Steinmeier setzt auf StÀrke der Demokratie beim Klima- und Umweltschutz / Deutscher Umweltpreis der DBU an Tanneberger und Speidel
27.10.2024 - 13:11:44Bonde: Es geht schlicht um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen
DBU-GeneralsekretĂ€r Alexander Bonde forderte, sich trotz multipler Kriege und Krisen weltweit "mutig mit Tatkraft und Tag fĂŒr Tag weiter fĂŒr den Schutz von Klima, Umwelt, Ressourcen und BiodiversitĂ€t starkzumachen. Es geht schlicht um den Erhalt der Lebensgrundlagen fĂŒr Menschen, aber natĂŒrlich auch fĂŒr Tiere und Pflanzen." Bonde weiter: "Wirtschaft und Wissenschaft sind immer wieder Ursprung pfiffiger und innovativer Ideen, um diese Zukunftsaufgabe zu bewĂ€ltigen. Solche Erkenntnisse und Vorbilder haben wiederum das Zeug, andere Menschen zu wegweisenden EinfĂ€llen zu inspirieren." In Zeiten zunehmender Falsch-Nachrichten zu Klima- und Umweltthemen seien solche Mutmacher umso wichtiger, "damit wir beim Klima- und Umweltschutz nicht nachlassen".
"Der klassische Verbrennungsmotor wird an sein Ende kommen"
An die Adresse von Thomas Speidel und mit Blick auf dessen Wirken bezog der BundesprĂ€sident unter Verweis auf Carl Benz und Gottlieb Daimler als "zwei der visionĂ€rsten deutschen Erfinder", die wie Speidel aus dem deutschen SĂŒdwesten stammten und "der ganzen Welt eine individuelle MobilitĂ€t" ermöglicht hĂ€tten, klar Position. Steinmeier: "Der klassische Verbrennungsmotor, auf dem diese MobilitĂ€t beruhte, wird an sein Ende kommen." Wegen der "klimaverĂ€ndernden" Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) "durch Pkw- und Lkw-Verkehr kann daran kein vernĂŒnftiger Zweifel bestehen". Aber wie schnell E-MobilitĂ€t flĂ€chendeckend Wirklichkeit werde, hĂ€nge davon ab, "ob wir Mittel und Wege finden, die noch bestehenden technischen und faktischen Hindernisse im Alltag zu ĂŒberwinden". Genau hier liegt laut Steinmeier "die StĂ€rke der Demokratie": Denn sie ermögliche, "Sackgassen, Schwachpunkte, Fehler, die auf dem unbekannten Weg zu einem umfassenden und nachhaltig wirksamen Klima- und Umweltschutz unvermeidlich sind, immer wieder zu korrigieren". Allein in einer Demokratie sei auszuhandeln, "wie schnell und wie entschieden wir diesen oder jenen Weg gehen wollen - oder genauer gesagt: gehen mĂŒssen". Ebenso wichtig sei, "welcher Ausgleich fairerweise fĂŒr diejenigen notwendig ist, die vor gravierenden UmbrĂŒchen stehen und diese eben nicht so leicht stemmen können wie andere". PreistrĂ€ger Speidel etwa habe eine Lösung fĂŒr neue Wege in der ElektromobilitĂ€t gefunden: Wie nĂ€mlich ein E-Auto in kĂŒrzester Zeit auch an Orten aufzuladen ist, wo ein ausgebautes Stromnetz fĂŒr die Ladeinfrastruktur fehlt.
