Bewegender, Abschied

Bewegender Abschied von Wolfgang SchÀuble in der Heimat

05.01.2024 - 16:21:38

Parteichef, Minister, BundestagsprĂ€sident: An Ämtern mangelte es Wolfgang SchĂ€uble in seiner langen Karriere nicht. Bei der Trauerfeier in seiner Heimatstadt kommt auch Privates zur Sprache.

  • MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann legt nach seiner Rede die Hand auf SchĂ€ubles Sarg. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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  • Soldaten des Wachbataillons tragen nach dem Gottesdienst Wolfgang SchĂ€ubles Sarg aus der Kirche. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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  • CDU-Chef Friedrich Merz wĂŒrdigte SchĂ€ubles Lebensleistung. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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  • SchĂ€ubles Ă€lteste Tochter Christine Strobl spricht bei der Trauerfeier ihres Vaters. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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  • Wolfgang SchĂ€ubles Witwe Ingeborg SchĂ€uble (M) verlĂ€sst zusammen mit ihrer Tochter Christine Strobl und deren Ehemann, dem baden-wĂŒrttembergischen Innenminister Thomas Strobl, die Kirche. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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  • Soldaten begleiten den Trauerzug auf dem Weg zum Offenburger Waldbachfriedhof. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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  • Der Trauerzug hat den Waldbachfriedhof erreicht. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Pool/dpa

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MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann legt nach seiner Rede die Hand auf SchĂ€ubles Sarg. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpaSoldaten des Wachbataillons tragen nach dem Gottesdienst Wolfgang SchĂ€ubles Sarg aus der Kirche. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpaCDU-Chef Friedrich Merz wĂŒrdigte SchĂ€ubles Lebensleistung. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpaSchĂ€ubles Ă€lteste Tochter Christine Strobl spricht bei der Trauerfeier ihres Vaters. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpaWolfgang SchĂ€ubles Witwe Ingeborg SchĂ€uble (M) verlĂ€sst zusammen mit ihrer Tochter Christine Strobl und deren Ehemann, dem baden-wĂŒrttembergischen Innenminister Thomas Strobl, die Kirche. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpaSoldaten begleiten den Trauerzug auf dem Weg zum Offenburger Waldbachfriedhof. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpaDer Trauerzug hat den Waldbachfriedhof erreicht. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Pool/dpa

Es war der Abschied von einem Staatsmann und einem Ausnahme-Parlamentarier, und besonders emotional wurde es am Ende: In der evangelischen Stadtkirche erklang das bekannte Kirchenlied «O du fröhliche», das Wolfgang SchÀuble zuletzt an Heiligabend gesungen hatte.

«Er wollte uns nochmal ein gemeinsames Weihnachten schenken», sagte SchĂ€ubles Tochter Christine Strobl bei der Trauerfeier vor mehreren Hundert GĂ€sten im badischen Offenburg. Das Sterben sei - wie so viele Male zuvor - mal wieder «abgeblasen» worden, fĂŒgte die ARD-Programmdirektorin mit bewegenden und persönlichen Worten hinzu.

«Papa, Du warst ein Gesamtkunstwerk»

Nach langer schwerer Krankheit war der CDU-Politiker am zweiten Weihnachtstag im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Badener hatte wichtige politische Ämter inne: Er war Minister, CDU-Chef, Fraktionsvorsitzender und PrĂ€sident des Deutschen Bundestages. Niemand gehörte dem Parlament lĂ€nger an als er.

Ihr Vater habe niemals aufgegeben, berichtete die Tochter neben dem aufgebahrten Sarg in dem Gotteshaus. Sie erinnerte an den starken Durchhaltewillen des Politikers und an das Attentat 1990, infolgedessen SchÀuble auf einen Rollstuhl angewiesen war.

Strobl gab rare Einblicke in das Leben des bekannten Politikers. Ihr Vater habe viele gesundheitliche Probleme gehabt, die nie in der Öffentlichkeit bekannt gewesen seien. «Papa, Du warst ein Gesamtkunstwerk», sagte sie.

