Deutschland, Bahn

Schnieder drĂŒckt Neustart fĂŒr Bahn durch – Palla ĂŒbernimmt

22.09.2025 - 10:12:33

Neue Chefin, neue Ziele: Mit seiner Bahn-Strategie will der Verkehrsminister den bundeseigenen Konzern aus der Krise fĂŒhren. Wann es fĂŒr FahrgĂ€ste tatsĂ€chlich besser wird, bleibt aber offen.

  • Das PĂŒnktlichkeitsziel wird gelockert, die VorstĂ€nde verkleinert, Sofortprogramme aufgelegt: Bei der Bahn soll sich in den nĂ€chsten Monaten viel Ă€ndern. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa

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  • Richard Lutz muss den Chefsessel rĂ€umen. Lutz war seit Anfang 2017 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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  • Neue Chefin des Konzerns wird Evelyn Palla. Bisher war die Managerin fĂŒr den Regionalverkehr zustĂ€ndig. (Archivbild) - Foto: Annette Riedl/dpa

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  • Die marode Infrastruktur belastet das System Bahn seit Jahren. In den kommenden Jahren muss daher viel gebaut werden - wie hier auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin. (Archivbild) - Foto: Jens BĂŒttner/dpa

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  • Die Bahn hat seit Jahren ein PĂŒnktlichkeitsproblem. (Archivbild) - Foto: Fabian Sommer/dpa

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  • Wird das Angebot in den Bordbistros bald wieder besser? Der Minister setzt darauf, um die Kunden zufriedener zu stimmen. (Archivbild) - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

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Das PĂŒnktlichkeitsziel wird gelockert, die VorstĂ€nde verkleinert, Sofortprogramme aufgelegt: Bei der Bahn soll sich in den nĂ€chsten Monaten viel Ă€ndern. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpaRichard Lutz muss den Chefsessel rĂ€umen. Lutz war seit Anfang 2017 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn. - Foto: Sebastian Gollnow/dpaNeue Chefin des Konzerns wird Evelyn Palla. Bisher war die Managerin fĂŒr den Regionalverkehr zustĂ€ndig. (Archivbild) - Foto: Annette Riedl/dpaDie marode Infrastruktur belastet das System Bahn seit Jahren. In den kommenden Jahren muss daher viel gebaut werden - wie hier auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin. (Archivbild) - Foto: Jens BĂŒttner/dpaDie Bahn hat seit Jahren ein PĂŒnktlichkeitsproblem. (Archivbild) - Foto: Fabian Sommer/dpaWird das Angebot in den Bordbistros bald wieder besser? Der Minister setzt darauf, um die Kunden zufriedener zu stimmen. (Archivbild) - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Mit neuer Bahnchefin, abgeschwĂ€chten PĂŒnktlichkeitszielen und einem Fokus auf Sauberkeit und Sicherheit will Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Krise der Deutschen Bahn angehen. Doch bis sich fĂŒr die FahrgĂ€ste grundlegend Verbesserungen einstellen, dĂŒrfte es noch einige Jahre dauern. 

Die bisherige VorstĂ€ndin fĂŒr den Regionalverkehr, Evelyn Palla, wird den Konzern kĂŒnftig fĂŒhren, wie Schnieder in Berlin offiziell mitteilte. Sie löst damit den bisherigen Bahnchef Richard Lutz ab, dessen Aus Mitte August bekannt wurde. Schnieder gab zudem das Ziel aus, dass bis Ende 2029 mindestens 70 Prozent der FernzĂŒge ohne grĂ¶ĂŸere Verzögerungen im Netz unterwegs sind. Die bisherigen, deutlich höheren Ziele der Bahn selbst, kritisierte er als «jenseits aller RealitĂ€t» und als nicht annĂ€hernd erreichbar. Die Bahn wollte bereits im Jahr 2027 eine PĂŒnktlichkeit von mindestens 75 Prozent schaffen. 

Mittelfristig soll die Quote nun laut Ministerium bei mindestens 80 Prozent liegen, langfristig bei mindestens 90 Prozent. Im Nahverkehr soll die PĂŒnktlichkeit dauerhaft mehr als 90 Prozent betragen. Ein konkreter Zeitraum fĂŒr diese Ziele geht aus der Strategie nicht hervor. 

Neue Chefin mit kleinerem Vorstandsteam

Um die neuen Ziele der Bahn zu erreichen, sei Palla auf dem Chefsessel die beste Kandidatin, sagte Schnieder. Sie folgt auf Bahnchef Richard Lutz, der die vielen Krisen der Bahn in den vergangenen Jahren nicht gelöst hatte. Es habe bei der Suche viele GesprÀche gegeben, am Ende sei das Ergebnis eindeutig gewesen, betonte der Minister. Das wichtigste Ziel sei nun die ZuverlÀssigkeit. 

Palla ist seit 2019 bei der Deutschen Bahn. ZunĂ€chst war sie FinanzvorstĂ€ndin bei DB Fernverkehr, seit 2022 ist sie fĂŒr den Regionalverkehr mit rund 780.000 Fahrten monatlich – inklusive aller S-Bahnen - verantwortlich. Die 1973 in Bozen geborene SĂŒdtirolerin gilt als empathischer als ihr VorgĂ€nger Lutz, auch charismatischer. DB Regio schrieb unter ihr im ersten Halbjahr wieder schwarze Zahlen. 

