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Pflegevollversicherung: Kipping fordert Systemwechsel statt Kürzungen

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 09:05 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbandes verlangt einen Systemwechsel und kritisiert die Reformpläne von Gesundheitsminister Carsten Linnemann. Kurzfristig müsse der Bund zudem fünf Milliarden Euro an die Pflegekassen zurückzahlen.

Kipping fordert Pflegevollversicherung statt Kürzungen
Katja Kipping (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Katja Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbandes, fordert eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung. Am Dienstag verlangte sie gegenüber RTL und ntv eine Pflegevollversicherung, die sämtliche Pflegekosten abdeckt.

Kipping kritisiert Reformkurs

Eine vollständige Kostenübernahme sei keine sofortige Lösung, sagte Kipping. Ohne einen solchen Systemwechsel bleibe die Pflegepolitik jedoch in einem dauerhaften „Hamsterrad schlechter Entscheidungen“.

Kipping wandte sich gegen das geplante Reformpaket von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU). Die Pflege müsse für Betroffene bezahlbar bleiben; das werde nicht funktionieren, wenn die Politik „nur im Kürzungsmodus bleibt“.

Warnung vor höheren Eigenanteilen

Nach Kippings Darstellung nimmt Linnemann höhere Eigenanteile von Pflegebedürftigen in Kauf. Zudem sichere der Minister die Bezahlung der Pflegekräfte nicht mehr ordentlich ab. Dies sende ein schlechtes Signal an junge Menschen und könne den Pflegenotstand der Zukunft verschärfen.

Die Forderung der SPD nach einem Deckel für den Eigenanteil von Heimbewohnern begrüßte Kipping. Sie verwies darauf, dass ein Drittel der Pflegebedürftigen auf Sozialleistungen angewiesen sei, weil sie die Kosten andernfalls nicht finanzieren könnten.

Rückzahlung von Corona-Mitteln gefordert

Als kurzfristige Maßnahme verlangte Kipping, dass der Bund den Pflegekassen fünf Milliarden Euro zurückzahlt. Das Geld war während der Corona-Pandemie von den Pflegekassen genommen worden.

Die Forderung nach einer Pflegevollversicherung zielt auf einen grundlegenden Wechsel vom bisherigen Teilkaskoprinzip. In der sozialen Pflegeversicherung übernimmt die Kasse feste, gesetzlich begrenzte Beträge; steigende Kosten für Pflege, Unterkunft, Verpflegung und Investitionen tragen Pflegebedürftige und Angehörige zu einem erheblichen Teil selbst. Der durchschnittliche Eigenanteil für einen Heimplatz lag zuletzt bei fast 3.400 Euro monatlich.

Die Reformdebatte fällt in eine angespannte Finanzlage. Nach aktuellen Berechnungen könnten der Pflegeversicherung 2027 knapp acht Milliarden Euro und 2028 mehr als 15 Milliarden Euro fehlen. Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel das Verhältnis zwischen Pflegebedürftigen und Beitragszahlern. Eine dauerhafte Vollversicherung würde deshalb nicht nur höhere Leistungen bedeuten, sondern auch eine Entscheidung über zusätzliche Einnahmen, Steuerzuschüsse oder eine breitere Finanzierung.

Streit über Kosten und Zuständigkeiten

Im Zentrum des politischen Konflikts stehen kurzfristige Einsparungen und strukturelle Entlastungen. Die SPD dringt auf einen Eigenanteilsdeckel von 1.500 Euro für pflegebedingte Kosten sowie auf eine stärkere Einbeziehung privat Versicherter. Carsten Linnemann setzt dagegen zunächst auf ein Reformpaket zur Stabilisierung der Beiträge und eine spätere Kommission für strukturelle Änderungen.

Für Bewohner von Pflegeheimen würde selbst ein Deckel auf den Pflegeanteil nicht automatisch die Gesamtrechnung begrenzen, weil weitere Kostenbestandteile hinzukommen. Eine Pflegevollversicherung könnte diese Belastung grundsätzlich umfassender absichern, wäre aber mit erheblichen Finanzierungsfragen verbunden. Kurzfristig dürfte daher entscheidend sein, ob Bund und Koalition eine Entlastung der Betroffenen mit der Stabilisierung der Pflegekassen verbinden können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR24: „Ringen um Pflegereform: Das sind die Knackpunkte“ (28.09.2026)

Der Beitrag ordnet die Finanzprobleme der Pflegeversicherung und die unterschiedlichen Reformansätze von Union und SPD ein. Er bestätigt den Streit über einen Deckel von 1.500 Euro, stellt aber stärker die erwarteten Finanzlöcher und die geplante Kommission in den Mittelpunkt.

tagesschau: „Worum Union und SPD bei der Pflegereform ringen“ (29.09.2026)

Die Darstellung hebt das strukturelle Missverhältnis zwischen steigender Pflegebedürftigkeit und sinkender Zahl der Beitragszahler hervor. Anders als die Forderung nach einer Vollversicherung konzentriert sie sich auf das geplante Reformpaket, den Eigenanteilsdeckel und die Finanzierung über Beiträge sowie eine mögliche Beteiligung privat Versicherter.

Übereinstimmung besteht darin, dass die Pflegeversicherung finanziell unter Druck steht und die Eigenanteile von Heimbewohnern politisch umkämpft sind. Offen bleibt, wie eine kurzfristige Entlastung finanziert und mit einer langfristigen Systemreform verbunden werden kann.

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