Olympia-Bewerbung: München gewinnt DOSB-Votum mit 91:50 gegen Köln-Rhein-Ruhr
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 11:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMünchen ist nach einem deutlichen Votum des Deutschen Olympischen Sportbunds Deutschlands Bewerber für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.
München setzt sich klar durch
Bei der Abstimmung in Baden-Baden setzte sich die bayerische Landeshauptstadt mit 91:50 Stimmen gegen Köln-Rhein-Ruhr durch. Für München stimmten die DOSB-Delegierten damit im ersten Wahlgang deutlich stärker als erwartet.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause wollen die Bewerbung nun zügig vorantreiben. Krause fordert Finanzierungszusagen des Bundes und schnelle Entscheidungen bei den notwendigen Baumaßnahmen für das auf rund zehn Milliarden Euro veranschlagte Projekt.
Rückhalt aus dem Bund
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Olympia gehöre nach Deutschland und ganz Deutschland stehe hinter München. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil stellte eine Olympia-Garantie in Aussicht und sagte, Deutschland könne sich die Spiele leisten.
Der neue Sport-Staatsminister Ronald Rauhe kündigte an, die Münchner Pläne beim Internationalen Olympischen Komitee mit Nachdruck zu vertreten. Im März 2027 sollen die deutschen Olympia-Macher in den Strategischen Dialog mit dem IOC aufrücken. Über die Vergabe der Spiele 2036 soll 2029 entschieden werden; möglicherweise wird dann auch über 2040 befunden.
Viele Aufgaben vor der IOC-Entscheidung
München will mit kurzen Wegen, Wirtschaftskraft, Tradition und Erfahrung bei Großveranstaltungen überzeugen. Geplant ist, nahezu alle Wettbewerbe in Bayern auszutragen; Ausnahmen bilden Fußballspiele in Stuttgart und die Segelwettbewerbe in Kiel.
Vor der internationalen Bewerbung müssen jedoch zentrale Fragen geklärt werden. Dazu gehören die Sanierung des denkmalgeschützten Olympiastadions, die Suche nach einem Grundstück für das olympische Dorf und die Finanzierung. Söder und Krause warben zugleich dafür, Ideen anderer deutscher Bewerber in das Konzept aufzunehmen.
Köln-Rhein-Ruhr gratuliert
Die Entscheidung fiel nach einem engen Endspurt. In der zuvor veröffentlichten DOSB-Evaluierung lag München nur knapp vor Köln-Rhein-Ruhr, das im nationalen Verfahren schließlich unterlag.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bedauerte die Niederlage, erklärte aber, der Sport habe gewonnen und Köln-Rhein-Ruhr werde seinen Beitrag leisten. Hamburg war bereits nach einem Bürgerentscheid ausgeschieden, Berlin hatte seine Bewerbung kurz vor der DOSB-Abstimmung zurückgezogen.
Panne bei der Verkündung
Für einen kurzen Moment war der Ausgang der Wahl bereits vor der offiziellen Bekanntgabe erkennbar. DOSB-Präsident Thomas Weikert hielt den Umschlag bei der Übergabe an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier so, dass der Name München im Livebild zu lesen war.
Vom nationalen Votum zum internationalen Wettbewerb
Mit der DOSB-Entscheidung beginnt für München erst das internationale Auswahlverfahren. Deutschland muss sein Konzept nun im Strategischen Dialog mit dem Internationalen Olympischen Komitee weiterentwickeln und sich gegen Bewerber aus anderen Ländern behaupten. Die IOC-Entscheidung über die Sommerspiele 2036 soll 2029 fallen; für 2040 und 2044 ist der Zeitplan noch offen.
Der Münchner Vorteil liegt in der vorhandenen Großveranstaltungs- und Olympiaerfahrung sowie in vergleichsweise kurzen Wegen. Zugleich ist die Bewerbung mit erheblichen finanziellen und planerischen Aufgaben verbunden. Das denkmalgeschützte Olympiastadion muss saniert, ein Standort für das olympische Dorf gefunden und die Finanzierung des insgesamt rund zehn Milliarden Euro schweren Vorhabens politisch und vertraglich abgesichert werden.
Finanzierung und Akzeptanz als Prüfsteine
Die Zusagen aus Bund und Ländern schaffen politischen Rückenwind, ersetzen aber noch keinen belastbaren Finanzierungsplan. Für die Bevölkerung werden deshalb Kostenverteilung, Verkehr, Wohnungsbau und die spätere Nutzung der Anlagen entscheidend sein. München tritt zudem nicht allein an: Kiel soll die Segelwettbewerbe übernehmen, während Fußballspiele in Stuttgart vorgesehen sind.
Die nationale Auswahl hat gezeigt, dass Olympia nur mit ausreichender politischer und gesellschaftlicher Unterstützung realistisch planbar ist. Hamburg schied nach einem Bürgerentscheid aus, Berlin zog seine Bewerbung kurz vor dem DOSB-Votum zurück. München muss daher nicht nur das IOC überzeugen, sondern auch dauerhaft erklären, welchen konkreten Nutzen die Spiele für Infrastruktur, Sport und die beteiligten Regionen bringen sollen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Offiziell: München erhält Zuschlag für deutsche Olympia-Bewerbung“ (26.09.2026)
Der Bericht bestätige den deutlichen Münchner Sieg mit 91:50 Stimmen und ordne ihn als neuen deutschen Anlauf nach sieben gescheiterten Bewerbungen ein. Er hebe zusätzlich internationale Konkurrenten sowie das IOC-Jahr 2029 hervor und beschreibe die frühere Zustimmung in München und die Auswahl der DOSB-Wahlberechtigten.
NDR: „München deutscher Olympia-Bewerber - Kiel jubelt, Trauer in Warnemünde“ (26.09.2026)
Der Beitrag bestätige das Wahlergebnis und setze einen regionalen Schwerpunkt auf Kiel als vorgesehenen Segelstandort. Er stelle der Zustimmung in Schleswig-Holstein die Kritik von Initiativen und Linken an Kosten, Haushaltsbelastung und erwartetem wirtschaftlichem Nutzen gegenüber; offen bleibe damit vor allem, wie die Finanzierung und lokale Akzeptanz gesichert werden sollen.
Beide Berichte stellten den Münchner Sieg und den nächsten Schritt im IOC-Verfahren nicht infrage. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Blick auf die Folgen: Während n-tv die internationale Konkurrenz und das Bewerbungsverfahren betone, konzentriere sich der NDR auf die regionale Verteilung der Wettbewerbe und die Debatte über deren Kosten.
