Olympia 2036: München hat sechs Rivalen im Rennen um die Spiele
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 14:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMünchen bekommt es im Rennen um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036 mit Katar, Indien, Südkorea, Ungarn, der Türkei und Südafrika zu tun.
Entscheidung über nächste Bewerbungsphase
Das Internationale Olympische Komitee will im März 2027 entscheiden, welche Bewerber in den sogenannten Strategischen Dialog einziehen. Im Dezember 2028 soll eine Auswahl bevorzugter Gastgeber feststehen; vergeben werden die Spiele bei einer IOC-Generalversammlung Mitte 2029.
Bis Ende Oktober können weitere Interessenten ihr konkretes Interesse bekunden. Im November sollen die Bewerber ihre Pläne der IOC-Auswahlkommission vorstellen.
München setzte sich national durch
Im deutschen Auswahlverfahren hatte sich München gegen das Projekt Köln-Rhein-Ruhr durchgesetzt. Hamburgs Pläne waren bei einem Bürgerentscheid gescheitert, Berlin zog seine Kandidatur kurz vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds zurück.
Die deutsche Bewerbung gilt auch für 2040 und 2044. Zuletzt waren sieben deutsche Bewerbungen um Sommer- und Winterspiele erfolglos geblieben.
Unterschiedliche Ausgangslagen der Rivalen
Katar kann auf die Erfahrung mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 und erhebliche finanzielle Möglichkeiten verweisen. Die Sommerhitze würde dort allerdings eine Austragung in den Wintermonaten nahelegen; zugleich wird die Sicherheitslage der Region als Problem beschrieben.
Indien bewirbt sich mit Ahmedabad. Für das IOC ist das Land als großer Markt interessant, während Infrastruktur, Luftverschmutzung und die bisher begrenzte olympische Stärke als Herausforderungen gelten. Südkorea tritt mit der Region Jeonbuk an; gemeinsame Pläne mit Seoul sind im Land umstritten.
Istanbul, Budapest und Südafrika
Istanbul hat bereits mehrere Anläufe unternommen und will sich mit den Europa-Spielen 2027 als Gastgeber eines großen Multisport-Ereignisses profilieren. Bei der türkischen Bewerbung stellt sich zudem die Frage nach der politischen Stabilität des Landes.
Budapest war bereits 2017 im Bewerbungsverfahren vertreten, bevor Widerstand in der Bevölkerung die Kandidatur zu Fall brachte. Südafrika setzt auf ein mögliches gemeinsames Projekt von Kapstadt, Johannesburg und Durban. Noch nie fanden Olympische Spiele auf dem afrikanischen Kontinent statt.
Kosten und Zeitdruck
Die Organisatoren in München beziffern die Kosten auf rund zehn Milliarden Euro. Davon sollen fünf Milliarden Euro für die Organisation vor allem durch Ticketeinnahmen gedeckt werden; weitere Ausgaben entfielen auf Infrastrukturprojekte.
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder werben für das Projekt. Offen ist, ob bis Ende Oktober noch weitere Städte wie Madrid oder Santiago de Chile Interesse anmelden.
Ein Wettbewerb mit geopolitischer Dimension
Die Münchner Bewerbung steht nicht nur im Wettbewerb mit einzelnen Städten, sondern mit unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Modellen. Das IOC muss zwischen etablierten europäischen Austragungsorten, aufstrebenden Sportmärkten in Asien, einem finanzstarken Golfstaat und einer möglichen Premiere in Afrika abwägen. Damit gewinnt neben der sportlichen Infrastruktur auch die regionale Verteilung der Spiele an Bedeutung.
Für München spricht, dass Deutschland bereits über zahlreiche Sportstätten, Verkehrsverbindungen und Erfahrungen mit internationalen Großveranstaltungen verfügt. Zugleich müsste die Bewerbung die Finanzierung, die Nutzung bestehender Anlagen und die Zustimmung der Bevölkerung überzeugend darstellen. Die veranschlagten zehn Milliarden Euro machen Olympia zu einem langfristigen Infrastrukturprojekt, dessen Nutzen über die eigentlichen Wettkampftage hinausreichen müsste.
Entscheidend sind Konzept und politische Rückendeckung
Die nächsten Verfahrensschritte erhöhen den Zeitdruck. Bis März 2027 muss das deutsche Projekt die Voraussetzungen für den Strategischen Dialog erfüllen; bis Ende Oktober 2026 können weitere Interessenten hinzukommen. Für München bedeutet das, Detailpläne und finanzielle Garantien frühzeitig belastbar vorzulegen.
Die Bewerbung gilt zugleich für 2040 und 2044. Sollte das IOC 2036 einen anderen Kontinent bevorzugen, bliebe Deutschland damit im Verfahren. Für Leserinnen und Leser in Bayern geht es deshalb nicht nur um ein Sportereignis, sondern auch um mögliche Investitionen in Verkehr, Stadträume und Sportstätten sowie um die Frage, wie Kosten und dauerhafter Nutzen verteilt werden.
