Pistorius singt Hymne nach Wahl von AfD-Mann Rausch
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 18:04 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will die deutsche Nationalhymne nicht Rechtsextremen überlassen. Nach der Protestaktion der SPD gegen die Wahl des AfD-Abgeordneten Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt bekräftigte er seine Haltung in einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Pistorius erklärt seinen Auftritt
Pistorius sagte, ihm sei angesichts der Bedeutung des Ereignisses klar gewesen, dass sofort eine Reaktion nötig sei. Deshalb habe er das Mikrofon genommen und vorgeschlagen, vom Bundestag zum Bebelplatz zu marschieren.
Während des rund 20-minütigen Fußmarsches sei ihm die Idee gekommen, an dem historischen Ort der nationalsozialistischen Bücherverbrennung die Nationalhymne anzustimmen. Damit habe er zum Ausdruck bringen wollen, dass Demokratinnen und Demokraten die Farben Schwarz-Rot-Gold nicht den Rechtsextremen überlassen dürften.
„Singuläre Antwort“ auf die Wahl
Die Reaktion auf den Vorfall in Magdeburg sei unverzichtbar gewesen, erklärte der Verteidigungsminister weiter. Das Ereignis habe eine besondere Antwort erfordert, weshalb es richtig gewesen sei, nicht nur mit Worten zu reagieren, sondern sich in Bewegung zu setzen.
Pistorius sagte, er habe die Hymne zuvor noch nie spontan öffentlich angestimmt. Die Reaktionen auf das gemeinsame Singen seien sehr gut gewesen, weniger wegen seines Gesangs als wegen der Tatsache, dass die Hymne gesungen worden sei. Dies habe bei vielen offenbar das Gefühl eigener politischer Wirksamkeit ausgelöst.
Protest nach Wahl von Tobias Rausch
Die SPD hatte mit ihrem Protestmarsch auf die Wahl des AfD-Abgeordneten Tobias Rausch zum Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt reagiert. Die Aktion führte vom Bundestag durch das Brandenburger Tor zum Bebelplatz in Berlin.
Die Wahl von Tobias Rausch markiert einen Einschnitt in der parlamentarischen Entwicklung Sachsen-Anhalts: Erstmals steht ein AfD-Politiker an der Spitze eines deutschen Landesparlaments. Rausch erhielt in geheimer Abstimmung 48 von 82 abgegebenen Stimmen. Damit lag sein Ergebnis über der Zahl der Mandate von AfD und BSW zusammen, was die politische Auseinandersetzung über mögliche Unterstützung aus anderen Fraktionen verschärft.
Der Protest der SPD zielte deshalb nicht nur auf die Person des neuen Landtagspräsidenten, sondern auf die politische Bedeutung der Wahl. Der Marsch vom Bundestag zum Bebelplatz verband den aktuellen Konflikt mit der Erinnerung an die nationalsozialistische Bücherverbrennung. Das gemeinsame Singen der Nationalhymne setzte dabei bewusst ein staatliches Symbol gegen den Anspruch der extremen Rechten, nationale Farben und Symbole für sich zu beanspruchen.
Politische Bedeutung des Protests
Für die SPD ist die Aktion zugleich ein Signal an CDU und andere demokratische Parteien. Entscheidend ist die Frage, wie parlamentarische Verfahren gestaltet werden, wenn eine als rechtsextrem eingestufte Partei stärkste Kraft wird und für wichtige Ämter Stimmen außerhalb des eigenen Lagers erhält. Die Wahl verändert die institutionelle Sichtbarkeit der AfD, beendet aber nicht die Debatte über ihren politischen Umgang.
Für Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt ergeben sich daraus vor allem praktische Fragen zur Arbeit des Landtags: zur Sitzungsleitung, zur Repräsentation des Parlaments und zur Abgrenzung gegenüber extremistischen Positionen. Der Protest kann Aufmerksamkeit schaffen; die politische Wirkung hängt jedoch davon ab, wie Fraktionen ihre Zusammenarbeit und ihre demokratischen Grenzen im parlamentarischen Alltag definieren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Merz über Sachsen-Anhalt: "Mit den Werten der CDU verträgt sich das nicht"“ (07.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die Wahl Tobias Rauschs und ordnet sie als Vorgang ein, bei dem auch Stimmen anderer Parteien eine Rolle gespielt haben. Einen Schwerpunkt legt er auf die Reaktion von CDU-Chef Friedrich Merz sowie auf den Protestmarsch und das Singen der Nationalhymne am Bebelplatz.
n-tv: „Pistorius: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte"“ (07.10.2026)
n-tv stellt stärker die Entstehung der Protestaktion und Pistorius’ scharfe Reaktion auf die Wahl heraus. Der Artikel beschreibt ebenfalls den Gang zum Bebelplatz und das anschließende Anstimmen der Nationalhymne, ergänzt den Vorgang aber um den politischen Streit über mögliche Stimmen aus der CDU.
Übereinstimmend wird die Wahl Rauschs als Auslöser des Protests und das Singen der Hymne als symbolischer Höhepunkt beschrieben. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Während der eine Beitrag die parteipolitische Reaktion und CDU-Abgrenzung betont, stellt der andere Pistorius’ Rolle und die Vorgeschichte der Aktion heraus.