Intakte Moore bedeutend fĂŒr ein gutes Klima und die BiodiversitĂ€t
Moorforscherin Tanneberger, die unter anderem am ersten globalen Moor-Zustandsbericht mitgewirkt hat, wird von der DBU mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet, weil sie laut Bonde "als treibende Kraft die Revitalisierung von Mooren vorangebracht und es zugleich geschafft hat, BrĂŒcken zwischen Wissenschaft, Politik und Landwirtschaft zu bauen". Tannebergers Leistung wĂŒrdigte der BundesprĂ€sident ebenfalls mit klarer Haltung - inklusive eines rhetorischen Ausflugs in die Dichtung. Das Moor sei "oft wenig geschĂ€tzte Landschaft" gewesen, so Steinmeier. Unter anderem habe dies dazu gefĂŒhrt, "dass die Moore wenig wertgeschĂ€tzt, leichthin geopfert, trockengelegt und der landwirtschaftlichen Nutzung zugefĂŒhrt wurden". Trockengelegte Moore haben zur Folge, dass in groĂen Mengen klimaschĂ€dliches Treibhausgas entweicht. Nach Steinmeiers Worten ist Moor in ErzĂ€hlungen, Romanen, Liedern und Lyrik kaum Thema - und wenn, dann eher in dĂŒsteren Varianten wie etwa bei der westfĂ€lischen Dichterin Annette von Droste-HĂŒlshoff. Tanneberger sei es jedoch gelungen, ein Bewusstsein dafĂŒr zu schaffen, "wie bedeutend intakte Moore fĂŒr ein gutes Klima und auch fĂŒr die BiodiversitĂ€t sind".
Radikale Transformation gewagt: vom AusrĂŒster fĂŒr Verbrennungsmotoren zum Vorreiter der E-MobilitĂ€t
Elektrotechnik-Ingenieur Thomas Speidel (57) ist GeschĂ€ftsfĂŒhrer des mittlerweile an der Börse gelisteten Unternehmens ads-tec Energy in NĂŒrtingen bei Stuttgart mit weiteren Standorten unter anderem in Klipphausen bei Dresden und Auburn im US-Bundesstaat Alabama. In seinem Portfolio sind mehr als 60 deutsche und internationale Patentanmeldungen. Die DBU zeichnet ihn mit dem Deutschen Umweltpreis einerseits aus, weil er mit seinen Innovationen von batteriegepufferten Schnellladesystemen namens ChargeBox und ChargePost das Stromtanken von E-Fahrzeugen minutenschnell statt stundenlang ermöglicht und damit fĂŒr mehr Tempo beim Ausbau der ElektromobilitĂ€t sorgt. Andererseits, weil er mit seinem Betrieb selbst eine radikale Transformation gewagt hat: vom AusrĂŒster fĂŒr Verbrennungsmotoren zu einem Vorreiter der E-MobilitĂ€t. Moorforscherin Tanneberger (46) wiederum ist Co-Leiterin des Greifswald Moor Centrums und setzt sich unermĂŒdlich fĂŒr die WiedervernĂ€ssung von Mooren ein. Ihre Stimme hat national und international groĂes Gewicht, etwa auf der Weltklimakonferenz 2023 in Dubai. Dabei sind Moorschutz und Moornutzung fĂŒr sie kein Widerspruch. Tanneberger habe es geschafft, "fĂŒr besseren Schutz von Klima und BiodiversitĂ€t BĂ€uerinnen und Bauern ins Boot zu holen, weil man Moore nĂ€mlich auch nass nutzen kann", so DBU-GeneralsekretĂ€r Bonde.
Hintergrund:
Mit dem 2024 zum 32. Mal verliehenen Deutschen Umweltpreis der DBU werden Leistungen von Menschen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beitragen. Kandidatinnen und Kandidaten werden der DBU vorgeschlagen. Berechtigt dazu sind etwa ArbeitgeberverbĂ€nde und Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und NaturschutzverbĂ€nde, wissenschaftliche Vereinigungen und Forschungsgemeinschaften, Medien, das Handwerk und WirtschaftsverbĂ€nde. SelbstvorschlĂ€ge sind nicht möglich. Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhĂ€ngiger Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen empfiehlt dem DBU-Kuratorium PreistrĂ€gerinnen und PreistrĂ€ger fĂŒr das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fĂ€llt die endgĂŒltige Entscheidung. Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten: https://www.dbu.de/umweltpreis.
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