Die neue Bahnchefin wird kĂŒnftig einem sechsköpfigen Vorstand vorsitzen. Damit fallen in dem Gremium zwei Ressorts weg. Bislang gab es im Konzernvorstand acht Posten, die zurzeit auf sieben Mitglieder aufgeteilt sind. Personalvorstand Martin Seiler ist seit einigen Monaten auch kommissarisch fĂŒr die Finanzen zustĂ€ndig. KĂŒnftig soll das Ressort Infrastruktur wegfallen, um die Netztochter DB InfraGo stĂ€rker vom Mutterkonzern zu entflechten.

Minister fordert drei Sofortprogramme fĂŒr mehr Kundenzufriedenheit

«Heute drĂŒcken wir auf Neustart», sagte Schnieder zur neuen Bahn-Strategie. Sie sieht auch drei «Sofortprogramme fĂŒr ein besseres Reiseerlebnis» vor:

  • Das erste soll zu mehr Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen fĂŒhren. Ziel sei es, «eine objektiv wie subjektiv verbesserte Sicherheit und Sauberkeit durch einen Mix aus Personal und Technik» zu erreichen, heißt es darin, etwa durch VideoĂŒberwachung. Das Sofortprogramm soll ab dem ersten Quartal 2026 greifen.
  • FĂŒr eine bessere Kundenkommunikation soll die Fahrgastapp DB Navigator verbessert werden. «Ziel ist, dass VerĂ€nderungen im Reiseverlauf in dem Augenblick weitergegeben werden, wenn diese Informationen innerhalb der DB vorliegen», heißt es in der Strategie.
  • FĂŒr mehr Komfort in den ZĂŒgen des Fernverkehrs soll die Sauberkeit in den ZĂŒgen verbessert werden. Auch das Angebot im Bordbistro soll sich verbessern. Die DB Fernverkehr soll ein Maßnahmenpaket umsetzen, um bereits 2026 spĂŒr- und messbare Verbesserungen zu erreichen. 

Schafft die Bahn die neuen, gelockerten PĂŒnktlichkeitsziele?

Mit den Vorgaben zur PĂŒnktlichkeit oder zum Komfort im Fernverkehr nimmt der Bund die Bahn nun wie erwartet enger an die Leine. Im ersten Halbjahr war mehr als ein Drittel der FernzĂŒge der Bahn unpĂŒnktlich unterwegs. Im Juli habe es an drei Tagen in Folge weniger als 40 Prozent PĂŒnktlichkeit im Fernverkehr gegeben, betonte Schnieder. Das könne nicht so bleiben. Am Montag kam es zu weitreichenden EinschrĂ€nkungen zwischen Hamburg und Berlin aufgrund von OberleitungsschĂ€den. 

Hauptgrund fĂŒr die hohe UnzuverlĂ€ssigkeit ist das marode und ĂŒberlastete Schienennetz. Schnieder will dafĂŒr sorgen, dass die fĂŒr die Infrastruktur zustĂ€ndige DB InfraGo kĂŒnftig eigenstĂ€ndiger und unabhĂ€ngiger vom Gesamtkonzern agieren kann. DafĂŒr werde etwa geprĂŒft, ob der bisherige Beherrschungsvertrag zwischen Bahn und InfraGo fortbestehen soll. Eine Entscheidung darĂŒber soll im ersten Halbjahr 2026 fallen. 

Die Sparte soll zudem eindeutiger auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden. Gewinne sollen nur insofern erzielt werden, als dass sie diesem Ziel zugutekommen. 

InfraGo-Chef Nagl soll gehen

Bei der InfraGo plant Schnieder ebenfalls einen Wechsel an der Spitze: Dirk Rompf soll den Österreicher Philipp Nagl ersetzen. Rompf ist seit 2021 GeschĂ€ftsfĂŒhrer bei der Strategieberatung Ifok. Davor war er jahrelang Vorstand der DB Netz AG, dem VorgĂ€nger-Unternehmen der DB InfraGo. Über die Personalie muss noch der Aufsichtsrat der InfraGo entscheiden. Laut einem Bericht des «Tagesspiegel» gibt es in dem Gremium auf Arbeitnehmerseite erheblichen Widerstand. 

Nagl gilt als ausgewiesener Bahn-Fachmann. Unter seiner Leitung wurde der jahrelange Verfall des Schienennetzes gestoppt. Er ist einer der Köpfe hinter dem sogenannten Generalsanierungskonzept, der umfassenden Sanierung von mehr als 40 vielbefahrenen Bahnstrecken. Rompf war Netz-Chef unter dem damaligen Konzernvorstand Ronald Pofalla. In dieser Zeit verfiel die Infrastruktur zunehmend, weil zu wenig Geld in den Erhalt investiert wurde.

An dem Konzept der Generalsanierung hÀlt Schnieder in seiner neuen Strategie fest. Es sieht vor, dass bis 2036 mehr als 40 besonders wichtige Strecken grundlegend modernisiert werden. Ziel ist es, auf diese Weise die Zahl der Baustellen nach und nach zu reduzieren und den Zugverkehr wieder zuverlÀssiger fahren zu lassen. 

«Die Kunden mĂŒssen sich auf die angebotene Leistung der DB AG verlassen können, optimal informiert sein und sich gleichzeitig wohlfĂŒhlen, wenn sie das System Schiene nutzen», heißt es in der Strategie. Das Ziel «spĂŒrbare ZuverlĂ€ssigkeit» habe fĂŒr den Bund die höchste PrioritĂ€t.

@ dpa.de