Linnemann fordert Bestrafung von GewalttÀtern am Tattag
16.07.2023 - 16:47:20Nach wiederholter Gewalt in Berliner FreibÀdern hat der designierte CDU-GeneralsekretÀr Carsten Linnemann die konsequente Bestrafung von GewalttÀtern noch am Tattag gefordert. Der Richterbund wandte ein, ohne zusÀtzliches Personal sei das nicht zu leisten.
Er erwarte «ganz einfach» die «Durchsetzung unserer Gesetze», sagte Linnemann auf eine entsprechende Frage der «Bild am Sonntag». «Es braucht Schnellverfahren gegen GewalttĂ€ter, das Justizsystem muss entsprechend organisiert werden.» Wer mittags im Freibad Menschen angreife, mĂŒsse abends vor dem Richter sitzen und abgeurteilt werden. «Auch am Wochenende.» Die Strafprozessordnung gebe das her. Auch das StrafmaĂ mĂŒsse voll ausgeschöpft werden, bis hin zu Haftstrafen.
Kritik vom Deutschen Richterbund
«Es ist wenig ĂŒberzeugend, wenn Politiker am Sonntag mit entschlossener Pose nach dem starken Rechtsstaat rufen, Montag bis Samstag aber zu wenig dafĂŒr tun», hielt ihm der BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Richterbundes, Sven Rebehn, entgegen. Es sei zwar richtig, dass eine Strafe der Tat möglichst auf dem FuĂe folgen mĂŒsse, um fĂŒr die TĂ€ter abschreckend zu wirken. Wer öffentlichkeitswirksam nach einer zĂŒgigen Strafverfolgung rufe, mĂŒsse die Justiz dann aber auch personell besser ausstatten.
Die Strafprozessordnung ermöglicht es der Staatsanwaltschaft, einen Antrag auf Entscheidung im beschleunigten Verfahren zu stellen, wenn die Sache auf Grund des einfachen Sachverhalts oder der klaren Beweislage zur sofortigen Verhandlung geeignet ist. Bei Straftaten, die an einem Wochenende verĂŒbt werden, ist dafĂŒr allerdings mancherorts nicht immer ein Richter greifbar. Das Schnellgericht darf Beschuldigte maximal zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilen.
Auseinandersetzungen in Berliner FreibÀdern
Anfang Juli war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen in FreibĂ€dern in Neukölln und Kreuzberg gekommen. Das Columbiabad in Neukölln wurde zum wiederholten Mal gerĂ€umt. Das Freibad ist ĂŒberregional bekannt, weil es dort öfter Randale und Probleme mit Jugendlichen gibt. Der Bezirk Neukölln gilt in Teilen als sozialer Brennpunkt.
Linnemann sagte, grundsĂ€tzlich - auch abseits der Freibad-VorfĂ€lle - mĂŒsse es das Ziel sein, StraftĂ€ter sofort zur Verantwortung zu ziehen. «Der starke Rechtsstaat funktioniert nur mit Abschreckung, wenn die TĂ€ter damit rechnen mĂŒssen, dass sie noch am gleichen Tag verurteilt werden und die Konsequenzen tragen.» Was derzeit in den FreibĂ€dern passiere, sei zudem «schlicht unsozial», sagte Linnemann. «Familien, die sich keinen Urlaub oder keinen Pool im eigenen Garten leisten können, mĂŒssen im Freibad mitansehen, wie junge MĂ€nner, oft mit Migrationshintergrund, gewalttĂ€tig werden. Sie haben den Eindruck, dass der Staat nur zuschaut.»
GrĂŒne: CDU ist in Berlin in der Verantwortung
Der GrĂŒnen-Vorsitzende Omid Nouripour sagte im ZDF-Sommerinterview, die CDU trage in der Berliner Landespolitik inzwischen Verantwortung. Daher hoffe er, dass Linnemann solche VorschlĂ€ge nicht nur in Interviews mache, sondern auch mit Justizsenatorin Felor Badenberg (parteilos) darĂŒber spreche, «damit schnellstmöglich Richter und Richterinnen eingestellt werden», um schnelle Verfahren zu ermöglichen. Ebenso wichtig seien PrĂ€vention und Sozialarbeit. Der Co-Parteivorsitzende fĂŒgte hinzu: «Das, was wir da gerade erleben in bestimmten FreibĂ€dern, ist komplett indiskutabel, das braucht eine harte, klare Antwort.» Es mĂŒsse eine Grenzziehung geben, «bis hierhin und nicht weiter - und diese Grenze ist das Recht».


