Pantisano weist Antisemitismusvorwürfe gegen Linke zurück
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 20:51 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSLinken-Chef Luigi Pantisano hat Antisemitismusvorwürfe gegen seine Partei zurückgewiesen. Im ARD-„Bericht aus Berlin“ forderte er zugleich eine klare Trennung zwischen Kritik an der israelischen Regierung und antisemitischen Äußerungen.
Pantisano verteidigt Kritik an Israel
„Wir müssen als Linke klar machen, dass Kritik an der rechtsextremen israelischen Regierung, die sehr wohl einen Genozid in Gaza verübt, nicht vermischt werden darf mit antisemitischen Tönen und dass es da auch Grenzen gibt - bei aller berechtigten Kritik, die stattfindet“, sagte Pantisano.
Der Linken-Chef verwies zudem auf die palästinensische Bevölkerung in Berlin. In Neukölln lebe „die größte oder eine der größten Gemeinschaften von Palästinensern“, sagte er. Zugleich erklärte er, ihn beschäftige die Sorge jüdischer Familien in Berlin, ob ihre Kinder dort sicher aufwachsen könnten.
Keine konkreten Angaben zu Parteiausschlüssen
Auf mehrfache Nachfrage nach möglichen Konsequenzen für antisemitische Äußerungen nannte Pantisano keine konkreten Maßnahmen. Zu Parteiausschlüssen sagte er, dafür gebe es die „ordentlichen Wege“, wie sie in Parteien funktionierten; Entscheidungen würden nicht von Parteivorsitzenden „von oben herab“ getroffen.
Im Fall des Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak verwies Pantisano auf dessen angekündigte Transparenz. Kocak habe einen Fehler eingesehen und zugesagt, die Vorgänge vollständig offenzulegen. Die Partei werde anschließend gemeinsam über das weitere Vorgehen entscheiden, sagte Pantisano.
Schutz jüdischen Lebens
Pantisano wies Vorwürfe zurück, die Linke sei eine antisemitische Partei. Zugleich verwies er auf einen Fünf-Punkte-Plan der künftigen Berliner Bürgermeisterin Elif Eralp zum Schutz jüdischen Lebens und sagte, die Linke und Eralp stünden an der Seite jüdischer Menschen in Berlin.
Die Äußerungen fallen in eine politisch angespannte Phase für die Berliner Linke. Nach dem Wahlsieg der Partei wird über mögliche Sondierungen mit SPD und Grünen beraten. Antisemitismusvorwürfe und der Umgang mit Kontakten des Neuköllner Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak zu umstrittenen Akteuren gehören dabei zu den zentralen Belastungsproben.
Im Mittelpunkt steht die Abgrenzung zwischen scharfer Kritik an der israelischen Regierung und antisemitischen Aussagen oder Verbindungen. Diese Unterscheidung ist politisch und gesellschaftlich relevant, weil sie sowohl die Meinungsfreiheit als auch den Schutz jüdischen Lebens berührt. Für eine Partei, die in Berlin Regierungsverantwortung übernehmen will, geht es deshalb nicht nur um öffentliche Erklärungen, sondern auch um nachvollziehbare innerparteiliche Verfahren und Konsequenzen.
Regierungsbildung unter Beobachtung
Die Berliner Linke hat sich zuvor für Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD ausgesprochen. Beide möglichen Partner erwarten ein klares Vorgehen gegen Antisemitismus und eine eindeutige Unterstützung jüdischen Lebens. Zugleich muss die Partei ihre Positionen zum Gaza-Krieg und zur palästinensischen Community in Berlin weiter vertreten können, ohne problematische Äußerungen oder Kontakte zu verharmlosen.
Für die weitere Entwicklung wird daher entscheidend sein, wie transparent die angekündigte Aufarbeitung im Fall Kocak ausfällt und ob die Parteiführung einheitliche Maßstäbe durchsetzt. Die Debatte betrifft damit nicht nur den innerparteilichen Umgang mit dem Nahostkonflikt, sondern unmittelbar die Koalitionsfähigkeit der Berliner Linken.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Debatte nach Wahlsieg: Was dran ist an den Vorwürfen gegen die Linke Berlin“ (26.09.2026)
Der Beitrag ordnet die Antisemitismusvorwürfe und die Kontakte im Umfeld des Neuköllner Bezirksverbands ausführlich ein. Er bestätigt den politischen Druck auf die Partei, legt den Schwerpunkt aber stärker auf länger zurückreichende innerparteiliche Entwicklungen und mögliche Folgen für die Sondierungen.
rbb24: „Berliner Linke stimmt mehrheitlich für Sondierungen mit Grünen und SPD“ (25.09.2026)
Der Bericht stellt die geplante Regierungsbildung und die Debatte auf dem Landesparteitag in den Mittelpunkt. Er verweist auf eingeräumte Fehler im Umgang mit israelkritischen Äußerungen sowie auf die Forderung, jüdisches Leben in Berlin zu schützen. Offen bleibt, welche konkreten innerparteilichen Konsequenzen folgen.
Übereinstimmend wird die Antisemitismusdebatte als wesentliche Belastung für eine mögliche Zusammenarbeit mit SPD und Grünen beschrieben. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung: Während der rbb den Parteitagsbeschluss und die Regierungsbildung betont, rekonstruiert die taz stärker die Vorgeschichte und die Konflikte im Berliner Landesverband.
