Handys verboten: So lÀuft die Wahl des neuen IOC-Chefs
20.03.2025 - 05:40:35 | dpa.de
Sechs MĂ€nner und eine Frau gehen bei der Wahl des neuen PrĂ€sidenten des Internationalen Olympischen Komitees heute (15.00 Uhr) ins Rennen. Nach zwölf Jahren rĂ€umt der Deutsche Thomas Bach den Posten an der IOC-Spitze. GewĂ€hlt wird sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin hinter verschlossenen TĂŒren in einem griechischen Luxusresort, mehr als drei Autostunden von Athen entfernt.Â
Warum wird ein neuer IOC-PrÀsident gewÀhlt?
Nach den Regeln der olympischen Charta kann der 71 Jahre alte Bach keine weitere Amtszeit bekommen. Der Unterfranke war 2013 zum IOC-Chef aufgestiegen, 2021 wurde er wiedergewĂ€hlt. Mehr geht nach dem aktuellen Regelwerk nicht. Einige IOC-Mitglieder hatten Bach zwar zum Weitermachen aufgefordert. Doch am Ende der Sommerspiele von Paris 2024 verkĂŒndete er seinen Entschluss, aufhören zu wollen und keine Ănderung der Charta anzustreben.
Welche Kandidaten haben die besten Chancen?
Als Wunschkandidatin Bachs gilt die frĂŒhere Top-Schwimmerin Kirsty Coventry (41). Die Sportministerin von Simbabwe wĂŒrde die Agenda-Reformen des scheidenden PrĂ€sidenten als erste Frau an der Spitze der Dachorganisation fortsetzen. Bei der Kandidaten-PrĂ€sentation im Januar hinterlieĂ Coventry jedoch einen eher blassen Eindruck. Weitere Favoriten sind der Brite Sebastian Coe (68), Chef des Leichtathletik-Weltverbands und zuletzt als klarer Widerpart von Bach aufgetreten, und der Spanier Juan Antonio Samaranch jr. (65). Der Sohn eines frĂŒheren IOC-Chefs könnte mit seinen Beziehungen und seinem Programm fĂŒr viele der Kompromisskandidat sein.Â
Wer bewirbt sich noch?
AuĂenseiter-Chancen dĂŒrften sich Radsport-Weltverbandschef David Lappartient (51) aus Frankreich und Prinz Feisal al-Hussein (62) aus Jordanien ausrechnen. Noch geringer sind wohl die Aussichten des umstrittenen Ski-WeltverbandsprĂ€sidenten Johan Eliasch (63), einem gebĂŒrtigen Schweden, und des Japaners Morinari Watanabe (66), Chef des Turn-Weltverbands und mit dem radikalsten Reformprogramm angetreten.Â
Welche Regeln gelten fĂŒr die Wahl?
Wahlberechtigt sind die gut 100 aktuellen IOC-Mitglieder. Der gesamte Wahlvorgang findet unter Ausschluss der Ăffentlichkeit statt, Handys und andere elektronische GerĂ€te der IOC-FunktionĂ€re werden vor der Abstimmung eingesammelt. Bei der geheimen Wahl gewinnt der Kandidat, der die absolute Mehrheit aller Stimmen auf sich vereint. So lange keiner der Kandidaten in den WahlgĂ€ngen mehr als die HĂ€lfte der Stimmen bekommt, scheidet jeweils der Bewerber mit den wenigsten Stimmen aus. Sollten die letzten zwei Bewerber in finalen WahlgĂ€ngen jeweils die gleiche Stimmenzahl erhalten, entscheidet das Votum von Thomas Bach. Bis dahin verzichtet Bach auf sein Wahlrecht.
Wie lĂ€uft die AmtsĂŒbergabe?
Die Amtszeit des neuen IOC-PrĂ€sidenten beginnt erst am 24. Juni. Bis dahin fĂŒhrt Bach weiterhin die GeschĂ€fte. Ihm habe die kurze Eingewöhnungszeit bei seinem Amtsantritt 2013 nicht gefallen, lieĂ Bach wissen. Die lange Ăbergangszeit sei «nichts, was wir erfunden haben». So etwas gebe es auch in Regierungen und groĂen Unternehmen. «Es ist ein Angebot an den gewĂ€hlten PrĂ€sidenten, sich mit den vielen Institutionen und dem Management vertraut zu machen», erklĂ€rte Bach.
Welche Baustellen erwarten den neuen IOC-Chef?
Die Frage des Umgangs mit Russland beschĂ€ftigt das IOC seit Jahren. Mit der RĂŒckkehr von Donald Trump ins Amt des US-PrĂ€sidenten ist das weltpolitische Klima noch einmal deutlich angespannter. Die nĂ€chsten Sommerspiele finden 2028 in Los Angeles statt, Trump dĂŒrfte als GesprĂ€chspartner fĂŒr das IOC unberechenbarer als seine VorgĂ€nger sein - zum Beispiel in der kontroversen Frage der Zulassung von Transgender-Athleten. Auch der Klimawandel wird die olympische Welt mehr denn je herausfordern. Zudem haben sich die meisten Bewerber fĂŒr den Chefposten vorgenommen, fĂŒr mehr Offenheit und eine gröĂere Mitsprache fĂŒr IOC-Mitglieder und Athleten zu sorgen.
