Olympia-Bewerbung: DOSB entscheidet zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 11:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Deutsche Olympische Sportbund hat in Baden-Baden entschieden, ob München oder Köln-Rhein-Ruhr Deutschlands Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 anführt.
Ergebnis bleibt zunächst geheim
Das Ergebnis der geheimen Wahl bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung soll ab 13.45 Uhr im Rahmen einer ARD-Übertragung verkündet werden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll bekanntgeben, ob die Kandidatur aus Bayern oder Nordrhein-Westfalen für das weitere Verfahren beim Internationalen Olympischen Komitee gemeldet wird.
141 Stimmen waren zu vergeben
Stimmberechtigt waren die 42 olympischen Spitzenverbände mit jeweils drei Stimmen sowie persönliche Mitglieder und Präsidiumsmitglieder des DOSB. Insgesamt standen 141 Stimmen zur Verfügung. Die Entscheidung fiel bereits im ersten Wahlgang.
Vor der Abstimmung deutete vieles auf ein enges Rennen zwischen den beiden verbliebenen Bewerbern hin. Hamburgs Projekt war Ende Mai bei einem Bürgerentscheid gescheitert. Berlin zog seine Bewerbung zwei Tage vor der DOSB-Entscheidung zurück, nachdem bei der Abgeordnetenhaus-Wahl am Sonntag die Olympia-Befürworter im Roten Rathaus abgewählt worden waren.
Weikert spricht von modernem Verfahren
DOSB-Präsident Thomas Weikert würdigte den mehrjährigen Auswahlprozess als modern, transparent und erfolgversprechend. „Mancher mag sagen, der Weg war typisch deutsch“, sagte Weikert. Nach zuletzt sieben gescheiterten Olympiaprojekten für Winter- und Sommerspiele heile der aktuelle Prozess aber „Bewerbungswunden der Vergangenheit und löst Zweifel auf“.
Rauhe wirbt für gemeinsames Ziel
Der neue Sport-Staatsminister Ronald Rauhe warb für eine Bewerbung, die Menschen begeistern könne. „Vielleicht ist es genau das, was Deutschland gerade gut gebrauchen kann: ein großes gemeinsames Ziel. Wenn wir gemeinsam an etwas glauben, dann können wir gemeinsam etwas erreichen“, sagte der Kanu-Olympiasieger.
Ein Auswahlverfahren mit langer Vorgeschichte
Mit der Entscheidung in Baden-Baden erreicht Deutschlands Olympia-Debatte eine zentrale Etappe. Der DOSB hatte München und Köln-Rhein-Ruhr zuvor als nahezu gleichwertige Bewerbungen bewertet. München erhielt 87 von 100 Punkten, die NRW-Region 85; beide Konzepte galten damit als sehr gut.
Das Verfahren war zudem von Rückzügen geprägt. Hamburg schied nach einem negativen Bürgerentscheid Ende Mai aus, Berlin zog seine Bewerbung kurz vor der DOSB-Abstimmung zurück. Damit konzentrierte sich die nationale Auswahl auf eine Stadt und eine weitläufige Region mit unterschiedlichen Konzepten für die Ausrichtung.
Was die Entscheidung bedeutet
Der DOSB-Beschluss macht den Sieger zunächst zum deutschen Bewerber für die Spiele 2036, 2040 oder 2044. Eine endgültige Vergabe durch das Internationale Olympische Komitee wäre damit noch nicht verbunden. Deutschland müsste sich anschließend im internationalen Verfahren gegen weitere Bewerbungen durchsetzen.
Für die Bevölkerung bleibt neben der sportpolitischen Symbolik die Frage entscheidend, wie Kosten, Infrastruktur und Zustimmung organisiert werden. Die Bewerbungen setzen auf vorhandene Anlagen und regionale Kooperationen, müssen aber langfristig finanzielle Belastungen und verbindliche Bürgerbeteiligung plausibel beantworten. Die Wahl in Baden-Baden ist deshalb nicht nur eine sportinterne Entscheidung, sondern auch ein Test für die gesellschaftliche Akzeptanz großer Sportereignisse.
