Kliniken vor Umbau - Lauterbach erwartet 'starke Dynamik' ab Herbst
11.04.2024 - 15:42:13Dann werde es eine "starke Dynamik" geben, sagte Lauterbach am Donnerstag in Berlin. Lauterbach Ă€uĂerte sich zum Auftakt einer Reihe von GesprĂ€chen zu der geplanten Reform mit kommunalen SpitzenverbĂ€nden, Selbstverwaltung und LĂ€ndern. Der Minister zeigte sich zuversichtlich, dass der Zeitplan fĂŒr die Klinikreform gehalten werden könne.
Ab Mai: Per Klick zur Klinik
Ab Mai könnten Versicherte mit dem neuen Online-Klinik-Atlas recherchieren, welcher Eingriff in ihrer jeweiligen Region in welcher Klinik wie hĂ€ufig vorgenommen werde. Ăber Komplikationsraten werde dort in einem nĂ€chsten Schritt informiert, so Lauterbach. Der Bundesrat hatte das entsprechende Gesetz zum Aufbau eines staatlichen Online-Atlas im MĂ€rz passieren lassen. Das neue "Transparenzverzeichnis" soll als interaktives Portal verstĂ€ndlich ĂŒber das jeweilige Angebot an den gut 1700 Kliniken in Deutschland Auskunft geben.
Im April: Klinikreform auf Zielgeraden
Die eigentliche Klinikreform soll möglichst am 24. April im Bundeskabinett verabschiedet werden, wie Lauterbach sagte. In der aktuell laufenden Detailabstimmung innerhalb der Regierung gehe es noch etwa um juristische Detailfragen. FĂŒr 17. April ist noch einmal ein Bund-LĂ€nder-Treffen zur Reform geplant. Die LĂ€nder hatten teils auf mehr Geld fĂŒr ihre KrankenhĂ€user gepocht. Auch aus den Reihen der Krankenkassen hatte es zuletzt heftige Vorbehalte gegen finanzielle Aspekte der Reform gegeben.
Weiteres frisches Geld sieht Lauterbach im Moment fĂŒr die KrankenhĂ€user aber nicht als nötig an, um ungeordnetes Kliniksterben abzuwenden. "Wir werden kein dramatisches Krankenhaussterben bekommen." Vergangenes Jahr habe es 33 Insolvenzverfahren gegeben. 7 von 1720 Kliniken hĂ€tten schlieĂen mĂŒssen. Dabei gebe es unterm Strich nach wie vor deutlich zu viele KrankenhĂ€user. FĂŒr sie fehle Personal und Geld. Sie seien aber auch nicht nötig. Milliardenhilfen fĂŒr die Kliniken etwa durch das jĂŒngste Transparenzgesetz und die frĂŒhzeitige Refinanzierung von Lohnsteigerungen verhinderten ein ungeordnetes Kliniksterben. DafĂŒr werde es einen dringend nötigen geordneten Um- und RĂŒckbau geben.
Ab Herbst 2024: Mehr Klinik-Transparenz
Noch im laufenden Jahr bekommen die LĂ€nder laut Lauterbach ein neues Instrument fĂŒr die Krankenhausplanung, und zwar zur FolgenabschĂ€tzung. AbgeschĂ€tzt werden sollen beispielsweise die Folgen, wenn an bestimmten HĂ€user einzelne Leistungsangebote gestrichen werden. DafĂŒr sei Deutschland in 84 000 Zellen je 1000 Einwohner eingeteilt worden. Damit könne etwa geprĂŒft werden, wie viele HĂ€user in einer Region WirbelsĂ€ulenchirurgie anböten, wo das fĂŒr die Sicherstellung der Versorgung nötig sei und wo der Wegfall dieses Angebots in vertretbarer Entfernung ausgeglichen werden könne.
Lauterbachs Erwartungen sind hoch: Mit den neuen Informationen ĂŒber das gesamte Spektrum der Leistungen der KrankenhĂ€user - sortiert nach sogenannten Leistungsgruppen - gebe es ab Herbst "eine Riesentransparenz". Bisher sei das Krankenhaussystem in Deutschland im Blindflug gefahren worden - fĂŒr rund 90 Milliarden Euro Behandlungskosten pro Jahr. Nun werde es erstmals Planung aufgrund solider Daten geben. LĂ€nder, Kommunen, TrĂ€ger könnten sehen, wo sich Investition oder Kooperation lohnten oder wo auf Angeboten verzichtet werden sollte. "Wir werden einen drastischen Umbau sehen."
Ziel dahinter seien "Strukturverbesserungen, sagte Lauterbach. "Die HĂ€lfte der KrankenhĂ€user in Deutschland hat weniger als 150 Betten." Spitzenmedizin könne es hier nur zum Beispiel fĂŒr kleinere chirurgische Eingriffe, innere Medizin, Geburtshilfe oder Notfallversorgung geben - aber nicht fĂŒr komplizierte Krebsmedizin. Bei komplexen planbaren Eingriffen wird es den PlĂ€nen zufolge viel mehr Konzentration geben.

