Neue Sammelabschiebung nach Afghanistan
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 10:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMit einem Charterflugzeug hat die Bundespolizei 23 ausreisepflichtige Afghanen in ihr Herkunftsland gebracht. Die Abschiebung vom Flughafen Leipzig/Halle nach Kabul begann in den frĂŒhen Morgenstunden. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums handelt es sich bei den Abgeschobenen mehrheitlich um StraftĂ€ter, die wegen schwerer Vergehen verurteilt worden seien, darunter Sexualstraftaten und Körperverletzung.Â
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte nach einer Abschiebung Ende Juli erklĂ€rt, man werde sich bei den RĂŒckfĂŒhrungen nach Afghanistan nicht mehr ausschlieĂlich auf StraftĂ€ter und «GefĂ€hrder» beschrĂ€nken. Vielmehr werde man, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, ab sofort auch andere Ausreisepflichtige dorthin abschieben. Auf der Plattform X schreibt er jetzt: «Unsere Gesellschaft hat ein eindeutiges Interesse daran, dass StraftĂ€ter unser Land verlassen mĂŒssen.» AuĂerdem mĂŒsse, wer kein Aufenthaltsrecht hat, damit rechnen, Deutschland verlassen zu mĂŒssen. «Diesen Kurs setzen wir konsequent um», fĂŒgte er hinzu.
Kontakte zu den Taliban
Kritik gab es zuletzt an Absprachen der Bundesregierung mit den Machthabern in Kabul, den islamistischen Taliban. Die GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete Schahina Gambir sagt: «Anstatt sich fĂŒr Menschenrechte einzusetzen, kĂ€mpft diese Bundesregierung nur fĂŒr ihre eigene Abschiebepolitik.»
Die Bundesregierung erkennt die Taliban, die vor fĂŒnf Jahren die Macht in Kabul ĂŒbernommen hat, nicht als legitime Regierung an. Die erste Sammelabschiebung afghanischer StraftĂ€ter in ihr Herkunftsland war vor zwei Jahren mit UnterstĂŒtzung des Golfemirats Katar organisiert worden. Damals war Nancy Faeser von der SPD Bundesinnenministerin.
Afghanistan in humanitÀrer Krise
Einer der 31 MĂ€nner, die Ende Juli von Deutschland nach Afghanistan abgeschoben worden waren, hatte der dpa anschlieĂend am Telefon berichtet, er sei mit 14 Jahren in Deutschland angekommen und habe teilweise die Muttersprache Dari verlernt. Die Abschiebung trenne ihn von seiner Frau und seinem Kind. «Hier in Kabul gibt es keine Arbeit fĂŒr mich. WĂ€re mein Ă€lterer Bruder nicht hier, wĂŒrde ich auf der StraĂe leben», sagt er. Ziel fĂŒr ihn sei, nach Deutschland zurĂŒckkehren.
Afghanistan mit seinen mehr als 48 Millionen Einwohnern steckt derzeit in einer schweren humanitÀren Krise. Die UnterernÀhrung habe ein bislang nicht dagewesenes Ausmaà erreicht, warnte zuletzt das WelternÀhrungsprogramm der Vereinten Nationen. Lediglich etwa 33 Prozent der arbeitsfÀhigen Bevölkerung haben nach Angaben der Internationalen Arbeitsagentur (ILO) einen Job.
