Startchancen-Programm fĂŒr Schulen ist «Paradigmenwechsel»
01.02.2024 - 07:10:52 | dpa.de
Mit dem geplanten Startchancen-Programm fĂŒr Schulen in schwierigen sozialen Lagen wird nach Ansicht des Bildungsforschers Dirk Zorn ein neues Zeitalter im deutschen Bildungssystem eingelĂ€utet. Das Programm sei ein «Paradigmenwechsel», sagte der Experte der Bertelsmann Stiftung der Deutschen Presse-Agentur.
«Es ist eine Abkehr vom bisherigen GieĂkannenprinzip.» Es werde erstmals eine Verteilung von Bundesgeldern geben, die sich nicht - wie zumeist - am sogenannten Königsteiner SchlĂŒssel orientiere, sondern in Teilen den tatsĂ€chlichen Bedarf der BundeslĂ€nder berĂŒcksichtige.
Monatelange Verhandlungen von Bund und LĂ€ndern
Ăber das Programm verhandeln Bund und BundeslĂ€nder seit Monaten. Es sieht danach aus, dass es an diesem Freitag offiziell beschlossen wird. Dann soll es eine Pressekonferenz in Berlin mit dem Titel «VerstĂ€ndigung von Bund und LĂ€ndern zum Startchancen-Programm» stattfinden. Daran nehmen Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und die PrĂ€sidentin der Kultusministerkonferenz, die saarlĂ€ndische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD), teil. Zuvor ist dem Vernehmen nach eine Sonder-Kultusministerkonferenz geplant.
Ziel ist es, dass das Programm zum Schuljahr 2024/25 an den Start geht. Der Bund will jĂ€hrlich bis zu einer Milliarde Euro bereitstellen. Die LĂ€nder sollen sich in gleicher Höhe beteiligen. Insgesamt wĂ€ren dies dann rund 20 Milliarden Euro ĂŒber zehn Jahre.
Im September hatten Bund und LĂ€nder Eckpunkte vorgelegt. Demnach soll etwa jede zehnte Schule und Berufsschule im kommenden Jahrzehnt von zusĂ€tzlicher Förderung profitieren - erreicht werden sollen rund eine Million SchĂŒlerinnen und SchĂŒler. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es rund 40.000 Schulen mit knapp elf Millionen SchĂŒlern in Deutschland.
GesprÀche kurz vor dem Abschluss
Die Verhandlungen stehen nun allen Anzeichen nach kurz vor dem Abschluss. Die Bundespressekonferenz teilte mit, dass es morgen in Berlin eine Pressekonferenz geben wird mit dem Titel «VerstĂ€ndigung von Bund und LĂ€ndern zum Startchancen-Programm». Teilnehmen sollen unter anderem Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und die PrĂ€sidentin der Kultusministerkonferenz, die saarlĂ€ndische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD).Â
Zuvor soll es dem Vernehmen nach eine Sonder-Kultusministerkonferenz geben, auf dem das Startchancen-Programm offiziell beschlossen werden soll.
Es wÀre wohl noch mehr Geld nötig
Zorn sagte, mit dem Programm seien die LĂ€nder dann zum ersten Mal unter Zugzwang, einen Sozialindex fĂŒr ihre Schulen einzufĂŒhren, um Schulen mit dem gröĂten UnterstĂŒtzungsbedarf zu identifizieren. «Es gibt ein klares Bekenntnis: Schulen mit sich ballenden Problemlagen brauchen mehr UnterstĂŒtzung.» Zorn sagte aber auch, dass das Programm aus seiner Sicht zu klein dimensioniert sei. «Eine Milliarde pro Jahr vom Bund plus Kofinanzierung durch die LĂ€nder sind nicht ausreichend mit Blick auf die GröĂe der Herausforderungen.»
In Schulen in schwierigen sozialen Lagen erreichten teilweise 80 Prozent der Kinder nicht einmal die Mindeststandards in den Basiskompetenzen, sagte der Bildungsforscher. «Wichtig fĂŒr die Wirksamkeit des Programms wĂ€re, Brennpunktschulen deutlich besser mit LehrkrĂ€ften auszustatten als Schulen in privilegierten Lagen.»
Grundschulen besonders im Fokus
Positiv bewertete Zorn, dass von den 4000 Schulen, die profitieren sollen, etwa 2400 Grundschulen sein sollen. «In den Grundschulen wird die schulische Basis gelegt fĂŒr eine erfolgreiche Bildungskarriere, da sind die Problemlagen besonders groĂ», sagte der Bildungsforscher. «Dort ist auch die Wirkung, die man erzielen kann, besonders groĂ fĂŒr den weiteren Lebensverlauf von SchĂŒlern.»
Das Startchancen-Programm ist ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung. Darin heiĂt es, dass Kindern und Jugendlichen unabhĂ€ngig von der sozialen Lage ihrer Eltern bessere Bildungschancen ermöglicht werden sollen. Gefördert werden sollen Schulen «mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter SchĂŒlerinnen und SchĂŒler».
Die ausgewĂ€hlten Schulen sollen nach Angaben aus den Eckpunkten mit Geld unterstĂŒtzt werden, damit sie in eine bessere und moderne Lernumgebung investieren können. Dazu kommen Gelder zur freien VerfĂŒgung der Schulen - ein sogenanntes Chancenbudget. AuĂerdem sollen zusĂ€tzliche Stellen geschaffen werden, etwa fĂŒr Schulsozialarbeit.
Bildungsstudien zeigen Abnahme der Kompetenzen von SchĂŒlern
Hintergrund ist die Erkenntnis, dass in Deutschland der Erfolg eines Kindes in der Schule weiterhin stark vom Elternhaus abhĂ€ngt. Bildungsstudien zeigen zudem eine Abnahme der Kompetenzen. Viele Kinder scheitern in der Grundschule am Lesen, Schreiben, Rechnen, bleiben zurĂŒck und schaffen spĂ€ter dann auch keinen Abschluss.
Erst im Dezember hatten Ergebnisse einer neuen Pisa-Studie gezeigt, dass deutsche SchĂŒlerinnen und SchĂŒler im Jahr 2022 so schlecht abschnitten wie noch nie zuvor. Sowohl im Lesen als auch in Mathematik und Naturwissenschaften handelte es sich den Angaben zufolge um die niedrigsten Werte, die fĂŒr Deutschland jemals im Rahmen von Pisa gemessen wurden.
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