwa den Angriff auf ein schwules Ehepaar in Dresden 2020, bei dem ein Mann starb, wichtig. Moscheegemeinden und auch die muslimischen VerbĂ€nde in Deutschland seien dazu aufgerufen, "Homophobie, Transfeindlichkeit und andere Merkmale gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aktiv zu bekĂ€mpfen". Man werde es nicht schaffen, gegen Homophobie aus muslimischen Milieus vorzugehen, indem "Nichtmuslime Muslimen erzĂ€hlen, wie schlimm Homophobie ist", sagte Kuhle. Die ARD hat zu dieser Thematik alle muslimischen VerbĂ€nde in Deutschland befragt, die aktuell oder kĂŒnftig mit einzelnen Landesregierungen an der Gestaltung eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts an Schulen mitwirken. Den Recherchen zufolge handelt es sich um 23 VerbĂ€nde in sieben BundeslĂ€ndern. Auf die Frage, ob diese VerbĂ€nde Projekte gegen Homo- und Transfeindlichkeit anbieten oder planen und ob Themen wie sexuelle Vielfalt im Unterricht diskutiert werden sollen, haben lediglich zwei VerbĂ€nde in Nordrhein-Westfalen geantwortet. Diese wollen die Akzeptanz "gemischtgeschlechtlicher Ehen" und die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Ehen vermitteln. Jedoch wolle man abweichenden Neigungen "nicht feindselig begegnen".

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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