Frauen-Basketball, Bundesliga

Nach historischem WM-Erfolg: Bundestrainer Olaf Lange rechnet mit Damen-Basketball-Bundesliga ab

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 05:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem historischen vierten Platz bei der Heim-WM in Berlin attackiert Bundestrainer Olaf Lange öffentlich die Bedingungen in der Damen Basketball-Bundesliga. Seine Kritik zielt vor allem auf fehlende Professionalität und mangelhafte medizinische Betreuung.

  • Olaf Lange kritisiert die Bundesliga. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Olaf Lange kritisiert die Bundesliga. - Bild: Andreas Gora/dpa
  • Die Basketballerinnen sind nach dem Bronze-Spiel ernüchtert. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Die Basketballerinnen sind nach dem Bronze-Spiel ernüchtert. - Bild: Andreas Gora/dpa
Olaf Lange kritisiert die Bundesliga. - Bild: Andreas Gora/dpa Die Basketballerinnen sind nach dem Bronze-Spiel ernüchtert. - Bild: Andreas Gora/dpa

Bundestrainer Olaf Lange hat nach dem Ende der Heim-WM in Berlin die Damen Basketball-Bundesliga scharf kritisiert und seinen Topspielerinnen geraten, ins Ausland zu wechseln.

Bundestrainer fordert Wechsel ins Ausland

Lange erklärte, er müsse dafür sorgen, dass die besten Nationalspielerinnen künftig nicht mehr in Deutschland, sondern bei ausländischen Clubs spielen. Solange sich in der heimischen Liga nichts grundlegend ändere, sei es schwierig, den WM-Erfolg zu bestätigen. Hintergrund seiner Aussagen ist das deutliche 58:81 im Bronze-Spiel gegen Spanien, mit dem die deutsche Mannschaft die Chance auf die erste WM-Medaille verpasste und am Ende Platz vier belegte.

Wachsende Kluft zwischen Nationalteam und Liga

Von den zwölf Spielerinnen im WM-Kader stehen mit Alexandra Wilke, Britta Daub und Emma Eichmeyer nur drei in der Damen Basketball-Bundesliga unter Vertrag. Nach Einschätzung Langes hat sich die Liga in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur kaum weiterentwickelt, sondern sogar Rückschritte gemacht. Er verwies auf seine Zeit in der Bundesliga von 1995 bis 2002 und berichtete, dass die Topvereine aus seiner Sicht damals über bessere Strukturen verfügten als heute, obwohl inzwischen das Jahr 2026 erreicht ist.

Halbprofessionelle Bedingungen und Kritik an medizinischer Versorgung

Besonders deutlich wurde der Bundestrainer bei der Beschreibung der Rahmenbedingungen in den Vereinen. Die Situationen bezeichnete er als halbprofessionell und kritisierte die medizinische Betreuung als katastrophal. Für ihn kann die Liga mit dem Fortschritt des Nationalteams derzeit nicht Schritt halten. Gleichzeitig hatte sein Team bei der Heim-WM für positive Schlagzeilen gesorgt: In Berlin erreichten die deutschen Basketballerinnen überraschend das Halbfinale und besiegten auf dem Weg dorthin Europameister Belgien. Platz vier ist das bislang beste Abschneiden einer deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft.

Heim-WM als sportlicher Meilenstein

Der vierte Platz der deutschen Nationalmannschaft bei der Heim-WM in Berlin markiert einen historischen Erfolg für den Frauen-Basketball in Deutschland. Er zeigt, dass das Team sportlich mit der erweiterten Weltspitze mithalten kann und in der Lage ist, etablierte Nationen wie Europameister Belgien zu schlagen. Zugleich macht das Abschneiden deutlich, wie viel Potenzial in der aktuellen Generation steckt.

Strukturelle Defizite zwischen Nationalteam und Liga

Die scharfe Kritik von Bundestrainer Olaf Lange an der Damen Basketball-Bundesliga richtet den Blick auf grundlegende strukturelle Probleme. Wenn ein Bundestrainer von halbprofessionellen Bedingungen spricht und die medizinische Versorgung als katastrophal bezeichnet, verweist das auf ein deutliches Missverhältnis zwischen den Anforderungen des Spitzensports und den Rahmenbedingungen im nationalen Ligabetrieb. Die Spannungen zwischen einem ambitionierten Nationalteam und einer im Vergleich schwächer aufgestellten Liga sind in anderen Sportarten bekannt, im Frauen-Basketball treten sie hier besonders klar zutage.

Folgen für Karrierewege und Sportentwicklung

Für Spitzenspielerinnen könnte die öffentliche Aufforderung, ins Ausland zu wechseln, weitreichende Konsequenzen haben. Leistungsstarke Ligen in Europa oder Übersee bieten oftmals professionelle Strukturen, höhere Spielqualität und bessere Betreuung – ein Umfeld, das die Entwicklung von Nationalspielerinnen beschleunigen kann. Gleichzeitig wächst der Druck auf Vereine und Verbände in Deutschland, die Liga aufzuwerten, um die Lücke zum international erfolgreichen Nationalteam zu schließen. Gelingt es nicht, die Bedingungen zu verbessern, droht ein dauerhafter Talentabfluss, der die nationale Liga schwächt und mittelfristig auch den Unterbau für die Nationalmannschaft belastet. Für Zuschauerinnen und Zuschauer stellt sich die Frage, ob der historische WM-Erfolg als Wendepunkt genutzt wird, um dem Frauen-Basketball im Inland dauerhaft mehr Gewicht zu geben.

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