Sachsen-Anhalt: Siegmund will im Dezember MinisterprÀsident werden
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 14:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund will sich in der Dezember-Sitzung des Magdeburger Landtags als MinisterprÀsident von Sachsen-Anhalt zur Wahl stellen.
GesprÀche mit BSW laufen
Der AfD-Co-Fraktionschef sagte, seine Partei fĂŒhre weiterhin konstruktive GesprĂ€che mit einer anderen Landtagsfraktion sowie mit einzelnen Abgeordneten anderer Fraktionen. Gemeint sind die GesprĂ€che mit dem BSW ĂŒber Inhalte, die eine AfD-gefĂŒhrte Regierung umsetzen könnte.
Das BSW schlieĂt eine Koalition mit der AfD aus. Ergebnisse der GesprĂ€che gibt es bislang nicht. Siegmund Ă€uĂerte sich auch nicht zur genauen Konstruktion einer kĂŒnftigen Regierung.
âFormat der StabilitĂ€tâ angekĂŒndigt
Vor der Landtagswahl hatte Siegmund mehrfach ausgeschlossen, ohne eigene absolute Mehrheit zu regieren. Nun sagte er, er wĂŒrde nicht in die MinisterprĂ€sidentenwahl gehen, wenn er die StabilitĂ€t nicht vorher als Gewissheit sehe.
Nach seinen Worten werde es keine klassische Minderheitsregierung geben. Wenn alles wie geplant laufe, werde ein âFormat der StabilitĂ€tâ sondiert, das oberhalb einer Minderheitsregierung liege. Weitere Details nannte er zunĂ€chst nicht.
AfD fehlen drei Stimmen zur Mehrheit
Bei der Landtagswahl am 6. September war die AfD mit Siegmund als Spitzenkandidat auf 43,8 Prozent gekommen und stĂ€rkste Kraft geworden. Die CDU erreichte 17,2 Prozent. Die AfD stellt 39 Abgeordnete; fĂŒr eine Mehrheit im 83-köpfigen Landtag sind 42 Stimmen nötig.
CDU, Linke, GrĂŒne und SPD kommen zusammen ebenfalls auf 39 Sitze. Das BSW verfĂŒgt ĂŒber fĂŒnf Mandate und hat angekĂŒndigt, sich bei der MinisterprĂ€sidentenwahl enthalten zu wollen. Im dritten Wahlgang reicht in Sachsen-Anhalt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen; Enthaltungen werden dabei nicht mitgezĂ€hlt.
Vier Parteien beraten ĂŒber Alternative
Parallel zu den GesprĂ€chen zwischen AfD und BSW tauschten sich am Dienstag SPD, GrĂŒne, Linke und BSW in Magdeburg erstmals aus. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Möglichkeit eines ĂŒberparteilichen MinisterprĂ€sidenten. Nach der konstituierenden Sitzung des Landtags am 6. Oktober sollen die GesprĂ€che fortgesetzt werden.
Die vier Fraktionen verfĂŒgen gemeinsam nicht ĂŒber eine Mehrheit. Diese gĂ€be es nur zusammen mit der CDU, die eine Einladung der SPD abgelehnt hat und sich in der Opposition sieht.
Schwierige MehrheitsverhÀltnisse
Die AfD verfĂŒgt nach der Wahl ĂŒber 39 der 83 Sitze im Landtag und verfehlt damit die absolute Mehrheit von 42 Mandaten. Das BSW hat fĂŒnf Sitze, schlieĂt eine Koalition mit der AfD jedoch aus. Eine Enthaltung des BSW könnte im dritten Wahlgang dennoch entscheidend sein, weil dann die Mehrheit der abgegebenen Stimmen genĂŒgt und Enthaltungen nicht gezĂ€hlt werden.
Politisch geht es deshalb um eine Konstruktion, die ĂŒber eine klassische Minderheitsregierung hinausreicht. Siegmunds Hinweis auf ein bislang nicht nĂ€her benanntes âFormat der StabilitĂ€tâ deutet auf verbindliche Absprachen zu einzelnen Vorhaben oder eine andere Form parlamentarischer Absicherung hin. FĂŒr die praktische RegierungsfĂ€higkeit bliebe entscheidend, ob solche Vereinbarungen dauerhaft tragen.
Entscheidung im Dezember
Vor der konstituierenden Sitzung am 6. Oktober stehen zunĂ€chst weitere GesprĂ€che an. SPD, GrĂŒne, Linke und BSW loten eine Alternative ohne AfD aus; ohne die CDU verfĂŒgen sie jedoch ebenfalls nicht ĂŒber eine Mehrheit. Die CDU will in die Opposition gehen und hat eine Einladung zu weiteren GesprĂ€chen abgelehnt.
FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger wird damit nicht nur die Person des MinisterprĂ€sidenten wichtig, sondern auch die VerlĂ€sslichkeit kĂŒnftiger BeschlĂŒsse. Ein Landtag ohne klare Regierungsmehrheit kann Gesetze verabschieden, wenn wechselnde Mehrheiten zustande kommen. Haushaltsentscheidungen, langfristige Investitionen und die Umsetzung politischer Vorhaben werden dadurch jedoch besonders stark von verbindlichen Absprachen abhĂ€ngig.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht bestĂ€tige, dass AfD und BSW miteinander verhandelten, bislang aber offenbar ohne gröĂere Fortschritte. Er setze den Schwerpunkt auf die politische Auseinandersetzung zwischen CDU und AfD und stelle heraus, dass Sven Schulze Siegmund an dessen frĂŒherer Festlegung auf eine absolute Mehrheit messe.
MDR: âLeichte Sprache: Wer kann Sachsen-Anhalt regieren?â (28.09.2026)
Der MDR erlĂ€utere die Sitzverteilung und die daraus entstehenden Optionen fĂŒr die Regierungsbildung. Anders als die dpa-Meldung richte der Beitrag den Blick stĂ€rker auf eine mögliche Regierung ohne AfD und betone, dass weder dieses Modell noch eine AfD-gefĂŒhrte Regierung bislang feststehe.
Beide BeitrĂ€ge beschrieben ĂŒbereinstimmend die fehlende absolute Mehrheit der AfD und die schwierige Regierungsbildung. Unterschiede lĂ€gen vor allem im Fokus: Der Tagesspiegel beleuchte den parteipolitischen Konflikt, wĂ€hrend der MDR die parlamentarischen Rechenwege und Alternativen erklĂ€re.