Reaktionen aus der Politik

In der Kirche versammelten sich Spitzenpolitiker, unter ihnen waren BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas, Innenministerin Nancy Faeser (beide SPD), der PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, Kretschmanns VorgĂ€nger GĂŒnther Oettinger und Erwin Teufel (beide CDU), Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) und der frĂŒhere luxemburgische Regierungschef und EU-KommissionsprĂ€sident Jean-Claude Juncker.

«Was fĂŒr eine Lebensleistung. Was fĂŒr ein politisches Leben», sagte der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz. SchĂ€uble habe «Generationen von Abgeordneten unserer Fraktion eine PrĂ€gung mitgegeben, auch mir ganz persönlich. Ohne ihn stĂ€nde ich heute nicht hier.»

Weiter sagte der CDU-Chef: «Wir sind ĂŒber die letzten drei Jahrzehnte immer engere Freunde geworden.» 16 der bisher 24 Regierungen des Landes habe sein ehemaliger Parteikollege erlebt, fast jeder dritten davon habe er selbst angehört. «Zwei hohe StaatsĂ€mter sind ihm versagt geblieben. Er hĂ€tte sie ohne Zweifel beide ausgefĂŒllt.»

Der baden-wĂŒrttembergische MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann (GrĂŒne) wĂŒrdigte den Verstorbenen als Gestalter Europas, leidenschaftlichen Demokraten und großen Sohn des Landes. «Mit Wolfgang SchĂ€uble verliert unser Land eine ganz große politische Persönlichkeit», sagte Kretschmann. «Er dachte die Dinge durch und dachte sie vom Ende her.» SchĂ€uble habe auch hart sein können, gleichzeitig aber Kompromisse gemacht, die er als eine wichtige Tugend der Demokratie und nicht als SchwĂ€che angesehen habe.

Die evangelische Landesbischöfin von Baden, Heike Springhart, erinnerte daran, dass der tief im Schwarzwald verwurzelte SchĂ€uble gleichzeitig ein weitsichtiger EuropĂ€er gewesen sei. «Wir vermissen seinen Rat und seine Weisheit.» Der gebĂŒrtige Freiburger war 1965 in die CDU eingetreten. 1972 errang er erstmals ein Mandat fĂŒr den Bundestag, dem er ĂŒber ein halbes Jahrhundert bis zu seinem Tod angehörte. Jedes Mal holte er in seinem Wahlkreis Offenburg das Direktmandat.

Großes Ehrengeleit

Vor der Kirche in der Offenburger Innenstadt versammelten sich Hunderte Menschen. Soldaten des Bundeswehr-Wachbataillons nahmen nach dem Gottesdienst in einer Ehrenformation Aufstellung. Das Heeresmusikkorps Koblenz spielte mehrere MusikstĂŒcke, darunter die deutsche Nationalhymne und den Trauermarsch aus dem Oratorium «Saul» von Georg Friedrich HĂ€ndel.

Der Trauerzug mit dem Sarg bewegte sich dann zum gut einen Kilometer entfernten Waldbachfriedhof. Auch die Öffentlichkeit durfte auf ausdrĂŒcklichen Wunsch SchĂ€ubles an der Beerdigung teilnehmen.

Das politische Berlin wird sich am 22. Januar von SchÀuble verabschieden. An diesem Tag wird der Bundestag den von BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier angeordneten Trauerstaatsakt im Plenarsaal des ReichstagsgebÀudes ausrichten. Es werden die Spitzen des deutschen Staates - voran Steinmeier - und Hunderte GÀste aus dem In- und Ausland erwartet.

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron will dem Trauerstaatsakt ebenfalls beiwohnen, wie der ÉlysĂ©epalast in Paris bestĂ€tigte. Der Tag ist symboltrĂ€chtig: Am 22. Januar wird stets die deutsch-französische Freundschaft gefeiert.

@ dpa.de