Buschmann, Strafrecht

Buschmann: Strafrecht stoppt Gewalt gegen Politiker nicht

10.05.2024 - 07:35:43

Politiker und WahlkÀmpfer werden immer hÀufiger bedroht und angegriffen. Die Innenminister wollen deshalb das Strafrecht verschÀrfen. Doch Kritiker sehen dieses Vorhaben mit Skepsis.

Mit hĂ€rteren Strafen lĂ€sst sich die zunehmende Aggression gegen Politiker nach Überzeugung von Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) nicht eindĂ€mmen. «Der Versuch, das gesellschaftliche Problem einer allgemeinen Verrohung der politischen Auseinandersetzung mit dem Strafrecht allein zu lösen, wird scheitern», sagte er Deutschen Presse-Agentur auf dem Weg zum G7-Justizministertreffen in Venedig.

Nach dem brutalen Angriff auf den SPD-Politiker Matthias Ecke in Dresden hatten sich die Innenminister von Bund und LĂ€ndern dafĂŒr ausgesprochen, Angriffe auf Politiker und Wahlhelfer hĂ€rter zu bestrafen. Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla hĂ€lt dies allerdings fĂŒr «Quatsch». «Ein Politiker ist doch nichts Besseres als ein normaler Arbeitnehmer oder Arbeitgeber», erklĂ€rte er am Freitag im rbb-Inforadio.

AfD-Chef mahnt zur «verbalen AbrĂŒstung»

Zuletzt hatten sich Angriffe auf Politiker gehĂ€uft. In Dresden wurde der SPD-WahlkĂ€mpfer Ecke krankenhausreif geschlagen, die Kommunalpolitikerin Yvonne Mosler (GrĂŒne) wurde in der sĂ€chsischen Landeshauptstadt beim AufhĂ€ngen von Wahlplakaten angerempelt und bedroht. In Berlin wurde Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) von einem Angreifer leicht verletzt, in Stuttgart gab es verbale und körperliche Attacken auf zwei Landtagsabgeordnete der AfD.

Zu dem Übergriff auf den AfD-Infostand bekannte sich mittlerweile das Antifaschistische AktionsbĂŒndnis Stuttgart und Region. Im Rahmen einer Protestaktion sei es zu einem «Handgemenge» gekommen, rĂ€umte die Gruppe auf ihrer Homepage und auf Instagram ein. Die Antifa-Aktivisten beklagen allerdings, dass sie ihrerseits von den AfD-Abgeordneten sowie von deren Security-Mitarbeitern körperlich bedrĂ€ngt worden seien.

Chrupalla betonte, dass Gewalt niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein dĂŒrfe. «Es ist einfach zu verurteilen, wenn Menschen angegriffen werden - egal aus welcher Gesinnung oder aus welcher Parteizugehörigkeit.» Dass seine Partei fĂŒr die wachsende Zahl von Übergriffen verantwortlich sei, wies er zurĂŒck. Politiker anderer Parteien benutzten ebenfalls hartes Vokabular, sagte der AfD-Chef und mahnte: «Verbale AbrĂŒstung tut uns allen gut.»

Soll Politiker-Stalking bestraft werden?

Vor dem Hintergrund zahlreicher Übergriffe beabsichtigt Sachsen einen Gesetzentwurf in den Bundesrat einzubringen, der einen neuen Straftatbestand vorsieht. Demnach soll die Beeinflussung von Amts- und MandatstrĂ€gern durch sogenanntes politisches Stalking geahndet werden. Dabei geht es um Bedrohungssituationen wie etwa aggressive AufmĂ€rsche vor dem Wohnhaus eines BĂŒrgermeisters.

Buschmann warnte allerdings vor möglicherweise unprĂ€zisen Formulierungen, die auch legitimes Verhalten kriminalisieren wĂŒrden. Auch sei die Versammlungsfreiheit ein hohes Gut. «Das muss man prĂ€zise von einer nicht mehr akzeptablen Bedrohungssituation abgrenzen.» DarĂŒber hinaus warnte der Justizminister vor dem Eindruck, das deutsche Strafrecht habe in FĂ€llen wie dem von Matthias Ecke blinde Flecken: Eine solch schwere Straftat könne auch jetzt schon entsprechend geahndet werden.

@ dpa.de