Baltische Staaten in europÀisches Stromnetz integriert
09.02.2025 - 16:30:11Ăber die Stromleitung LitPol Link wurden die drei baltischen EU- und Nato-LĂ€nder am Sonntagnachmittag mit Polen und dem kontinentaleuropĂ€ischen Netz verbunden. Die Zusammenschaltung der seitdem im synchronen Betrieb operierenden Netze war nach Angaben der Netzbetreiber in Estland, Lettland und Litauen kurz nach 14.00 Uhr Ortszeit abgeschlossen.
Die drei baltischen Staaten hatten bereits vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine ihre Stromimporte aus Russland eingestellt. Weiterhin waren sie aber Teil eines aus Sowjetzeiten stammenden gemeinsamen, synchrongeschalteten Netzes mit Russland und Belarus. Das galt in Tallinn, Riga und Vilnius inzwischen als Sicherheitsrisiko. Nach dem Netzwechsel können die Baltenstaaten die grundlegenden und bislang von Moskau geregelten Parameter des Stromsystems wie etwa Frequenz und Spannung selbst kontrollieren.
"Historischer Moment"
"Das ist ein historischer Moment", sagte litauische PrÀsident Gitanas Nauseda in Vilnius nach einem Treffen mit EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen und seinen Amtskollegen aus Estland, Lettland und Polen. "Von nun an haben wir völlige EnergieunabhÀngigkeit erreicht. Die Zeit des politischen Drucks und der Erpressung ist endlich vorbei." Von der Leyen sagte: "Das ist Freiheit. Freiheit von Drohungen, Freiheit von Erpressungen."
Die drei Baltenstaaten hatten sich zuvor am Samstag vom gemeinsamen Stromnetz mit Russland und Belarus abgekoppelt, mit dem sie aus historischen GrĂŒnden seit Sowjetzeiten verbunden waren. ZunĂ€chst hatte Litauen seine Verbindungen getrennt, dann folgten Lettland und Estland. Danach operierten die Stromnetze fĂŒr einige Betriebstests einen Tag lang allein in einer Art Inselmodus. Nun sind sie Teil des europĂ€ischen Verbundsystems, das mehr als 400 Millionen Verbraucher in 26 LĂ€ndern versorgt.
Polens PrÀsident Andrzej Duda sprach von einem "bedeutenden Schritt nach vorne, um die Region sicherer und widerstandsfÀhiger zu machen". "Es ist der letzte Schritt zur Emanzipation aus der postsowjetischen AbhÀngigkeitssphÀre - in diesem Fall im Energiesektor."
Kritik aus Moskau
Moskau kritisierte die Abkopplung der baltischen Staaten vom einheitlichen Stromsystem mit Russland und Belarus. AuĂenamtsspecherin Maria Sacharowa sah darin eine "logische Fortsetzung der Zerstörung von LĂ€ndern und Völkern, die einst alle Voraussetzungen fĂŒr Wohlstand und UnabhĂ€ngigkeit hatten".
Schnellere Umsetzung wegen Russlands Krieg
Estland, Lettland und Litauen waren nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur wiedererlangten UnabhĂ€ngigkeit 1991 gezwungenermaĂen Teil der Sowjetunion. Die drei LĂ€nder hatten 2009 mit den Vorbereitungen fĂŒr den Anschluss an das europĂ€ische Energiesystem begonnen. Der ursprĂŒngliche Plan sah eine Synchronisierung Anfang 2026 vor.
Russlands Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 beschleunigte das Vorhaben, das finanziell ĂŒberwiegend von der EU getragen wurde. Die Kosten fĂŒr den Aufbau der nötigen Infrastruktur betrugen insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro.
Die Ukraine hatte sich - wie auch Moldau - bereits kurz nach Kriegsbeginn aus dem russischen Stromnetz gelöst und mit dem europÀischen System verbunden.

