Philippe Sands, Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Philippe Sands: Bundesregierung weist Gaza-Kritik zurĂĽck

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 12:28 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Das Auswärtige Amt hält an der deutschen Position zu Israel fest und weist den Vorwurf zurück, Deutschland schweige zu Israels Vorgehen in Gaza. Sands hatte bei der Preisverleihung in Frankfurt eine klare Benennung von Völkerrechtsverletzungen gefordert.

Bundesregierung weist Kritik von Friedenspreisträger Sands zurück
Philippe Sands am 10.10.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Auswärtiges Amt hält Israel-Position fest

  • Ein Sprecher des Auswärtigen Amts wies die Kritik am Montag gegenĂĽber der dts Nachrichtenagentur zurĂĽck.
  • Die Bundesregierung erklärte, unterschiedliche Meinungen in öffentlichen Debatten seien möglich.
  • Philippe Sands erhielt den Friedenspreis am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche.
  • Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Die Bundesregierung hat die Kritik des diesjährigen Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels, Philippe Sands, zurückgewiesen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte am Montag der dts Nachrichtenagentur, Deutschland habe seine Position zu Israel bereits mehrfach klar geäußert.

Regierung nimmt VorwĂĽrfe zur Kenntnis

Der Sprecher betonte, öffentliche Debatten müssten unterschiedliche Meinungen ermöglichen. Zugleich werde man sich nicht jede Kritik automatisch zu Herzen nehmen; die Äußerungen von Sands habe man jedoch „zur Kenntnis genommen“.

Sands hatte am Sonntag bei der Verleihung des Friedenspreises in der Frankfurter Paulskirche das deutsche Schweigen zu Israels Vorgehen im Gazastreifen als „unanständig“ bezeichnet. Völkerrechtsverletzungen müssten klar benannt werden, sagte der französisch-britische Jurist und Autor.

Sands trennt Kritik von Antisemitismus

Nach Darstellung des Preisträgers sei eine solche Kritik weder antisemitisch noch „nicht Anti-Israel“. Sands ist Sohn einer Holocaustüberlebenden und verbindet seine Position mit seinem Einsatz für das Völkerrecht.

Mit der Preisverleihung wurde Sands für seinen Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ausgezeichnet. Die mit 25.000 Euro dotierte Ehrung fand zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse statt.

Die Reaktion des Auswärtigen Amts folgt unmittelbar auf einen ungewöhnlich direkten Auftritt bei der Verleihung des Friedenspreises. Philippe Sands verband seine Kritik an Israels Vorgehen in Gaza mit einem grundsätzlichen Appell an die universelle Geltung des Völkerrechts. Dabei stellte er ausdrücklich heraus, dass die Benennung möglicher Völkerrechtsverletzungen weder antisemitisch noch gegen Israel gerichtet sei.

Streit ĂĽber deutsche ZurĂĽckhaltung

Im Zentrum steht damit nicht nur die Bewertung des Krieges im Nahen Osten, sondern auch der deutsche Umgang mit Kritik an einem engen Partner. Sands warf Deutschland vor, zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland zu schweigen. Die Bundesregierung hält dem ihre wiederholt erklärte Position zu Israel entgegen und betont zugleich, dass öffentliche Debatten unterschiedliche Meinungen zulassen müssten.

Politisch berührt der Streit das Spannungsverhältnis zwischen deutscher Staatsräson, dem Schutz Israels und der Verpflichtung zur Wahrung des Völkerrechts. Für die öffentliche Debatte ist entscheidend, Kritik an konkreten Handlungen von antisemitischen Zuschreibungen zu trennen. Sands’ Rede lenkt den Blick außerdem auf die Frage, ob Deutschland bei befreundeten Staaten dieselben rechtlichen Maßstäbe anlegt wie gegenüber anderen Akteuren.

Bedeutung der Preisverleihung

Die Frankfurter Paulskirche verlieh der Auseinandersetzung zusätzliche symbolische Bedeutung. Der Friedenspreis würdigt Sands’ Arbeit für Gerechtigkeit, Frieden und das Völkerrecht; seine Dankesrede machte die Preisverleihung zugleich zu einem Forum für die deutsche Außen- und Erinnerungspolitik.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Friedenspreisträger Philippe Sands "Schweigen ist nicht der Weg"“ (11.10.2026)

Der Beitrag bestätigt Sands’ Kritik am deutschen Umgang mit Israels Vorgehen in Gaza und stellt den Appell zur universellen Geltung des Völkerrechts heraus. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf die Reaktionen in der Paulskirche und auf die familiär sowie juristisch geprägte Motivation des Preisträgers.

BR24: „Friedenspreisträger Sands übt Kritik an deutscher Israelpolitik“ (11.10.2026)

BR24 fokussiert stärker auf Sands’ Einordnung des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023, Israels Recht auf Selbstverteidigung und die von ihm benannten Grenzen des Völkerrechts. Gemeinsam mit dem tagesschau-Bericht steht die Forderung im Mittelpunkt, Kritik an Israels Politik nicht mit Antisemitismus gleichzusetzen.

Die Beiträge stimmen in der Darstellung von Sands’ Rede und ihrer Kritik an deutscher Zurückhaltung überein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung von Familiengeschichte, Preiswürdigung und den konkreten Aussagen zum Gaza-Krieg; die politische Reaktion der Bundesregierung bildet den nächsten Streitpunkt.

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