Cyberexperte, Spionagefall

Cyberexperte: Spionagefall wirft viele Sicherheitsfragen auf

02.03.2024 - 17:23:45

Nach EinschĂ€tzung des Cyberexperten Sven Herpig von der Stiftung Neue Verantwortung (SNV), einem Thinktank fĂŒr Digitalpolitik, wirft der Spionagefall bei der Bundeswehr viele Fragen auf.

"Um die Dimension des Falls genauer einschĂ€tzen zu können, muss geklĂ€rt werden, wie die Operation durchgefĂŒhrt wurde", sagte Herpig dem "Handelsblatt" (Sonntagausgaben). Dabei stelle sich etwa die Frage, ob die Konferenz auf einer Plattform fĂŒr eingestufte Inhalte stattgefunden habe und die Teilnehmer nur ĂŒber ihre dienstlichen GerĂ€te daran teilgenommen hĂ€tten. Möglich wĂ€re zum Beispiel auch, dass eine oder mehrere Personen private GerĂ€te genutzt hĂ€tten und der Link zur Videokonferenz ĂŒber einen privaten Mail-Accounts verschickt worden sei. "FĂŒr die Bewertung macht es einen Unterschied, ob möglicherweise ein privater Account oder das Dienstlaptop eines Offiziers kompromittiert worden ist", erklĂ€rte Herpig.

"Wenn man herausfindet, dass das Netzwerk oder ein Teilnetzwerk der Bundeswehr fĂŒr eingestufte Inhalte kompromittiert wurde und auch dienstliche EndgerĂ€te betroffen sind, die eine Zulassung fĂŒr bestimmte Inhalte haben, dann muss man da ran und die Systeme hĂ€rten." Im Übrigen mĂŒsse bei der Sicherheitsbewertung auch die Frage geklĂ€rt werden, was der Urheber der Abhöraktion habe bezwecken wollen. "Dadurch, dass die Mitschrift des GesprĂ€chs an die Öffentlichkeit gegeben wurde, ist der Zugriff auf das GerĂ€t oder das Netzwerk verbrannt." Denn natĂŒrlich werde jetzt ermittelt, wo die SicherheitslĂŒcke besteht, um sie dann zu schließen und den Angreifer aus dem System zu entfernen. "Nachrichtendienste wollen normalerweise so lange wie möglich unerkannt in Systemen bleiben, um nachrichtendienstliche Erkenntnisse zu gewinnen."

@ dts-nachrichtenagentur.de