Verdi-Chef gegen Rechtstendenzen in Betrieben
28.12.2025 - 04:45:05Verdi-Chef Frank Werneke will die Betriebe in Deutschland möglichst frei von rechtem Gedankengut und AfD-nahen KrĂ€ften halten. Zur «Nagelprobe» wĂŒrden die Betriebsratswahlen im FrĂŒhjahr, «wo wir natĂŒrlich genau schauen, ob AfD-nahe Listen oder auch Einzelpersonen versuchen, den betrieblichen Raum fĂŒr sich zu erobern», sagte Werneke der Deutschen Presse-Agentur.
Die nĂ€chsten Betriebsratswahlen finden vom 1. MĂ€rz bis zum 31. Mai 2026 statt. GewĂ€hlt werden rund 180.000 Mitglieder von BetriebsrĂ€ten. Werneke sagte, AfD-nahe KrĂ€fte versuchten dabei, möglichst viele Mandate zu erringen.Â
AfD und Gewerkschaften
In den Gewerkschaften seien AfD-FunktionĂ€re nur in einer «sehr ĂŒberschaubaren GröĂe» als Mitglieder vertreten, so die EinschĂ€tzung des Verdi-Chefs. AfD-wĂ€hlende Gewerkschaftsmitglieder gebe es hingegen schon in einem nennenswerten Umfang. In den BetriebsrĂ€ten seien bisher nur vergleichsweise wenige Mitglieder des als AfD-nah geltenden Vereins Zentrum.Â
Der Verein versteht sich als «Die alternative Gewerkschaft», wie es auch im Namen heiĂt. Die Organisation war 2009 von BeschĂ€ftigten aus dem Stuttgarter Stammwerk der damaligen Daimler AG gegrĂŒndet worden.
Ringen um Wahllisten
Werneke sagte, rechte KrĂ€fte versuchten, ihre Stellung nun auszubauen. Vor den anstehenden Betriebsratswahlen stelle Verdi mit «groĂem Aufwand» sicher, dass auf den eigenen Listen niemand kandidiere, der in rechtsextremen ZusammenhĂ€ngen unterwegs sei. «Wir arbeiten auch mit SelbstverstĂ€ndniserklĂ€rungen, die Kandidierende unterschreiben mĂŒssen, wenn sie denn auf unseren Listen antreten wollen.»Â
Verankerung von rechtem Gedankengut
Bislang sei es gelungen, die Arbeitswelt «weitgehend frei» von rechten Tendenzen zu halten, weitgehend frei auch von organisierten AfD-Strukturen - anders als dies bei vielen Vereinen in manchen Regionen Deutschlands der Fall sei. Die AfD versuche zunehmend, den öffentlichen Raum - Vereine, Sport, kulturelle Angebote - zu vereinnahmen.
Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft bedauerte, dass es in vielen Betrieben keine BetriebsrÀte gebe. Den Gewerkschaften falle es dann schwerer, in die Arbeitswelt hineinzuwirken. Vor allem im Industriebereich, etwa in der Automobilzulieferindustrie, gebe es ein nicht unerhebliches Problem mit rechten Listen.
Werneke fordert Brandmauer
Vor den anstehenden Landtagswahlen insbesondere in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern rief Werneke die demokratischen Parteien zur Wahrung einer Brandmauer auf. Sie dĂŒrften «keinen Zweifel daran lassen, nicht mit der AfD zusammenzuarbeiten». Generell mĂŒssten die demokratischen Parteien wieder stĂ€rker in die Gesellschaft hineinwirken - auch in lĂ€ndlichen Regionen, wo teils ein permanenter neuer NĂ€hrboden fĂŒr die AfD entstehe.
Eine wichtige Forderung an die Politik sieht Werneke in diesem Zusammenhang in der Aufrechterhaltung einer guten öffentlichen Daseinsvorsorge. Konkret warf Werneke Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor, KĂŒrzungen zulasten der Kommunen zuzulassen. «Das, muss ich sagen, ist ein fatales Signal, weil das heiĂt, die Kommunen im Stich lassen, absehbar in immer gröĂere Probleme zu bringen.» Werneke wies auf die Bedeutung kommunaler Dienstleistungen hin. «Wenn das alles immer mehr zurĂŒckgeht, zerbröselt, alles auf VerschleiĂ gefahren wird, dann ist das aus meiner Sicht demokratiegefĂ€hrdend.»







