Polizei, Besetzung

Polizei erklĂ€rt Besetzung des Humboldt-GebĂ€udes fĂŒr beendet

23.05.2024 - 22:06:05

PropalÀstinensische Aktivisten besetzen ein GebÀude der Humboldt-UniversitÀt in Berlin. Die Hochschule duldet es, es gibt Kritik. Abends wird gerÀumt - und die Uni-PrÀsidentin meldet sich zu Wort.

Die Polizei hat die RĂ€umung des besetzten GebĂ€udes der Humboldt-UniversitĂ€t in Berlin abgeschlossen. Insgesamt hatten sich nach ersten Angaben etwa 150 Aktivistinnen und Aktivisten im GebĂ€ude befunden, wie Polizeisprecherin Beate Ostertag am Abend sagte. Zum Teil gingen die Aktivisten freiwillig, zum Teil fĂŒhrte die Polizei sie ab.

Eine Demonstration am Rande des ehemals besetzten GebĂ€udes wurde im Nachgang aufgelöst - ĂŒber Lautsprecher verkĂŒndete die Polizei, es gebe fĂŒr die Demonstrantinnen und Demonstranten keinen Grund zu bleiben.

Die Demonstranten hatten die RĂ€ume der UniversitĂ€t am Mittwoch aus Protest gegen Israel und zur UnterstĂŒtzung der PalĂ€stinenser besetzt. Die Besetzer der Gruppe namens Student Coalition Berlin werfen Israel in einer Mitteilung «Völkermord» und «laufende Massenmorde» vor. Es gehe um die «bedingungslose SolidaritĂ€t mit dem palĂ€stinensischen Volk». Von Berliner Hochschulen fordern sie unter anderem, dass diese sich fĂŒr einen sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand einsetzen und Druck auf die deutsche Regierung ausĂŒben. Diese solle ein Waffenembargo gegen Israel verhĂ€ngen und alle militĂ€rischen, finanziellen und diplomatischen Hilfen an Israel beenden.

Uni-PrĂ€sidentin von Blumenthal Ă€ußert Bedauern

PrĂ€sidentin von Blumenthal Ă€ußerte angesichts der RĂ€umung ihr Bedauern darĂŒber, dass keine VerstĂ€ndigung erreicht worden sei. «Ich bin nicht sicher, ob es gelungen wĂ€re, aber ich hatte den Eindruck, dass wir einen guten Schritt gemacht haben mit diesem Dialog», sagte sie nach GesprĂ€chen mit den propalĂ€stinensischen Aktivisten, die das GebĂ€ude besetzt hatten. «Es kam dann die Anweisung von ganz oben, die Besetzung zu beenden. Dieser Anweisung habe ich Folge geleistet», sagte sie. Damit meinte sie den Regierenden BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU), wie sie auf Nachfrage anfĂŒhrte.

Blumenthal sagte zu den GesprĂ€chen mit den Aktivisten, es sei möglich gewesen, mit einer Moderation in gegenseitigem Respekt Â«ĂŒber das zu sprechen, wo wir uns vielleicht sogar annĂ€hern können und auch ĂŒber das zu sprechen, was uns trennt.» Es sei möglich gewesen, auch das Leid der palĂ€stinensischen Studierenden anzuhören. NatĂŒrlich habe sie dabei immer genauso das Leid der jĂŒdischen Studierenden vor Augen gehabt.

Aufgeheizte Stimmung und Sprechchöre

Am Abend war die Stimmung an der UniversitĂ€t aufgeheizt, wie eine dpa-Reporterin beobachtete. Am GebĂ€ude hingen Transparente, unter anderem mit der Aufschrift «Free Palestine». Im Hof hinter einem Zaun standen und saßen zuvor einige Dutzend Besetzer, zum Teil mit PalĂ€stinensertĂŒchern vermummt. Sie skandierten in Sprechchören «Viva PalĂ€stina» und «Yallah Intifada». Intifada bezieht sich auf Serien von Angriffen und TerroranschlĂ€gen von PalĂ€stinensern in Israel und wird auch als Aufruf zur Gewalt interpretiert. Laut der Aktivisten-Sprecherin hatten etwa 100 Besetzer im Institut ĂŒbernachtet. Die UniversitĂ€t hatte die Besetzung bis Donnerstag um 18.00 Uhr geduldet.

Der Regierende BĂŒrgermeister Wegner hatte am Nachmittag auf der Plattform X erklĂ€rt, er erwarte von der Humboldt-UniversitĂ€t, «dass sie Verantwortung ĂŒbernimmt und jetzt konsequent handelt. Der Lehrbetrieb muss fortgesetzt werden! Unsere UniversitĂ€ten sind Orte des Wissens und des kritischen Diskurses - und keine rechtsfreien RĂ€ume fĂŒr Antisemiten + Terror-Sympathisanten».

GdP: «Es gilt die Autonomie der Lehre»

Kritik kam auch von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). «Es gilt die Autonomie der Lehre, und gerade UniversitĂ€ten sollten als Ort des Austauschs und der Diskussion gelten», sagte der Sprecher des Landesverbandes, Benjamin Jendro. Das sei aber keine Legitimationsgrundlage, um sich außerhalb des demokratischen Rahmens zu bewegen, antisemitische und menschenverachtende Parolen zu grölen, verfassungsfeindliche Plakate hochzuhalten und SachbeschĂ€digungen zu begehen.

Der Konflikt im Nahen Osten ist inzwischen an deutschen Hochschulen angekommen. Immer wieder gibt es Proteste gegen das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg und Aktionen von Studenten fĂŒr die SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern. Eine Besetzung an der Freien UniversitĂ€t Berlin vor wenigen Wochen war von der Polizei aufgelöst worden.

Protestaktion auch in Oxford

Nach dem Massaker der Hamas mit mehr als 1200 Toten am 7. Oktober in Israel kamen im folgenden Gaza-Krieg laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 35.000 PalĂ€stinenser ums Leben, wobei die unabhĂ€ngig kaum zu ĂŒberprĂŒfende Zahl nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern unterscheidet.

In der englischen UniversitĂ€tsstadt Oxford nahm die Polizei 16 Menschen bei einer Protestaktion fest. Einem BBC-Bericht zufolge soll es sich um einen Sitzstreik propalĂ€stinensischer Demonstranten gehandelt haben. Beamte hĂ€tten am Donnerstagmorgen einen Platz der UniversitĂ€t aufgesucht, teilte die Polizei mit. Zuvor sei berichtet worden, dass sich Demonstranten Zugang zu einem privaten BĂŒro in einem der GebĂ€ude verschafft hĂ€tten.

@ dpa.de