Organspende, Widerspruchslösung

Organspende: Lauterbach erwartet Mehrheit fĂŒr Widerspruchslösung

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 13:57 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Karl Lauterbach hĂ€lt eine Mehrheit fĂŒr die Widerspruchslösung bei der Organspende inzwischen fĂŒr wahrscheinlicher als 2020. Im Mittelpunkt steht die Sitzung des Gesundheitsausschusses am Mittwoch.

Parlament berÀt neue Organspende-Regeln

  • Karl Lauterbach erwartet diesmal bessere Chancen fĂŒr die Widerspruchslösung.
  • Der SPD-Politiker drĂ€ngt auf eine schnelle EinfĂŒhrung und verweist auf Menschen ohne realistische Perspektive.
  • Der Gesundheitsausschuss befasst sich am Mittwoch mit einer möglichen Reform.
Karl Lauterbach (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Lauterbach wirbt im Bundestag fĂŒr Organspende-Reform

Der frĂŒhere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet sich fĂŒr den aktuellen Anlauf zur Widerspruchslösung bei der Organspende bessere Chancen aus als 2020. Im Vorfeld der Beratung im Gesundheitsausschuss warb er fĂŒr eine schnelle EinfĂŒhrung und verwies auf die vielen Menschen ohne realistische Perspektive auf der Warteliste.

SPD-Politiker erwartet breitere Zustimmung

Lauterbach sagte der „Rheinischen Post“, er sei optimistischer, dass die Widerspruchslösung diesmal eine Mehrheit finde. Besonders bei Abgeordneten der Union habe sich mittlerweile die „Vernunft durchgesetzt“, erklĂ€rte der SPD-Politiker.

Die AfD werde die Debatte zwar nutzen, um die Bevölkerung zu verunsichern und Verschwörungsgeschichten zu verbreiten. Davon wĂŒrden sich die demokratischen Parteien jedoch nicht beeinflussen lassen, sagte Lauterbach.

Wartelisten bleiben zentraler Streitpunkt

Der frĂŒhere Minister hĂ€lt die bisherigen Möglichkeiten ohne Widerspruchslösung fĂŒr nicht ausreichend. In den Kliniken werde bereits um jedes Organ gekĂ€mpft, das nach geltendem Recht gewonnen werden könne.

Trotz dieser Anstrengungen blieben viele Menschen auf der Warteliste ohne realistische Perspektive. Lauterbach warnte, ohne eine Reform werde Deutschland in einigen Jahren wieder am selben Punkt stehen, wÀhrend weitere Menschen gestorben seien, denen hÀtte geholfen werden können.

Anhörung im Gesundheitsausschuss

FĂŒr Lauterbach ist die Widerspruchslösung deshalb ein „Gebot der Vernunft“. Der Gesundheitsausschuss des Bundestags befasst sich am Mittwoch mit einer möglichen Reform der Organspende.

Die Debatte ĂŒber eine Widerspruchslösung knĂŒpft an einen frĂŒheren Reformversuch an. Im Jahr 2020 hatte der Bundestag eine Widerspruchslösung abgelehnt und sich stattdessen fĂŒr eine StĂ€rkung der Zustimmungslösung entschieden. Danach blieb die Zahl der Organspenden trotz organisatorischer Verbesserungen und zusĂ€tzlicher Maßnahmen hinter dem Bedarf zurĂŒck.

Bei einer Widerspruchslösung gelten grundsĂ€tzlich alle Erwachsenen als spendebereit, sofern sie zu Lebzeiten widersprochen haben. Angehörige können je nach Ausgestaltung weiterhin einbezogen werden. BefĂŒrworter verbinden damit die Erwartung, dass im entscheidenden Moment hĂ€ufiger eine dokumentierte Entscheidung vorliegt und mögliche Spenden nicht an fehlender ErklĂ€rung scheitern.

Entscheidung mit Folgen fĂŒr Wartelisten

Gegner stellen dagegen das Selbstbestimmungsrecht und die Frage in den Mittelpunkt, ob Schweigen als Zustimmung gelten darf. FĂŒr die praktische Umsetzung wĂ€ren zudem klare Informationsangebote, ein leicht zugĂ€ngliches Widerspruchsregister und verlĂ€ssliche AblĂ€ufe in KrankenhĂ€usern erforderlich.

Die Anhörung im Gesundheitsausschuss markiert zunĂ€chst einen parlamentarischen Beratungsschritt. Eine mögliche Mehrheit hĂ€ngt davon ab, ob die BefĂŒrworter Abgeordnete ĂŒber Fraktionsgrenzen hinweg gewinnen und die konkrete Ausgestaltung der Regelung klĂ€ren können. FĂŒr Menschen auf den Wartelisten geht es dabei um eine Entscheidung, deren Auswirkungen erst durch die tĂ€gliche Arbeit in Kliniken und Transplantationszentren sichtbar wĂŒrden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

NDR: „Widerspruchsregelung: ÄrztekammerprĂ€sidentin will Organspende "aus der Tabuzone" holen“ (03.11.2026)

Der Beitrag ordnet die anstehende Befassung des Gesundheitsausschusses ein und stellt die Forderung der Ärztekammer nach einer offeneren Debatte ĂŒber Organspende heraus. Damit bestĂ€tigt er den parlamentarischen Termin, setzt den Schwerpunkt aber stĂ€rker auf die Ă€rztliche Perspektive.

ntv: „Warum Ärzte fĂŒr neue Organspende-Regeln sind“ (04.11.2026)

ntv beschreibt die geplante Anhörung am 4. November und konzentriert sich auf die Argumente von Ärzten fĂŒr neue Regeln. Gemeinsam mit dem NDR-Beitrag rĂŒckt der Artikel die medizinische UnterstĂŒtzung in den Vordergrund; die konkrete parlamentarische Mehrheit bleibt offen.

Beide BeitrÀge verbinden die Anhörung mit dem Anliegen, die Organspende neu zu regeln. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Der NDR betont die öffentliche Debatte, ntv die Àrztlichen Argumente.

Disclaimer...
de | politik | 70456812 |